Leistungssteigerung beginnt im Kopf

Nico Müller
Mit dem Stuhl demonstriert Nico Müller, wie er in Rio beim Stoßen Bestleistung erzielen will. Foto: Meyer

Lebenslinien in Gottes Hand (45): Olympiateilnehmer erhält letzten Schliff in Mittelfranken

Ein Sportler muss sich heute nicht nur im Training perfekt auf seine Wettkämpfe vorbereiten, auch mental muss er für Höchstleistungen bereit sein und sich entsprechend auf den Saisonhöhepunkt vorbereiten. Der für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro nominierte Gewichtheber Nico Müller aus Mosbach holte sich jetzt deshalb den letzten Schliff bei seinem Mentalcoach Oliver Gulde in Niederstetten.

"Bis zu 20 Prozent Leistungssteigerung sind durch ein ausgeklügeltes Mental-Training möglich", so Gulde, der mit dieser Behauptung auf Feststellungen aus der Gehirnforschung zurückgreift. Körperliches Training sei nur eine Seite der Vorbereitung, weshalb Mentalcoaching im Sport immer mehr Zuspruch finde. Im Jahr 2013 haben Gulde und das inzwischen 22-jährige deutsche Gewichthebertalent zusammengefunden und ihre Arbeit intensiviert.

Nico Müller hat sich zu Beginn seiner Karriere bei den Senioren bewusst für den Sport entschieden und gehört seit November 2013 einer Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Das Gewichtheben vermittelte ihm von Beginn an Spaß und Leidenschaft und bald stellten sich erste Erfolge ein. Im Alter von sieben Jahren hatte er bei SV Germania Obrigheim mit dem Gewichtheben begonnen und bis heute bestreitet er dort seine Bundesligawettkämpfe.

Seit 2005 wird er hier vom früheren Olympiasieger Oliver Caruso trainiert und ein dritter Platz bei der Jugend-Europameisterschaft im spanischen Valencia im Jahr 2010 war ein erster Achtungserfolg, welcher zur Teilnahme an der Jugend-Olympiade in Singapur berechtigte. 2015 ging er in seiner Gewichtsklasse erstmals bei einer Weltmeisterschaft für Senioren in Houston (Texas) an den Start und belegte dort einen 19. Rang.

Ein fünfter Platz bei der diesjährigen Europameisterschaft im norwegischen Forde reichte dem nur 1,68 Meter großen Sportler neben drei anderen deutschen Herren jetzt zur Qualifikation für die Olympischen Spiele. Über 18 Wochen hinweg hat sich der Baden-Württemberger nun intensiv auf seinen Karrierehöhepunkt vorbereitet. Sowohl sportlich wie auch mental fühlt er sich gut gewappnet für das Abenteuer Olympia.

Dort möchte er einen guten Wettkampf abliefern und seine persönliche Bestleistung überbieten. Diese liegt aktuell bei 341 Kilogramm (153 Kilogramm im Reißen, 188 Kilogramm im Stoßen). Die Platzierung ist für ihn nur zweitrangig: "Ein Platz unter den besten Zehn wäre schon toll." Von ihm gleich eine Medaille zu erwarten, sei absolut unrealistisch, wie er betont.

Aber wer weiß: Das Mentalcoaching zeigt große Erfolge, wie auch sein Trainer Oliver Caruso bestätigt. Durch die Auseinandersetzung mit den sich steigernden Zielsetzungen seien die Leistungen in den vergangenen Jahren permanent angestiegen. Etwa einmal pro Monat hat Oliver Gulde deshalb Kontakt zu dem Nachwuchssportler. Vor allem eine Schulterverletzung vor zwei Jahren habe eine intensive mentale Arbeit mit dem dreifachen Deutschen Meister notwendig gemacht.

"Alles was in die Psyche mit reinspielt, egal ob sportlich oder privat", werde dabei aufgearbeitet, so Gulde, der aber schon seit 2013 sein Hauptaugenmerk auf die Olympischen Spiele in Rio legte. Genau so wichtig sei es aber auch, bereits jetzt Ziele für die Zeit nach einem wichtigen Wettkampf zu definieren, weshalb der Blick schon in Richtung Tokio 2020 geht.

Am 4. August fliegt Nico Müller nach Brasilien. Sechs Tage später findet der Wettbewerb in seiner Gewichtsklasse statt, bei dem er sich ausschließlich mit positivem Denken in die technischen Abläufe begeben will. Per Livestream im Internet reicht dabei der Einfluss des Mentaltrainers heutzutage während des Wettkampfes bis in die Sportlerkabine hinein, so Gulde, der seinem Schützling viel Erfolg wünscht, damit dieser vielleicht auch einmal einen Sponsoren an Land ziehen kann. Nico Müller erhält nämlich keine Sporthilfe.

Trotzdem ist das Thema Doping für ihn eigentlich keines: "Das ist Betrug, ich bin für sauberen Sport", positioniert er sich eindeutig und hofft, dass in seiner Gewichtsklasse keiner zu unsauberen Hilfsmitteln greift. "Die Emotionen bei der Siegerehrung kann Dir ohnehin keiner nachreichen, wenn Dir eine Medaille später zugesprochen wird, weil ein anderer des Dopings überführt worden ist."

                      Heinz Meyer

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