Wo der "Faktor 4" herrscht

Familie Volk
Cafébesuch hoch vier (von links): Josef, Agnes, Luzia und Gabriel mit Papa Ralf Volk. Foto: Christ

Lebenslinien in Gottes Hand (28): Mehrfacher Vater will unterfränkisches Netzwerk schaffen

Hier gibt es Freude und Querelen, wie in jeder anderen Familie, man spielt zusammen, streitet und versöhnt sich. Alles ganz normal. Und doch ist die Würzburger Familie Volk etwas Besonderes: Vier Kinder tummeln sich hier. "Das hat sich so ergeben", sagt Vater Ralf Volk: "Und wir sind sehr glücklich damit." Wobei es nicht leicht sei, eine so große Familie zu "managen", so der Psychiater, der gerade dabei ist, einen unterfränkischen Ableger des Verbands kinderreicher Familien in Deutschland (KRFD) zu etablieren.Für die zwölfjährige Luzia ist es klasse, so viele Geschwister zu haben: "Es ist immer jemand zum Spielen da, man ist nie alleine." Auch Papa, Mama sowie Labradorhund Ben sorgen dafür, dass in der Familie immer etwas los ist. "Uns ist es wichtig, dass sich die Kinder viel bewegen", erklärt Vater Ralf Volk: "Das ist ein guter Ausgleich zur Schule."

Mit Rädern und Rollern ist er heute mit Agnes, Josef, Luzia und Gabriel unterwegs in ein Café. Die Familie erntet manchen erstaunten Blick, wenn sie so daherkommt, aber das sind die fünf schon gewohnt. "Negative Reaktionen kenne ich nicht", sagt Ralf Volk. Eher Bewunderung. Denn es kommt heute nicht mehr allzu häufig vor, dass eine Familie so zahlreich ist.

"Daran liegt auch unser demografisches Problem", erläutert Volk. Das habe nämlich weniger damit zu tun, dass es heute viel mehr kinderlose Paare als in den 1950er Jahren gäbe: "Sondern vor allem damit, dass es viel weniger kinderreiche Familien gibt."

Viele Eltern kommen heute schon mit einem Kind ziemlich in Stress. Es gibt ja auch eine Menge Situationen, die einen ans Limit bringen können: Der Kleine hat einen Wutanfall, das Telefon klingelt, im Ofen brennt der Kuchen an. In der Familie Volk, so Vater Ralf, muss dies tagtäglich mit dem "Faktor 4" multipliziert werden. Vier Kinder haben vier Befindlichkeiten und vier Bedürfnisse, vier Mal fallen Hausaufgabensituationen an, es gibt vier Hobbys zu berücksichtigen. So trainieren alle im Sportverein. Allerdings zu jeweils anderen Zeiten und an jeweils anderen Orten.

"Zeit ist ein großes Thema", sagt Ralf Volk. Während man Liebe leicht "teilen" könne, geht das mit der Zeit nicht so gut. Man kann immer nur für ein Kind gleichzeitig ein offenes Ohr haben.

Die Abläufe in der Familie Volk sind strikt durchorganisiert, jeder hat seine Aufgabe. Luzia zum Beispiel ist dafür zuständig, dass Hund Ben regelmäßig Futter bekommt. Auch ist festgelegt, wer am Wochenende Brötchen holt, wer das Aquarium pflegt und wer die Wäsche sortiert. Ohne einen festen Plan ginge es nicht, sagt Ralf Volk, sonst ist Chaos programmiert: "Was auf der anderen Seite bedeutet, dass Spontaneität kaum möglich ist." Mal eben zu Freunden fahren? Sich spontan zum Spaziergang treffen? Das ist bei den Volks nicht drin.

