Editorial: Ökumene in Gefahr?

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

''Ja, sind die denn im 16. Jahrhundert stehen geblieben", fragt eine Sonntagsblattleserin empört im Blick auf fünf bayerische katholische Bischöfe. Zeigt der "Brand-Brief" der katholischen Bischöfe zur Öffnung des Abendmahls in besonderen Fällen, besonders fünf bayerischer, dass es mit der Ökumene längst nicht so weit her ist, wie geglaubt und oft öffentlich dargestellt?

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sich sieben Bischöfe mit einem Brief an den Vatikan gewandt hatten. Darin zweifeln sie die Rechtmäßigkeit des Zugangs von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion an. Ende Februar hatte die katholische deutsche Bischofskonferenz beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen.

Kenner der Ökumene in Bayern warnen nun vor großer Aufregung. So mahnt der evangelische Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiß zu Besonnenheit. Verschiedene Meinungen seien doch immer zulässig.

Und tatsächlich mildert nun der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die Bedeutung des Briefes ab: "Es war kein Brandbrief und kein Verweigerungsbrief, dem es darum geht zu verhindern, dass evangelische Christen in konfessionsverschiedenen Ehen zur Kommunion gehen dürfen", sagte Schick laut epd. Vielmehr sei er mit einigen Bischöfen der Ansicht, "dass Antworten aus Rom auf einige Fragen grundsätzlicher Art für uns alle wichtig wären".

Es wird von Experten erwartet, dass der Papst positiv zu der kritisierten Handreichung steht. Bewahrheitet sich diese Vermutung, dann haben die Briefschreiber der Ökumene in diesem Bereich eigentlich einen Gefallen getan.
"Eigentlich", denn die öffentliche Wahrnehmung ist in diesen Tagen leider eine andere. "Die Bischöfe sind gegen die Ökumene", denkt sich so mancher evangelischer oder katholischer Christ. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Mehrheit der deutschen katholischen Bischöfe hinter dem Beschluss stehen. Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Und der wird durch den besagten Brief nicht aufgehalten.

                                 Martin Bek-Baier