Getragen werden von ganz oben

Karin Clauß
Die Künstlerin Karin Clauß in ihrem Berliner Atelier. Foto: privat

Lebenslinien in Gottes Hand (63): Künstlerin Karin Clauß erfuhr den Atem Gottes

An manchen Tagen sitzt die Künstlerin Karin Clauß an ihrem Schreibtisch und wartet auf Antworten: "Wird mir was einfallen? Werde ich es schaffen, aus all den unzähligen Gedanken, die mir im Kopf herumkreisen den richtigen festzuhalten und zu Papier zu bringen?"

Und dann spürt sie ihn manchmal: Gott, der ihr scheinbar eine Hand auf die Schulter legt und sagt: "Mach mal. Es wird alles gut!"

Das könnte er ruhig öfters machen", lacht die blonde, hochgewachsene Mutter zweier Kinder. Sie lacht gerne, denn das Leben ist für sie lehrreich und oft lustig zugleich. Dabei ist nicht immer alles ein Fest, sondern auch oft schmerzhaft in ihrem Leben gewesen. Aber dieses "getragen werden" begleitet sie  durch den Alltag und schenkt ihr immer wieder Zuversicht.

Bis zu diesem Gefühl der Zuversicht war es ein weiter Weg. Karin Clauß wollte eigentlich Schreinerin an der Staatsoper in München werden. Denn Oper bedeutet ihr viel im Leben. "Die Musik, das Drama, die Fülle und die Schönheit einer gelungenen Aufführung beinhaltet alles, was ich mag", schwärmt sie. Doch es kam anders. Die junge Frau vom Starnberger See bekam keinen Ausbildungsplatz und ging zum Studium der Bildhauerei stattdessen nach England. Hier wollte sie ihre Form der Kunst finden - was zunächst gar nicht so einfach war: "Sie sagten damals zu uns: Mach mal! Und ließen uns alle Freiheiten, uns auszuprobieren." Für eine "Schafferin" war die fehlende Struktur zunächst ein Problem. Keiner, der einem sagt, was und wie man etwas tun sollte. "Was will ich mit meiner Art von Kunst eigentlich ausdrücken und wie finde ich meine eigene Sprache" waren Überlegungen, die  ich heute noch habe. Immer wieder muss ich reflektieren, wie ich meine Schaffenskraft, die in mir steckt, zum Ausdruck bringe.  

Zurück in Deutschland zog sie nach Berlin. Ohne genauen Plan oder Arbeit jobbte sie zunächst in einem Geschäft für Küchenzubehör. "Tagsüber verkaufte ich Töpfe, Teller und Messer und abends träumte ich von der 'großen Kunst' und malte dabei kleine Grußkarten", erinnert sie sich.

Diese Grußkarten kamen gut an und verkauften sich gut. Kleine, feine Zeichnungen in einem ganz eigenen Stil, oft vermischt mit englischen Worten aus ihrer Ausbildung.

Aber sollte das alles gewesen sein? Und so machte sie sich daran, mit verschiedenen Kartensets gewissermaßen einen Perspektivwechsel für ihre Leser und zu kreieren - als Art Impuls für den Tag.

Auch dort kommt 'Mister Gott' oft zur Sprache. Kein Mann mit Bart, sondern eine tiefe Gewissheit in ihrem Herzen. Eine Art klare Instanz, die Antworten gibt. "In meinem Chaos gibt es jemanden, der mich immer wieder daran erinnert, dass es etwas Größeres gibt, als ich es bin und viel schlauer ist als ich in meinem Leben. Dabei bin ich manchmal auch Begleiterin von Alltagsgeschichten - das finde ich sehr gut", lacht sie. Freude und Humor möchte sie mit ihren kleinen Botschaften in die Welt bringen und sie so ein Stückchen besser ­machen.

Diese positive Sicht auf die Welt hat sich auch nicht verloren, als eines Nachts ihre damals elfjährige Tochter beim Schlafwandeln aus dem vierten Stock fiel. Der Schreck saß tief. Viele Operationen waren nötig, viele Krankenhaus- und Rehamaßnahmen. Heute wohnt Mia, die Tochter wieder zuhause - als Rollstuhlfahrerin.

Damals schrieb Karin Clauß an ihre Freunde: "Mia ist gefallen, aber alle, die mit diesem Fallen zu tun haben, sind mehr als gesegnet, so ein großes, unterstützendes liebendes Netzwerk um uns herum vorzufinden. Wir wissen, dass wird getragen werden. Unser aller Leben ändert sich dadurch radikal. Wir schlagen ein neues, unbekanntes Kapitel auf. Und letztendlich ist es Mia, die dieses ungeheure Netzwerk durch ihr Fallen sichtbar gemacht hat. Sie ist in einem guten Zustand. Sie hat ihren Humor, ihren Mut und ihre scharfe, unbeugsame Art dadurch nicht verloren, im Gegenteil, nur noch verstärkt. Sie ist demütig mit dem, was gerade mit ihr passiert. Und Mr. Gott führt. Sie lässt sich führen, das sieht man ihr an, und davon können alle profitieren, die gerade in ihrer Nähe sind."

Ein Freund schickte ihr die alten Zeilen von Paul Gerhardt: "Befiehl du deine Wege". Seine Zeilen trafen Karin Clauß tief ins Herz: Es wird einen Weg geben für ihre Tochter, auf dem sie auf ihre Art "laufen" kann. Und es wird auch für Sie als Mutter und als Künstlerin - trotz Schicksalsschläge Wege geben.

In dieser Zeit des Umbruchs hat sie viel gelernt. "Es ist nicht nur ein Schicksalsschlag, sondern es liegt auch ein ganz besonderer Segen auf dieser Geschichte. Wenn ich mich oft Frage, wie das alles weitergehen soll, drehe ich mich um und finde Antworten. Ich muss sie nur annehmen lernen. Ich werde getragen. Ich bin nicht alleine!"

Vieles aus ihrem Leben und diesem Getragenwerden findet in ihren kleinen Geschichten und Postkarten ihren Raum. Auch ihre Zwiesprache mit Gott. Sie wird stellvertretend von "Dr. Horse", einem sehr weisen Pferd geführt und dem fragenden, zweifelnden "Bird", der all die Fragen stellen darf, die auf der Seele brennen. Momentan träumt sie davon, die beiden auf die Bühne zu bringen. Sie möchte Bücher schreiben. Und ihren manchmal ungewöhnlichen Alltag mit ihren Kindern gut bewältigen. Es gibt viele Pläne. Wenn Mister Gott will.   

Wer mehr über und von Karin Clauß lesen möchte oder ihre Bilder und Karten sehen will, kann es auf ihrer Seite www.karindrawings.de 

                        Inge Wollschläger



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