Gemeinsam unterwegs auf Lebenspfaden

Maria Rummel
Maria Rummel plant ihre Pilgerreisen und bricht zu neuen Ufern auf. Foto: Borée

Lebenslinien in Gottes Hand (11): Wie Pilgern den eigenen Werdegang beflügeln kann

Pilgern - in die Dunkelheit hinein. Das hat sich Maria Rummel für den Advent vorgenommen. Doch nicht nur sie allein wird unterwegs sein.

Von drei Orten, die jeweils rund zehn Kilometer von Rothenburg ob der Tauber entfernt sind, geht es nachmittags los. Kirchenvorsteher oder weitere engagierte Ehrenamtliche aus den beteiligten Gemeinden haben bereits den Weg geplant. Es ist Maria Rummel wichtig, dass diese Aktion dezentral verankert ist. Ihre geistigen Impulse ergänzen den Weg. Langsam bricht dann im Dezember die Dämmerung herein, während die Gruppe noch unterwegs ist. Allmählich erhellen die ersten Straßenlaternen die Umgebung.

Adventspilgern

In der Altstadt umgibt die Gruppe die gesamte Adventsbeleuchtung. Mit einem Mal erstrahlt die ganze Pracht des Weihnachtsmarktes um die Kurzzeit-Pilger. Bei einem Glas Glühwein können sie sich ein wenig aufwärmen, bevor es dann zur besinnlichen Adventsführung in die St. Jakobskirche geht.

Ein adventlicher Lebensweg? Beim gemeinsamen Gehen lässt man vieles hinter sich. Und man bewegt sich auf ein Ziel zu. Es ist Maria Rummel wichtig, Pilgern in Zusammenhang mit der gesamten Biografie zu sehen. Sie ist nicht nur Pilgerbegleiterin, sondern hat sich intensiv mit der Erwachsenenbildung und der Biografiearbeit auseinandergesetzt.

Auch Maria Rummels eigener Lebensweg glich durchaus nicht immer einem immerwährenden Frühling. Die 53-Jährige fand immer weniger Erfüllung als Sekretärin im Windelsbacher Bürgermeisteramt. Als Maria Rummels vier Kinder größer wurden, wagte sie ihren Neuanfang in der Erwachsenenbildung und der Biografiearbeit. Auch eine Ausbildung zur Familienpflegerin ergänzte ihre Fertigkeiten. Im Evangelischen Erwachsenenbildungswerk war sie ein Jahr lang fest angestellt.

Nun arbeitet sie dort auf Honorarbasis weiter mit. Daneben gestaltet sie freiberuflich Gesprächskreise oder Frauenfrühstücke. Und sie arbeitet stundenweise im Sekretariat des "regionalbuffets" mit, in dem regionale Spezialitäten und Veranstaltungen dazu angeboten sind.

Keine einfachen Wege

Als Pilgerbegleiterin geht Rummel nicht die einfachen Wege. Unterwegs in Wüstenzeiten - das bewegt sie immer wieder. Nicht nur auf dem spanischen Jakobsweg. Dort gehen sie manchmal auch mitten in der Sommerhitze ohne Schatten auf staubigen Pfaden an endlosen, abgeernteten Felder vorbei. Einige Mitglieder aus ihrer Gruppe gaben da auf. Sie bestellten sich ein Taxi und ließen sich zu schöneren Wegstrecken vorfahren. "Aber mitten im Leben ist das ja nicht so einfach", kommentiert Maria Rummel. Sie weiß aus ihrer Praxis: Jede Steigung hat ihr Ende. Dann gibt es die Aussicht in weite Täler. Und die Gruppe schaut gemeinsam in eine Richtung.

Pilgern an der Autobahn: Warum auch nicht? "Was macht das mit mir?", fragt die Pilgerbegleiterin. Was erleben die Pilger, wenn die Autos an ihnen vorbeirasen? Was macht der Lärm und Gestank mit ihnen? Und plötzlich blüht eine Sonnenblume neben der Standspur, die die Autofahrer gar nicht sehen.

