Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 6

Timo und Luther
Timo konnte es kaum erwarten, sein Handy nach dem Urlaub in die Hand zu nehmen. Luther war neidisch auf die schnelle Datenübermittlung. Illustrationen: Aaron Jordan

Internet und Scheiterhaufen

Erinnert Ihr euch noch, dass Timo mit seiner Familie zum Zelten fahren musste? Er wollte eigentlich gar nicht, aber da hatte er bei seinen Eltern nicht viel zu melden. Lieber wäre er Zuhause an seinem Computer gesessen. Aber da war nichts zu machen. Immerhin stellt er auf dem Campingplatz fest: Gar nicht mal so schlecht hier. Schließlich hatte er vorgesorgt: Von der Taschenlampe bis zu Servietten ist alles dabei. Er ist gerüstet. Auf was er allerdings nicht eingestellt ist, ist ein plötzlicher Wetterumschwung. Als Timo und sein kleiner Bruder den Zeltplatz begutachten, ändert sich das Wetter von einem schönen Tag in ein Unwetter. Es gießt aus vollen Kübeln und dann beginnt auch noch ein Gewitter. Gut, dass ihn da Luther besucht und von seinem schlimmsten Gewitter aller Zeiten erzählt. All das könnt ihr hier in dieser neuen Folge "Herr Luther mischt sich ein" nachlesen. Viel Vergnügen dabei!

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

Zehn Tage später fuhr die Familie nach Hause. Das Wetter in all der Zeit war ein Träumchen, wie seine Mutter jeden Morgen mit Blick auf den Himmel sagte. "Den morgendlichen Wolkencheck", nannte das sein Vater grinsend. Denn nach dieser Gewitternacht merkten sie, wie wichtig das Wetter war, wenn man nicht über ein komfortables und sicheres Haus verfügte. Sie hatten jedoch Glück. Jeden Tag schien die Sonne genau richtig und warm vom Himmel und keine Wolke war weit und breit zu sehen. Zehn Tage, in denen Timo einfach in der Sonne saß und "chillte" - also gar nichts machte.  Zwischendurch spielte er mit seinem Vater ein bisschen Tischtennis. Mit seiner Mutter kochte er Tee und seinem Bruder  ging er - wenn möglich - aus dem Weg. Zelten war in Ordnung - war Timos Fazit. So floss die Zeit wunderbar dahin. Selbst Lu­ther schien Urlaub genommen zu haben. Es machte Timo schon fast ein bisschen Sorgen, dass er so gar nichts von ihm mehr hörte.

Jetzt lag das Zelt sorgsam zusammengefaltet in einer Kiste im Kofferraum, ebenso wie die Dreckwäsche in einer extra Tasche, das Kochgeschirr, die Schlafsäcke und alles andere, was sie dabei hatten. Timo war von all dem Packen, Sortieren und Verstaunen reichlich geschafft. Sein kleiner Bruder hingegen sang auf der Rückfahrt die ganze Zeit. Wie nervig! Seine Mutter sagte - mit Blick in den Rückspiegel: "Wer knufft, stänkert oder sich sonst am anderen zu schaffen macht, bekommt eins auf die Mütze, dass es kracht!" Da hatte Timo gerade den Arm nur millimeterweise in Richtung Bruder bewegt, um ihn zum Schweigen zu bringen. "Mütter!", seufzte er innerlich. Seine Mutter kannte da nichts. Am Ende würde sie noch ein Computer- oder Handyverbot aussprechen. Ausgerechnet jetzt, wenn er doch unbedingt wissen wollte, was es Neues bei seinen Freunden gab.

Als sie ankamen, war Tante Steffi auch schon da. "Juhu!", rief sie aus dem Fenster aus dem vierten Stock nach unten. "Ich komm' runter und helfe euch!" Bepackt wie nach einer Expedition machten sie sich alle auf den Weg nach oben. Zelte und Zubehör kamen sogar noch ein Stockwerk höher auf den Dachboden. "Wenn ihr fertig seid, habe ich eine kleine Überraschung für euch", ächzte die Tante, die ein paar Pfund mehr auf den Rippen hatte, als ihr gut getan hätte und eine Kiste mit den Küchenutensilien hinaufschleppte.

In der Küche wartete ein Käsekuchen auf sie. "Steffi - du bist die Beste!", seufzte seine Mutter, schenkte sich dazu einen frisch gekochten Kaffee ein.

Da hörte auf einmal Timo wieder die bekannte Stimme: "Wie mein Herr Käthe", hörte er Martin Luther sprechen. "Die hat auch immer eine kleine, leckere Überraschung für mich gehabt, wenn ich von meinen Reisen nach Hause kam. Honigkuchen zum Beispiel." Timo hörte ein schnalzendes Geräusch. "Sie hat extra Bienen gezüchtet, weil ich Honig so gerne aß."

Er hörte ein klopfendes Geräusch - ähnlich dem, wenn sein Vater sich den Bauch klopfte, wenn er mehr als satt war. "Meine Figur hat unter der guten Kost vom Herrn Käthe ein bisschen gelitten. Wenn ich mir heute Bilder anschaue, wie dürr ich als Mönch war- und wie fett später! Allmächtiger!"

 

 

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