Luther mischt sich ein, 1. Kapitel

Timos Zimmer
Drei Stifte und ein Kaltgetränk - Timo fing an zu recherchieren. Wer war eigentlich Martin Luther? Bilder: Jordan

Besuch aus der Ewigkeit.

Ein Geschichte für Jungs und Mädchen

"Heimatland!" 73.100.000 Einträge!

"Na toll", grummelte Timo. "Das wird ja ein Klacks. Nur so ein paar Millionen Einträge." Sorgfältig schob er seine gespitzten Bleistifte ein bisschen weiter nach links. Jetzt lagen sie genau parallel zu seinen Papieren, die nur darauf warteten, beschrieben zu werden. Herr Wagner hatte ihm bis nach den Ferien Zeit gegeben, dieses blöde Referat vorzubereiten. Und das, obwohl er wusste, wie sehr Timo es hasste, vor allen zu stehen und zu reden. Es würde seine Kompetenz erweitern - hatte Herr Wagner gesagt.

Ausgerechnet Luther. Als gab es nicht wichtigeres in dieser Welt als über solche ollen Kamellen zu schreiben und nachzudenken. Warum nicht über das Leben und Werk von Barak Obama. Der lebte wenigstens noch. Aber nein. Herr Wagner ließ nicht mit sich verhandeln. Zu guter letzt gab er Timo nach der Stunde noch einen Einkaufs-Chip mit. Einen Einkaufs-Chipp mit Luthers Bild darauf. Dazu viele gute Wünsche fürs Referat. "Vielleicht ist es ja ein Glücksbringer", sagte Herr Wagner noch. Na vielen Dank auch.

Timo schob sein Saftglas ein Stückchen mehr nach rechts.

"So" - sagte er halblaut. "Wollen doch mal sehen, was der alte Knabe so gemacht hat." Den Chip legte er neben sein Saftglas. Bilder auf der Computerseite sprangen ihm in die Augen: Luther in verschiedenen Altersstufen. Ein Typ mit Halbglatze, einer mit einer Art schwarzem Mantel um die Schultern. Einer, der ein bisschen dicklich war und mit nach unten hängenden Mundwinkeln ihm aus dem Computer entgegen schaute.

"Wie Tante Steffi", dachte er. Seine Tante kannte er fast nur mit hängende Mundwinkeln. Es sei denn, ein Mann befindet sich mit ihr im gleichen Raum. Dann wurden die Mundwinkel hochgeklappt und rosa bemalt. Heimlich natürlich. "Tante Steffi - aufgefrischt zum Männerfang", sagte dann immer Timos Mutter grinsend. Bisher hatte aber noch nichts so richtig geklappt - das mit den Männern bei Tante Steffi. Und wenn sie nicht aufpasst, bleibt der Mundwinkel am Ende hängen. Am Ende ausgerechnet dann, wenn das passende Mann um die Ecke kommen würde.

Dann würden sie die Familie jeden Sonntag deprimiert besuchen. Sie würde den halben Nachmittag auf dem Sofa sitzen, weil Timo's Familie "doch alles ist, was sie an Familie hat - wo ihr das Glück bisher versagt blieb." Und so würde das den ganzen Nachmittag gehen. Gejammer ohne Ende. Timo dachte, er sollte ihr unbedingt mal das Bild von Luther zeigen. Das wäre das, was der Nachwelt bleibt. Keiner will so der Nachwelt erhalten bleiben - mit herabgezogenen Mundwinkeln, dachte Timo. Es ist doch viel netter, wenn man ein bisschen ein freundliches Gesicht macht. "Lache und die Welt lacht zurück", sagt seine Mutter immer. "Und Kind - immer dabei die Zähne zeigen!"

Luther hatte offensichtlich keine Mama, die ihm das gesagt hat. Aber es dauerte natürlich damals auch viel länger, bis so ein gemaltes Bild von einem fertig war, als wenn man mal eben die Zähne für ein Foto zeigt.

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