An solchen Details entwickeln sich manchmal intensive Gespräche. Die Pilger denken unterwegs über ihre bisherigen Lebenspfade nach. "Wo ist der springende Punkt der Lebenserzählung?", fragt Maria Rummel, wenn existentielle Gespräche während einer Pilgerreise zustande kommen. Und sie entdeckte: "Die Wortwahl ändert sich, wenn man sich mit dem Lebensweg versöhnt."

Die Gesprächspartner sind fast anonym. Man redet sich mit Vornamen und dem "Pilger-Du" an. Das bedeutet nicht, dass man dabei bleiben muss, wenn die Weggefährten vielleicht im 'normalen' Leben wieder aufeinandertreffen. Aber dass Nachnamen und Herkunft wenig Bedeutung haben, entspannt die Gespräche unterwegs.

"Nun passt alles zusammen", zieht auch Rummel ihr Lebensresümee, während ihr Blick aus dem Fenster am Windelsbacher Ortsrand in die winterliche Hügellandschaft hinausgeht. Alle Bäche ihres Lebens, die lange nebeneinander flossen, haben sich für sie vereinigt. Sind sie vielleicht zu dem See zusammengeflossen, der am Rande ihres Grundstücks die Sonne widerspiegelt?

Wie geht es weiter?

Während auf ihrem weitläufigen Familienhof noch die alltäglichen Vorbereitungen für die Weihnachtszeit im Gange sind, richtet Maria Rummel bereits ihren Blick auf das nächste Jahr. Im Februar bietet sie Studientage an, um darüber nachzudenken, wie eine selbst gestaltete Andacht gelingen kann. Am Samstag, 27. Februar, gibt es in Wörnitz einen Seminartag zum Familienstellen. Welchen Platz habe ich dort? Das Nachdenken darüber ist gerade auch für Einzelteilnehmer gedacht.

Es kommt die Osterzeit: Maria von Magdala hat für sie eine besondere Bedeutung. Warum konnte sie schon schwer damit umgehen, dass Jesus nicht mehr dort im Grab lag, wo sie ihn zurückgelassen hatte? "Wo hätten wir Jesus gerne?", fragt Maria Rummel nebenbei.

Wenn die Tage sonniger und länger werden, dann begeht die Pilgerbegleiterin wieder längere Strecken mit den Gruppen. Für Ende Mai des nächsten Jahres plant sie bereits eine mehrtägige Pilgerreise auf dem Jakobsweg von Würzburg nach Rothenburg. Auch Sonntagswege in Mittelfranken treiben sie um. Aber zunächst geht es für sie und alle Mitgehenden auf den Weg durch die hereinbrechende Dämmerung zum Adventslicht. 

Die Aktion "Pilgern statt shoppen" startet an den Freitagen vor den drei letzten Adventsonntagen jeweils um 14 Uhr. Treffpunkt ist am 4. Dezember an der Steinsfelder Kirche, am 11. Dezember am alten Bahnhof in Diebach und am 18. Dezember in Adelshofen am Goldäckerweg (Richtung Gattenhofen). Der Pilgerweg geht jeweils rund zehn Kilometer zur St. Jakobskirche nach Rothenburg. Dort Teilnahme um 17 Uhr an den abendlichen Kirchenführungen mit Orgelimprovisation mit Pfarrer Oliver Gußmann und Kirchenmusikdirektor Ulrich Knörr. Rückfahrtmöglichkeit zu den Ausgangspunkten. Weitere Infos in den Pfarrämtern oder bei Maria Rummel (auch zu den weiteren Themen) unter Telefon 09867/724 oder E-Mail marumwin(at)t-online.de. Keine Anmeldung erforderlich.

Wenn Sie eine spannende eigene Geschichte zu erzählen haben oder es Erfahrungen mit der Familienforschung oder Biografie-Arbeit gibt, können Sie sich an das Sonntagsblatt unter der E-Mail sonntagsblatt(at)rotabene.de oder Telefon 09861/400-389 wenden.  

                           Susanne Borée

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