Familienforschung leichter gemacht

Blick in das Portal
Blick in das Portal mit aufgeschlagenem Kirchenbuch. Bild: Kirchenbuchportal GmbH

Lebenslinien in Gottes Hand (4): Evangelisches Portal für Kirchenbücher startete durch

Jeder kann nun in den Zehntausenden bereits digitalisierten Kirchenbüchern Familienforschung betreiben. Bereits nach einem halben Jahr hat das Kirchenbuchportal "Archion" rund 3.700 Nutzer. Nach einer sechsmonatigen Testphase ist es seit Ende März freigeschaltet. Es gehöre zu den Pflichten der evangelischen Kirche, Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten und zur Auswertung bereitzustellen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende und der bayerische Landesbischof  Heinrich Bedford-Strohm anlässlich der Freischaltung der Internetseite in Kassel.

"Die Testphase hat etwas länger gedauert als gedacht", erklärte Bettina Wischhöfer, Leiterin des Archivs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Außer einigen kleineren technischen Problemen seien aber keine gravierenden Mängel in dem neuen Portal aufgetreten.

Kirchenbücher - Tauf-, Ehe- und Totenbücher - gelten auch nach Einführung der staatlichen Standesämter im 19. Jahrhundert als eine zent­rale Quelle für die Familienforschung (Genealogie). In Deutschland gibt es rund 200.000 evangelische und 100.000 katholische Kirchenbücher. Sie werden in den kirchlichen Archiven oder in den Kirchengemeinden aufbewahrt.

Inzwischen seien rund 25 Prozent von ihnen über "Archion" digital abrufbar, so Geschäftsführer Harald Müller-Baur. In Westfalen etwa seien die evangelischen Kirchenbücher komplett digital. In Württemberg soll es bis Ende des Jahres so weit sein. Und in Bayern sind gut 80 Prozent der Bestände des Landeskirchlichen Archivs in Nürnberg über Archion digitalsiert. Daneben gäbe es jedoch auch viele Kirchenbücher in einzelnen Gemeinden, die längst noch nicht so weit sind. Auch kommunale oder staatliche Archive sollen noch hinzukommen.

Kostenlos ist das Angebot allerdings nicht. Da die kirchlichen Mittel knapp sind und Archion sich künftig selbst tragen soll, wird von den Nutzern eine Gebühr erhoben, so Wischhöfer, die auch Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Stellt sich aber heraus, dass das gesuchte Kirchenbuch noch gar nicht digitalisiert ist, fallen auch keine Gebühren an. Bei der Bezahlung kann zwischen verschiedenen Modellen - monatlich (19,90 Euro), jährlich (178,80 Euro), nach Tagen - gewählt werden. Gebühren fielen jedoch bei privaten Recherchen in örtlichen Archiven schon immer an.

Unter den genannten 3.700 Nutzern sind jedoch nur gut tausend langfristig registriert. Manche der anderen melden sich auch mehrfach an. Harald Müller-Baur hofft auf 2.000 ständige Nutzer, damit sich Archion selbst trägt. Nach einem halben Jahr sei man jedoch auf einem guten Weg.

Eine Suche macht für den Archivnutzer allerdings nur dann Sinn, wenn er die Suche eingrenzen kann. Da die Kirchenbücher praktisch nur eingescannt sind und auch so auf dem Bildschirm erscheinen, funktioniert eine Suche nach Namen nicht - wie etwa bei "Google" üblich. Manchmal gibt es Anfragen von Amerikanern, die nur wissen, dass ihre Ahnen aus Franken kamen.

Ohne genauere Ortsbezeichnung sei es aber außerordentlich schwierig, die entsprechenden Kirchenbücher zu finden: "Da können wir dann auch nicht weiterhelfen." Die Hilfe-Funktion aber wird gerade überarbeitet, um gerade für die älteren Nutzer bequemer zu sein. "Denn wenn immer die gleichen Anfragen kommen, müssen wir reagieren", so Müller-Baur. In diesem Jahr soll es noch eine englische Version des Portals geben.

Ebenso sei es hilfreich, wenn die Ahnenforscher die altdeutsche Fraktur- oder Sütterlinschrift beherrschten. Da die alten Einträge mit diesen heute vielfach nicht mehr bekannten Buchstaben gemacht wurden, sind sie nicht ohne weiteres zu entziffern. Immerhin bietet das Portal für Unkundige auf seinen Seiten eine Einführung in diese Schrift an. Trotz allem: Nun können Familienforscher bequem von zu Hause aus recherchieren.   

Mehr im Internet www.archion.de

Wenn Sie eine spannende eigene Geschichte zu erzählen haben oder es Erfahrungen mit der Familienforschung oder Biografie-Arbeit gibt, können Sie sich an das Sonntagsblatt unter der E-Mail sonntagsblatt(at)rotabene.de oder Telefon 09861/400-389 wenden.  

                              epd/bor

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