Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 15

Tür zu
Timo wollte auf keinen Fall gestört werden. Illustrationen: Aaron Jordan

Das Referat und ein dicker Kürbis

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

Timo schloss die Tür zu seinem Zimmer. Vorher hatte er noch ein Schild angebracht mit dem Vermerk: "Wer diese Tür öffnet, kommt in die eiserne Jungfrau!" Darunter hatte er ein Bild dieses Folterinstrumentes aus dem mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg gepinnt.

Es war ihm ernst: Er musste endlich mit diesem Referat beginnen. Einen Verweis wollte er sich nicht einhandeln. Außerdem hatte er das Gefühl, mittlerweile genug über den Reformator zu wissen. Manches gefiel ihm ausgesprochen gut. Bei anderen Geschichten wurde er mit dem Augenrollen gar nicht fertig. Und wieder andere Eigenschaften von Luther fand er überhaupt nicht mehr lustig.

Aber immer zeigte er "klare Kante" in allem was er tat. Und wenn Timo sich in seiner Jugendwelt umschaute war das ein Wesenszug, den er sich mehr gewünscht hätte.

Hier hängte doch jeder gerne sein Fähnchen in den Wind, wie es ihm gut tat. Er dachte an seine  Tante Steffi angefangen, die so gerne einen Mann hätte, dass sie sogar Kerle umgarnte über die sie vorher sogar gelästert hatte. Und an seinen Erzfeind Sebastian Thiele, der nur mit den Menschen Freundschaft zu schließen schien, die ihm nützlich erschienen. Heute sprachen sie so. Morgen anderes.
Gut - das kam schon auch bei Luther vor. Wenn er an die Reden zu den Hexen dachte: Barmherzigkeit auf der einen Seite und auf der anderen hatte er scheinbar nichts gegen ein loderndes Feuerchen, wenn es ihm angebracht schien.

War das der Zeit und der fehlenden Aufklärung geschuldet? Oder war er doch auch wankelmütig, wie alle anderen?

Er setzte sich an den Schreibtisch und raufte sich die Haare.

Das Menschen aber auch derart kompliziert sein mussten. Tiere erschienen ihm da viel einfacher. Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelte, freute er sich. Aus und Amen. Wenn eine Katze fauchte, war es besser, einen Schritt zurückzutreten. Und eine Chamäleon? Das immer seine Farbe änderte - je nach Hintergrund und Stimmung?

"Husch - ihr Gedanken. Ab in die Schublade! Ich muss arbeiten, sagte er laut!"

"Kämpfst du mit deinen Teufeln in dir?", fragte Luther mit interessierter Stimme.

"Teufel? Es gibt keine Teufel!"

"Merkst du nicht, wie jemand deine Gedanken zu übernehmen scheint und dich ablenkt von dem, was zu tun willst? Ich weiß es schließlich am besten. Ich hab genug mit dem Teufel  gekämpft. Damals auf der Wartburg - ach eigentlich mein ganzes Leben! Nie ließ er mich in Ruhe. Er bringt gehörig deine Gedanken durcheinander. Aber lass dich nicht entsetzten: Wo zwanzig Teufel sind, da sind auch hundert Engel; wenn das nicht so wäre, dann wären wir schon längst zugrunde gegangen!"

Und obwohl Timo gerne noch länger jetzt - in diesem Augenblick mit Luther geplaudert hätte, schaltete er demonstrativ den Rechner an, holte seinen Block und legte seine Stifte nach Farben geordnet neben sich.

"Luther - ich hab zu tun. Ich muss das Referat endlich schreiben. Hab Erbarmen und halte still. Sonst werde ich nie fertig!"

"Das du mir aber nicht wieder so einen Kokolores wie beim letzten Mal schreibst!"

"Nein", grinste  Timo. Ich hab ja viel gelernt in der letzten Zeit. Ich bin ja fast schon ein Lutherexperte. Bald kann ich bei Podiumsdiskussionen teilnehmen. Oder ich werde vom Radiosender eingeladen: Luther - wer war das eigentlich?"

"Ach. Die Menschen reden soviel und wissen so wenig. Es gibt ja unfassbar viele Menschen, die glauben, mich zu kennen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Bücher über mich geschrieben wurden!"

"Schluss jetzt!", bat Timo und rief sein Powerpointprogamm auf.

Er hatte einen Plan, wie er das Referat gestalten wollte. Eine Art Flugblatt für seine Schulkameraden mit kleinen Bildchen, damit man sich alles besser merken konnte. "Visualisieren" nannte man das. Er war ein großer Freund von solchen Bildern. Damit konnte er sich Dinge viel besser und schneller einprägen. 

Der Zeitstrahl => weiter

 

Ein Geschenk für Timo => weiter

 

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