Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 3

Timo schmückt den Baum
Timo liebte es, am Heiligen Abend morgens - noch bevor seine Familie wach war - den Christbaum zu schmücken. Illustrationen: Aaron Jordan

Das Weihnachtswunder


Erinnert ihr euch noch an die Geschichte von dem zwölf­jährigen Timo, der von Martin Luther Besuch bekommt - als Stimme in seinem Kopf? Wenn nicht, schaut Euch den letzten Teil der Geschichte an. Luther möchte ihm bei einem Referat helfen. In dieser Geschichte bereitet sich Timo, gemeinsam mit dem großen Reformator auf den Heiligen Abend vor. ­Gemeinsam schmücken sie den Baum und singen die alten Lieder zusammen. Sogar eines, das Luther persönlich gedichtet und komponiert hat. Und dann ist er plötzlich da: der Heilige Abend. Und Timo bekommt das schönste Geschenk der Welt. Aber lest selbst. Frohe Weihnachten, euch allen.

Wenn er die Nadel vorsichtig auf die schwarze Scheibe legte, ertönte zuerst ­Glockengeläute aus irgendeiner Kirche. Das war sein Startzeichen für den Vormittag. Ritual am Morgen

Am Heiligen Abend stand er ­freiwillig sehr früh auf, wenn es draußen noch fast dunkel war und begann den Baum zu schmücken. Das war seine Aufgabe und keiner durfte ihm da hineinpfuschen. Er liebte es zu sehen, wie aus einer grünen Tanne nach und nach ein festlicher Weihnachtsbaum wurde. Ohne die besondere Musik dabei ­konnte er sich das Schmücken gar nicht mehr vorstellen.
Er trat einen Schritt zurück und legte den Kopf schief. In der Hand hielt er drei Strohsterne. Die wollte er an der besten Stelle am Weihnachtsbaum noch verteilen.

Er hörte Luther leise mitsummen. "Och komm - das Lied kannst du doch nicht kennen, oder?"

"Nein. Aber das ist schön! Ich mag Musik. Das weißt du doch mittlerweile!", summte es melodiös. "Gottes Wort will gepredigt und gesungen sein."

Timo hängte die Strohsterne auf. "Das mit dem Weihnachtsbaum gefällt mir sehr gut", lobte Luther. "Du machst das richtig schön. Gefällt mir!"

Timo grinste und hob seinen Daumen in die Luft. "Jahrelange Übung. Ich schmücke immer den Baum!" "Und deine Familie?" "Die schläft noch. Da hab ich meine Ruhe. Ich mag das. Ich schmücke immer solange, bis ich das Gefühl habe: Jetzt ist es der schönste Baum der Welt! Hektisch wird's später ganz von selber."

"Ja - so Zeiten braucht man. Nimm noch einen Strohstern mehr", hörte er Luther seufzen.

"Kommet ihr Hirten" kam als nächstes. Das sang der Kinderchor von Mamas alter Schallplatte immer besonders schnell.

"... kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, kommet, das liebliche Kindlein zu schaun. Christus, der Herr, ist heute geboren, den Gott zum Heiland euch hat erkoren. Fürchtet euch nicht!"

Nach etlichen Jahren des Mitsingens hatte Timo sowohl den Text als auch die Schnelligkeit drauf.

"Respekt! Hol mal wieder Luft!", sagte Luther in seinem Kopf.

"Du magst wohl Weihnachten? Warum?"

"Och", sagte Timo und suchte eine Christbaumkugel in Rot. "Das ist so ein schönes warmes Gefühl! All die Lichter und die Düfte. Die Aufregung, was es wohl als Geschenk geben wird. Vielleicht krieg ich ja dieses Jahr endlich ein neues Handy."

An seinen tiefen Wunsch, einen eigenen Hund zu bekommen, glaubte er nicht mehr. Zu oft hatten ihm seine Eltern gesagt, dass ein Tier eine Verantwortung fürs Leben sei und keinesfalls unter einem Tannenbaum zu liegen hätte. Und überhaupt: Wer sollte denn sich um den Hund kümmern? Das entschiedene "Na ich" interessierte sie kein bisschen. Dann eben ein Handy. Etwas anders fiel Timo für dieses Jahr nicht ein.

 

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