Editorial: Leben im Heute

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Was machen wir am Wochenende? Was werden wir zum nächsten Familienfest im Juni anziehen? Wohin fahren wir in den Sommerferien? Was willst du einmal werden?

Das sind einige der Fragen, die ich in letzter Zeit beantworten musste. Auf viele weiß ich keine Antwort. Was weiß ich schon, was im Juni ist? In den Sommerferien? Wie soll ich wissen - oder meine halbwüchsigen Kinder - wohin es sie im Leben einmal treibt? Bis dahin fließt noch soviel Wasser den Fluss hinunter. Da mache ich mir erst Gedanken darüber, wenn es ansteht.

Unser ganzes Leben ist scheinbar auf die Zukunft gerichtet. Manchmal auch auf die Vergangenheit. Damals, als es die gute, alte Zeit gab - in der man sich Geschichten von früher erzählt ...

Bei all dem geht es wenig darum, wie wir jetzt leben. Wie es uns jetzt geht. Was momentan unsere Gedanken und Wahrnehmungen prägt.

Ganz anders ist es da in der Lebensgeschichte von Birgit Hardt und Folker Quack. Sie haben ein Kind, mit dem Pläne für die Zukunft nicht möglich sind. Der achtjährige Junge ist schwerkrank und eine Zukunft gibt es vielleicht nur für die nächsten Tage - wenn überhaupt.

Sie haben durch ihr Kind gelernt, im Moment zu leben. Ein Prozess, der nicht einfach war.

Denn das Problem ist, dass wir glauben, wir hätten Zeit. Das aber vergessen wir im Tagesgeschäft immer wieder. Wir leben alle meistens so, als wären wir unsterblich.
Was aber, wenn wir merken, dass wir sie nicht (mehr) haben? - Diese Zeit? Für die Familie hat sich durch die Krankheit ihres Sohnes vieles geändert. Dinge werden nun nicht  mehr aufgeschoben. Pläne nach Möglichkeit schnell verwirklicht. Mit Menschen, die einem nicht gut tun, wird keine Zeit aus Höflichkeit mehr "verplempert".

"Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern?", heißt es im Lukasevangelium.

Keiner kann das. Die Sorgen im Hause Hardt/Quack nehmen nicht ab. Aber sie wissen, dass dem Kind auch damit nicht geholfen ist. Sie sammeln glückliche Momente für ihn und auch für sich selbst. Mehr ist nicht nötig.

                                Inge Wollschläger

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