Denn dein ist das Reich!

Brücke
Foto: Bek-Baier

Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

                      (Markus 4, 26-29)

Der Pfarrer bewundert den Garten eines stolzen Grundbesitzers: "Fantastisch, was der liebe Gott und Sie hier gemeinsam zustande gebracht haben!" "Nun ja", erwidert der Mann, "Sie hätten mal sehen sollen, wie es hier aussah, als der liebe Gott noch allein am Werke war." Diesen "Witz" dürften einige schon gehört haben - so gehört, wie es allen Ernstes oft ist. Ich bin der Macher. Ich bin meines Glückes Schmied. Alle gute Gabe kommt, o Gott, von mir. Na klar: Ich rackere mich ab, ich engagiere mich.

Ich aber, mag ein Landwirt einwenden, kann auch nicht nur wie der Bauer im Gleichnis ruhen. Von wegen: Wer nur den lieben Gott lässt walten... Stimmt, den Meinen (im Ries) gibt?s der Herr nicht im Schlaf. Für eine gute Ernte müssen sie mitarbeiten: pflügen, säen, düngen und vieles mehr. Gilt das nicht ebenso für das Reich Gottes, das Jesus mit dem Erd-Reich vergleicht?

Das "Himmelreich" (wie es der Evangelist Matthäus nennt), das mit Jesus bereits (laut Lk. 17,21) "mitten unter uns" angebrochen ist, schaffen nicht wir. Doch entsteht ein Stück weit Himmel schon auf Erden, wo Menschen Gott und den Nächsten lieben wie sich selbst. Dabei tue ich was. Weil Liebe wahrlich göttlich, (nach Gal. 5,22f.) seine "Frucht" und Gabe ist, bleibt Gott der Macher.

Sagt und schreibt sich so leicht. Häufig nur vergebliche Liebesmühen, weil sie nicht fruchten? Zumindest nicht immer sogleich und offensichtlich. Aber gerade dann könnte ich mir an jenem Bauern und seiner Geduld ein Beispiel nehmen. Er sät und sieht ein, dass gute Frucht nicht von heute auf morgen wächst, dass vieles zunächst im Verborgenen reift. "Gut Ding will Weile haben", braucht seine Zeit. Bis die Kinder herangewachsen sind, deren Entwicklung wir nur begleiten, bis die Erziehung die erhofften Früchte bringt; die Therapie anschlägt, das neue Konzept greift.

Gewiss: Jeder Mensch kann - Gott sei Dank - reichlich Gutes tun. Unsere Gemeinden zeugen davon. Doch können Menschen eben auch ganz anders, wie wir es derzeit allzu oft erleben. Immer dann, wenn zu viel Ich, Eigensinn und Verlustängste herrschen und nicht der "Geist der (Gottes-)Kraft, der Liebe und der ­Besonnenheit" (2. Tim. 1,7) "himmlisch" wirkt. Vielerorts werden neue Mauern errichtet und Menschen pauschal verurteilt, weil sie (uns) Fremde sind, anders glauben, leben oder auch lieben. Furchtbar. Aber ebenso werden zugleich von vielen Brücken gebaut, Notleidende unterstützt, Menschenrechte beherzigt. Auf diesem Nährboden gedeiht Gottes Reich. Gott gibt sozusagen den Samen dazu und die Kraft, die zum Wachstum treibt.

Wir streuen ihn aus, arbeiten mit an seinem Reich. Besser allzumal, als eigene selbstherrliche "Reiche" anzubahnen. Mögen wir unseren Nachkommen nie reumütig erklären müssen: Ihr hättet mal sehen sollen, wie es hier aussah, als der liebe Gott noch allein am Werke war.       

                  Pfarrer Klaus Haimböck aus Wallerstein und Landessynodaler

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