Bei künftigen Treffen mit anderen Kinderreichen aus Unterfranken möchte sich Ralf Volk austauschen, welche Tipps und Tricks andere Familien gefunden haben, um den "Faktor 4" oder gar den "Faktor fünf" zu handeln. Alleine, alle Termine unter einen Hut zu bringen, gestaltet sich mitunter etwas abenteuerlich. Bei den Volks zum Beispiel sind sämtliche Kids dommusikalisch engagiert. Doch jedes Kind ist in einem anderen Chor aktiv. Luzia singt im Nachwuchschor der Mädchenkantorei, ihre Schwester Agnes nimmt am Aufbauchor teil, die Brüder Josef und Gabriel singen in verschiedenen Vorchören. Alle müssen zu unterschiedlichen Zeiten zu ihren Proben gebracht werden.

Auch gemeinsame Unternehmungen sind nicht ganz so einfach zu organisieren. Denn die Interessen sind altersbedingt sehr unterschiedlich. Das beginnt beim Kindertheater. Ein Stück, das für den sechsjährigen Josef und den achtjährigen Gabriel spannend ist, langweilt die elfjährige Agnes. Das bedeutet auch im Urlaub eine Herausforderung. "Richtig entspannend ist Urlaub für uns Erwachsene nicht", gibt Volk zu. Neulich fuhr die Familie mit dem Zug nach Venedig. Etliche Koffer waren zu verstauen. Und alle vier Kids mussten die lange Zugfahrt über bei Laune gehalten werden.

Mehrere kinderreiche Familien könnten sich unterschiedliche Veranstaltungen aussuchen, sich aufteilen und so etwa an einem Sonntagnachmittag allen Kindern etwas bieten, was ihrem Alter entspricht. Die einen gehen vielleicht ins Puppentheater, die anderen in eine Vorstellung des Stadttheaters, die sich an ältere Kinder richtet.

Ralf Volk schwebt mit dem ­unterfränkischen KRFD-Ableger gleichzeitig ein solidarisches Netzwerk für Kinderreiche vor. Das Zeitbudget jeder Familie mit mehr als drei Kindern sei stets auf Kante genäht, sagt er. Gut, zu wissen, dass in einem akuten Notfall, etwa bei Krankheit, andere da sind, die einspringen können: "Zum Beispiel, indem man eines der Kinder zu sich nimmt."

Größter Wunsch des vierfachen Familienvaters wäre es, einen halben Tag pro Woche zusätzlich Zeit für seine Familie zu haben. Auch für solche familienpolitischen Ziele kämpft der KRFD. Dem Verband zufolge muss die Situation kinderreicher Familien dringend verbessert werden. Denn nicht selten führe Kinderreichtum zu Armut. Auch haben es Kinderreiche laut Volk oft schwer, eine angemessene Wohnung zu finden. Neben allem Spaß und neben aller Entlastung, die der neue Ableger des KRFD bringen möchte, soll es auch um solche familienpolitischen Themen gehen, damit es künftig leichter wird, sich für mehrere Kinder zu entscheiden.

Der politisch und konfessionell unabhängige Verband kinderreicher Familien Deutschland fördert und unterstützt Familien mit mindestens drei Kindern. Grundlage des Engagements ist die Überzeugung, dass Großfamilien einen individuellen und gesellschaftlichen Mehrwert bringen. Kinder lernen hier soziale Kompetenzen wie eine angemessene Streitkultur. In Deutschland gibt es 1,4 Millionen Großfamilien mit mindestens drei Kindern. In Unterfranken müssten es umgerechnet über 20.000 sein.

Wer von diesen Familien Interesse hat, sich zu vernetzen, kann sich unter ralf.volk(at)kinderreiche-familien.de an Ralf Volk wenden. Unter dieser Mailadresse berät Volk auch offiziell für den KRFD.  

Wenn Sie eine spannende eigene Geschichte zu erzählen haben oder es Erfahrungen mit der Familienforschung oder Biografie-Arbeit gibt, können Sie sich an das Sonntagsblatt unter der E-Mail sonntagsblatt(at)rotabene.de oder Telefon 09861/400-389 wenden.  

                         Pat Christ

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