Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 4

Timo beim Packen
Was muss unbedingt mit - überlegt Timo. Alles wollte gut bedacht werden.

Von Rom auf den Zeltplatz


Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, dass Timos Mutter beschlossen hatte, mit der Familie in Urlaub zu fahren? Timo war ein bisschen "komisch" geworden, seit er Martin Luther in seinem Ohr hatte. Der Reformator wollte ihm eigentlich bei einem Referat helfen. Das brachte den Zwölf­jährigen völlig durcheinander. ((=> Hier geht es noch zur letzten Folge.) Seine Familie, die nichts davon wusste, stellte allerdings fest, dass Timo in letzter Zeit ganz schön blass um die Nase aussah. Daher macht sich die Familie auf, Zelten zu gehen. Beim Packen erzählt Luther Timo, wie es damals war, als er verreiste. Einmal war er sogar in Rom. Das sollte sein ganzes Leben verändern. All das könnt ihr hier in dieser neuen Folge "Herr Luther mischt sich ein" nachlesen. Viel Vergnügen dabei!

Sein Vater fand die Idee prima, dass die Familie zum Zelten gehen wollte. "Sollte, meinst du wohl", maulte Timo. Aber sein Vater wuschelte ihm nur durch die Haare und grinste. Das ärgerte Timo noch mehr. Schließlich war er kein Baby.

"Was wollen wir denn da überhaupt machen?"

"Och", sagte sein Vater, "wie sagt ihr immer so schön: bisschen Chillen. Pilze finden. Lagerfeuerchen. Tee trinken. Tischtennis spielen. Ohne Handy. Ohne Computer. Endlich mal Ruhe haben!"

Zwei Tage später, an einem Freitag, war es dann tatsächlich so weit: Die Familie von Timo rüstete sich zum Zelten. Und ob er nun wollte oder nicht: Er musste mitmachen.

Schon am frühen Morgen war die Familie eifrig unterwegs. Der Stapel der Dinge, die sie auf keinen Fall vergessen wollten, wuchs und wuchs in der Diele der Wohnung.

"Matthias " hast du die Thermoskanne?", rief Timos Mutter gerade aus der Küche seinem Vater zu. Timo musste grinste, als er das in seinem Zimmer hörte. Wenn er eines aus den letzten Campingurlauben mit seiner Mutter gelernt hatte: Sie liebte es offenbar Tee zu kochen. Gewöhnlich trank sie morgens sehr schweigsam ausschließlich Kaffee. Aber im Urlaub kochte sie Tee. Mit ihrem Spirituskocher.

"Dem König unter den Spirituskochern!", wie sie immer wieder stolz betonte. "Nicht irgendein Kocher!" Was daran jetzt so toll sein sollte, dass seine Mutter mit Hingabe dreimal am Tag mit einem Streichholz den Spiritus zum Brennen brachte, um dann einen Wasserkessel darauf zustellen, verstand er nicht.

Dennoch kochte sie literweise Wasser, um damit Tee mit so wohlklingenden Namen wie "Heiße Liebe" oder "Prima Verführung" zuzubereiten. Ihm war das recht. Denn eigentlich mochte er diesen Tee, den sie mit viel Zucker süßte.

Verweichlichte Jugend

"Ein Bier wäre mir persönlich ja lieber!", sprach Luther fast schon schwärmerisch. "Ach - was konnte Herr Käthe Bier brauen. Herrliches, süffiges Bier, das einem nur so die Kehle hinab rann. Ich wünschte, ich könnte noch mal so ein Bierchen trinken!"

"Du weißt schon, dass ich erst zwölf bin und kein Bier trinken darf?", erwiderte Timo. "So was nennt man Jugendschutz."

"Ach - wirklich?", antwortete Luther. "Zu meiner Zeit war das anders. Da durften die Kinder auch schon mal. Jugendschutz! So was gabs bei uns damals nicht. Aber wenn man es richtig betrachtet, gab es Kinder - so wie sie in dieser Zeit behandelt werden - nicht  wirklich, sondern nur kleine Erwachsene. Die mussten im Prinzip alles machen, was die Großen auch taten. Da habt ihr es heute besser. Aber dafür seid ihr auch ganz schön verweichlicht! Jammert übers Campen in vornehmen Zelten, dürft kein Bier trinken und hängt immer an Geräten, für die es Strom und Netz braucht. Was auch immer das ist und wie es funktioniert? Das überlege ich immer noch!"

"Schluss jetzt", sagte Timo streng. "Ich muss meine Gedanken zusammennehmen. Ich brauche meine Taschentücher, warme Socken, Stirnlampe und meine Servietten. Vielleicht sollte ich auch eine Wärmflasche mitnehmen. Und mein Ladekabel fürs Handy."

"Was ihr immer so alles braucht. Zum Reisen brauchte es damals bedeutend weniger. Kutscher, Kutsche und Pferd. Und schon ging los. Oder per pedes. Einfach drauf los laufen, bis man da ist."

"Wahrscheinlich hat dir Herr Käthe immer schön die Koffer gepackt und in die Kutsche gestellt", grinste Timo.

"Du hast keine Ahnung, wie oft ich herumgereist bin. Auch schon lange vor Herr Käthe. Ein Sack über der Schulter " das wars. Alle Habseligkeiten zusammen!" Luther hörte sich fast ein bisschen beleidigt an. "Ich war sogar in Rom. Beim Papst."

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