Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 10

Eisessen
Hanna wollte mit Timo ein Eis essen gehen und Luther schwärmte ihm von seiner Frau Katharina vor. Es war mal wieder Zeit, sich Geschichten anzuhören, anstatt zu lernen. Illustrationen: Aaron Jordan

Eine Verabredung und eine heimliche Hochzeit

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

Timos Handy zwitscherte unter seinem Kopfkissen. Er hatte es sich gerade gemütlich gemacht und wollte nur für fünf Minuten die Augen schließen. Er griff unter sein Kissen und zog das Handy hervor.

"Willst du um 5 mit mir ein Eis essen?" Dahinter die Symbole von einem Eis in einer Waffel, eine Kaffeetasse, ein Sonnenschirm und ein Grinsegesicht.Eine Nachricht von Hanna. Hanna? Sie hatte ihm noch nie geschrieben.

Die Schule war heute entsetzlich anstrengend gewesen. Er hatte eine Latein Probe wiederbekommen und war über die Fünf mehr als enttäuscht. Seiner Meinung nach hatte er doch vorher alles gewusst. Als er die Probe sah und die vielen roten Striche wusste er, dass das offensichtlich ein Irrtum war. Na toll. Am Freitag war Schulaufgabe und er war sich nicht sicher, ob er dann besser sein würde. Das würde noch ein ganzes Stück Arbeit geben.

Manchmal hatte er das Gefühl, als ob die Lehrer in einen Hohlraum sprechen würden. Zum einen Ohr rein, die Worte drehten eine kleine Runde durch sein Gehirn, um anschließend zum anderen Ohr wieder herauszuflattern. Nun musste er daheim üben und üben und die Worte irgendwie verankern. Vielleicht konnte ihm ja Christian helfen. Aus rätselhaften Gründen war sein Freund viel besser in Latein. Obwohl auch er die Stunden im Halbschlaf verbrachte und sich offensichtlich wenig dafür zu interessieren schien.

"Ich bin eben ein Naturtalent!", sagte Christian dann grinsend.

Und jetzt eine Textnachricht von Hanna. Hanna war nett aber sehr unauffällig. Nicht unhübsch, aber auch nicht so "wow" wie Luise. Sie war ein bisschen schüchtern. Immer wenn sie verlegen war, fielen ihr die Haare über ihr Gesicht. Wie ein Vorhang, als ob keiner ihre wahren Gedanken erraten sollte. Schon war Latein in weite Ferne verschwunden. Das war ja spannend.

Noch nie hatte Timo etwas mit Hanna unternommen. Sie war vielleicht mal dabei gewesen, wenn sie alle zusammen im Kino gewesen waren. Aber das sie ihn anschrieb und sich mit ihm treffen wollte? Das gab es bisher noch nicht. Schade, dass es keine Nachricht von Luise war, dachte er sich. Mit Luise wäre er liebend gerne ein Eis essen gegangen. Aber warum nicht, dachte er sich. Die perfekte Ablenkung, den Tag ohne Latein zu verbringen. Besser Eis essen, als sich um Formeln und Vokabeln zu kümmern.

"Was verschafft mir die Ehre?", schrieb er zurück.

"Alle anderen haben keine Zeit!", antwortete sie prompt.

"Na toll!", dachte sich Timo. Zweite Wahl. Aber er wollte mal nicht so sein und besser als Vokabeln lernen ist es allemal.

"Vorsicht!", hörte er Luther glucksen. "So hat es bei mir auch angefangen!"

"Äh - was jetzt genau?"

"Meine Liebesgeschichte zu Herr Käthe!"

"Herr Luther! Wir gehen ein Eis essen. Wir heiraten nicht! Jetzt mal langsam!", empörte sich Timo und wurde ein bisschen rot. "Ein Eis. Mehr nicht!", wiederholte er.

Heimlich war er froh, dass es nur Hanna war und nicht Luise. Denn dann wäre er nicht nur rot, sondern knallrot geworden. Immer wenn er nämlich an Luise dachte, tanzten Schmetterlinge in seinem Bauch Samba.

"Nur auf ein Eis?"=> weiter

 

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