Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 13

Bimelbahn
Mit der Bimmelbahn fuhr die ganze Klasse nach Rothenburg. Illustrationen: Aaron Jordan

Mit Schwert oder festem Glauben

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

Seine Mutter kam in Timos Zimmer. "Hier. Ich dachte, vielleicht magst du auf der Reise noch einen kleinen Proviant haben." Sie legte ihm mehrere Bifi-Würstchen und zwei Capri Sonne auf den Schreibtisch.

Timo musste grinsen. Er wusste, dass für seine Mutter ein Klassenausflug undenkbar ohne Bifi und Capri Sonne war. "Ist ja spannend, dass ihr nach Rothenburg fahrt. Das ist so ein nettes Städtchen. Die ganzen Gassen und Türme und die Stadtmauer. Herrlich. Wir waren da mal als du noch ganz klein warst. Da hast du dir dein erstes Holzschwert ausgesucht."

"Wegen mir hätten wir da nicht hin gemusst!"

"Mein liebes Kind - es schadet nichts, wenn du deinen Horizont erweiterst", sprach seine Mutter salbungsvoll. Sie wusste, wie ungern Timo verreiste. Er packte seine Regenjacke auf die Capri Sonne und die Bifis, hängte sich seinen Geldbeutel um den Hals und versteckte ihn unter seinem T-Shirt. Man konnte nicht vorsichtig genug sein.

"Rothenburg - freie Reichsstadt - Mittelalter. Das ist ja interessant!", hörte er die vertraute Stimme von Luther im Ohr.

Eine halbe Stunde später stand er zwischen Christian, Hanna und Thomas und wartete mit dem Rest seiner Klasse auf den Zug.

Der Wagner, ihr merkwürdiger Relilehrer, hatte die Idee gehabt, zum Mittelalterlichen Kriminalmuseum nach Rothenburg zu fahren. Dort fand eine Ausstellung statt, die "euch bestimmt über alle Maßen interessieren wird - gerade dich, Timo - im Hinblick auf Martin Luther!"

Es richteten sich alle Blicke auf ihn. Und Sebastian Thiel konnte natürlich nicht an sich halten, durch das Klassenzimmer zu zischen: "Na danke - du Honk! Alles nur wegen dir!"

Die Klasse wusste, dass er immer noch das Super-Referat über Martin Luther halten musste. "Soviel Zeit, wie du mittlerweile dafür brauchst, erwarte ich Höchstleistung!", sagte Pfarrer Wagner damals, als er um mehr Zeit bat. In diesem Kriminalmuseum gab es eine Ausstellung über Luther und Hexen. Nun. Vielleicht wurde es ja doch interessant.

Mit der Regionalbahn in einen Ort kurz vor Rothenburg. Dort stiegen sie mit unfassbar vielen Menschen aus aller Herren Länder in die Bimmelbahn nach Rothenburg um.

"Alta!", sagte Christian beeindruckt. "Hier scheint ja halb Japan zu sein. Und die halbe USA. Hammer. Und wir sind auch dabei!"

Dafür legte er sogar sein Handy beiseite. Die Pokémons mussten warten. Das reale Leben schien so spannend, wie virtuelle Schnitzeljagd nach Abenteurerfiguren. Sie hörten in der Bimmelbahn ein schier babylonisches Sprachgewirr, und dann sahen sie in der Ferne Rothenburg mit seinen vielen Türmen. Sie fuhren durch Orte mit lustigen Namen. Sebastian Thiele ließ es sich nicht nehmen, gehässig zu Timo und seinen Freunden zu schauen und zu gröhlen:"Genau der richtige Ortsname für euch. Muhaaa. Schweinsdorf!", dabei grunzte er zufrieden über seinen dämlichen Witz. Seine Kumpels lachten pflichtgemäß.

Timo seufzte. Was für ein Idiot. Pfarrer Wagner bekam davon natürlich nichts mit. Er saß zusammen mit der jungen, hübschen Referendarin zu weit weg und unterhielt sich angeregt. Er wirkte richtig lebendig dabei. "Schau an, schau an", flüsterte Timo und stupste Christian an. Der Pfarrer auf Freiers Füßen - oder?"

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