Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 14

Luther kommuniziert
Ob Luther heute wohl die Errungenschaften der modernen Kommunika­tion nutzen würde?, fragte sich Timo. Illustrationen: Aaron Jordan

Hilfe - die Türken kommen

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

"Wie war Rothenburg?"

"Gut und irgendwie gruselig. Fast schon ein bisschen unheimlich. Irgendwie spooky", antwortete am Abend Timo seiner Mutter. Hanna ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Hatte sie ihn im Kriminalmuseum tatsächlich verzaubert? Und dann diese ganzen Folterinstrumente. Liebe und Krieg - ging ihm durch den Kopf. Alles an einem Ort. Wenn das nicht unheimlich war! Eben voll spooky.

Er schob den Gedanken an die komischen Gefühle in seinem Magen zurück. Darüber wollte er später nachdenken, wenn er alleine war.

Er erzählte seiner Mutter von der Ausstellung und den mittelalterlichen Folterinstrumenten. Es hatte ja doch keinen Zweck: Sie würde so lange nachbohren, bis er alle Fragen beantwortet hatte.

"Heute kehrt scheinbar das alles wieder zurück", schloss er seine Erzählung ab. "Wenn man so die Nachrichten verfolgt, wie das mit dem Islamischen Staat so geht. Das ist auch voll spooky!"

"Ja", sagte seine Mutter nachdenklich. "Da kannst du schon Recht haben. Wir leben auf der einen Seite in der modernsten aller Zeiten, Informationen kannst du dir überall holen und sind verfügbar. Nicht so wie im Mittelalter. Trotzdem wandern wir gleichzeitig zurück in der Zeit. Schleier und Burka hier, Folter und Grausamkeiten da. Glaubenskriege, wohin man schaut. Und jeder will die Wahrheit gepachtet haben. Ich bitte dich, Kind - höre nie auf, selbst zu denken! Lass es nicht 'andere' für dich übernehmen", bat sie ihn.

Wie Luther wohl diese Zeit heute sehen würde? Würde er sich wohlfühlen in dieser Zeit, wo vieles schon fast wieder wie im Mittelalter war? Würde er twittern und facebooken, um auf Missstände aufmerksam zu machen? Würde er eine eigene Zeitung gründen? Ach was - Zeitung: einen eigenen Verlag!
 
Wenn er später alleine war, würde er ihn ganz genau fragen. Und endlich mal mit diesem Referat anfangen. Lange konnte er Pfarrer Wagner nicht mehr hinhalten. Er war schon längst überfällig. Und nachdem der Pfarrer bei der Referendarin abgeblitzt war, könnte er sich vorstellen, dass er noch schlechter gelaunt war, als sowieso schon.

Er trank seinen Kakao aus.

Auch wenn seine Mutter oft nervte, heimlich mochte er es sehr gerne, mit ihr in der Küche zu sitzen und zu plaudern. Ohne Vater und Bruder. Nur sie zwei.

"Ich muss los. Ich mach mal das Referat. Ich muss fertig werden, sonst gibt's Ärger."

In seinem Zimmer schaltete er den Computer ein. Die Nachrichtenseite ploppte auf. Burkaverbot auch hier.

"Was meinst du wohl zum Burkaverbot, Luther? Zur Verschleierung?", grübelte Timo  => weiter

 

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