Der Stahlhelm aus dem Rhein

Stahlhelm
Ein besonderes Urlaubserlebnis hatten Engelbert und Carmen Steinert in Bad Königshofen mit dem Stahlhelm eines deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, den sie verrostet im Rhein bei Remagen fanden. Foto: Kleinhenz

Lebenslinien in Gottes Hand (27): Die Steinerts bargen einen ungewöhnlichen Fund

Bad Königshofen, Dekanat Neustadt a. d. Saale. Erstmals fuhren Engelbert Steinert (58) und seine Frau Carmen (55) ohne die Kinder, die ob ihres Alters schon ihre eigenen Wege gehen, in den Urlaub. Als die Eltern nun zurück kamen, konnten sie ihnen nicht nur erzählen, wie schön es war und dass sie sich gut erholt haben, sondern auch von einem besonderen Erlebnis.  Sie waren  für 14 Tage an den Rhein gefahren, um ein wenig Abkühlung zu suchen und ließen sich in einem Hotel in dem Rotwein-Städtchen Unkel nahe Remagen nieder. 

Großes Vergnügen bereitete ihnen das Schlendern auf der Rhein-Promenade. Sie sahen, dass der Fluss ob des geringen Wasserstands bis zu 60 Meter vom Ufer aus begehbar war. Vergnügt in den Rhein blickend, sah Engelbert Steinert als aufmerksamer Beobachter  plötzlich einen Gegenstand aus dem Sand herausragen. Gerade war ein Schiff mit winkenden Passagieren vorübergefahren und hatte das Wasser noch weiter von der seichten Stelle weggeschwemmt. Was er aus der Distanz sah, wollte er nun genauer wissen.

Der Lackierer lief daher ein Stück in den Rhein hinein und entdeckte im Sand einen rostigen Stahlhelm. "Woher kommt der denn?", fragte  sich der 58-Jährige verdutzt an der Fundstelle und nahm ihn in die Hand, ehe er das Exemplar seiner wartenden Frau am Ufer präsentierte.

Auch sie war sehr überrascht gewesen und rätselte, wie so was denn im Rhein landet. "Es dauerte nicht lange", erzählt Engelbert Steinert, "da standen auch schon zahlreiche Passanten um uns herum. Denn sie waren neugierig und wollten wissen, was es mit dem Stahlhelm auf sich hatte." Dass ein solcher Helm von einem gefallenen Soldaten stammen könnte, lag nahe. Denn Ende des Zweiten Weltkriegs hat es im Bereich der Fundstelle einen Kriegsschauplatz gegeben. Am Ufer erfuhren die Steinerts auch, dass im Rhein immer wieder Munitionsmaterial gefunden wird. Das passte alles zusammen.

Später trafen die beiden Bad Königshöfer einen erfahrenen Feuerwehrmann aus Kiel in ihrem Hotel, der sich den Helm eingehend betrachtete. Und er kam zu dem Schluss, dass die Kopfbedeckung von einem Soldaten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg getragen wurde. "Denn solche Stahlhelme", so der Feuerwehrmann laut Steinert, "wurden nach Kriegsende den Feuerwehren überlassen und  farblich umgestaltet, damit sie nicht wie Kriegshelme aussahen." Der Kieler Feuerwehrler habe noch einen solchen Stahlhelm der Wehrmacht als Mädchen für alles getragen. "Daher konnte er das Relikt wohl auch exakt zuordnen", so Steinert.

Engelbert Steinert nahm zuhause ein Meterband zur Hand und maß den Stahlhelm. Demnach hat er eine Kopfgröße von 15 cm Durchmesser. "Er muss wohl von einem schlanken Soldaten getragen worden sein, mir selbst würde er nicht passen." Ursprünglich dürfte der Soldatenhelm rund 30 cm Umfang gehabt haben, ein Teil davon ist infolge des Rosts bereits abgebröckelt. Auf die Waage brachte er immerhin 1,3 Kilo. Im Innern ist das sogenannte  Stoßband  noch in einem Teil erhalten, die ­Lederriemen als Befestigungsmittel sind freilich nicht mehr vorhanden.

Die 1919 errichtete Rheinbrücke zwischen Remagen und Erpel - in diesem Bereich war der Helm gefunden worden - erlangte Ende des Zweiten Weltkrieges große Bedeutung. Die Amerikaner eroberten die Brücke und erleichterten den Alliierten den weiteren Vormarsch, um den  Zweiten Weltkrieg um Monate zu verkürzen. Die schwersten Angriffe erlebten die Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Brücke wohnten, angeblich Ende 1944 und Anfang 1945. Die Brücke wurde in Bombennächten zum großen Kriegsschauplatz. Zahlreiche Zivilisten und Soldaten der "Brückensicherungskompanie" fielen den Auseinandersetzungen zum Opfer. 
Der zwar verrostete, aber in seiner Form weitgehend erhalten gebliebene Stahlhelm, weist auch einige Rostlöcher auf. Es dürfte sich kaum um Einschüsse handeln. Der Helm wurde offiziell aber nicht untersucht.

Das Relikt soll bei der Familie Steinert in Bad Königshofen nun einen Ehrenplatz erhalten. Nicht nur als Erinnerung an den schönen Rhein-Urlaub, sondern auch als Symbol für Frieden und Freiheit.  "Da ich schon viel über Kriegseinsätze von meinem Großvater und meinem Vater hörte, ist mir klar, was viele Menschen schon mitgemacht haben. Ich bin dankbar, dass ich so viel Leid noch nicht erleben musste. Die Menschen bei uns sollten daher von Glück reden, in Frieden zu leben", sagt Steinert.  Mit dem Aufbewahren des Soldatenhelms  will er ein Zeichen setzen, den Gefallenen der Kriege zu gedenken und sich für Frieden und Freiheit verstärkt einzusetzen.     

Wenn Sie eine spannende eigene Geschichte zu erzählen haben oder es Erfahrungen mit der Familienforschung oder Biografie-Arbeit gibt, können Sie sich an das Sonntagsblatt unter der E-Mail sonntagsblatt@rotabene.de oder Telefon 09861/400-389 wenden.  

                         Josef Kleinhenz

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