Wer Lutherbier trinkt, wird "gläubiger"

Pfarrer Peter Stier und Brauer Eckhard Himmel
Pfarrer Peter Stier und Brauer Eckhard Himmel prosten sich mit einem Schluck Lutherbier zu. Foto: Wollschläger

Ein Bier zum Gedenken und den guten Zweck

Wenn Weltliches und Geistliches an einem Tisch sitzen, kann dabei etwas Schönes entstehen - wie in dem kleinen Städtchen Marktsteft in Unterfranken. Dort hatte Pfarrer Peter Stier zur Vorbereitung auf das große Lutherjubiläum - 500 Jahre Reformation - die Idee, mit der örtlichen Privatbrauerei Kesselring Luther in flüssiger Form zu gedenken. Seniorchef Eckhard Himmel nahm diesen Gedanken auf. "Warum nicht?"

Herausgekommen ist ein Lutherbier, das - so Brauer Himmel mit einem Zwinkern in den Augen - "gläubiger" macht, je mehr man davon trinkt. "Bier", so ist er überzeugt, "ist dann gut, wenn es so schmeckt, dass es zum Weitertrinken animiert!"

Dazu hat er gemeinsam mit seinem Sohn Peter Michael Himmel ein Bier  entwickelt, das aus drei Sorten Bier besteht. "Wir haben liebliches Exportbier, Bockbier und ein Dunkelbier in einer neuen Sorte vereint: Dem Lutherbier. Mit 5,5 Promille Alkoholwert liegt es dabei ein bisschen über dem eines normalen Pils. Wir kommen ja auch aus einem Weinbaugebiet. Dort würde ein solcher Wein ,Cuvee? heißen. Quasi das Beste vereint in einer Flasche. Wenn man gute Biere mischt, kommt etwas Gutes heraus!", weiß Brauer Himmel.

Dass das Bier mehr Alkohol enthält als herkömmliches, ist dabei kein Schaden. "Der Alkoholwert ist ein Geschmacksträger. Ähnlich wie der Fettgehalt einer guten Wurst, wird dadurch das Bier noch süffiger", weiß der Brauer. "Dazu kommen natürlich auch nur die besten Zutaten!" So stammt das Brauwasser und das Malz aus der Region Franken. Der Hopfen wird aus Anbaugebieten in der Hallertau und Spalt bezogen.

Durch diese besondere Mischung erhält das Bier eine wunderbare Bernsteinfarbe. "Der Hopfenanteil dabei ein wenig niedriger, damit es lieblicher schmeckt." Pfarrer Stier, der Initiator dieser Idee, ist von diesem Bier überzeugt: "Es ist kein Allerweltsbier. Und bei all den Jubiläumsveranstaltungen, die dieses Jahr nicht nur in unserem Dekanat stattfinden, braucht es auch etwas Handfestes. Nicht nur das trockene Wort, sondern auch etwas für den Leib!"

Das wäre bestimmt auch im Sinne Luthers gewesen. Ihm hätte dieses Bier bestimmt geschmeckt - so ist der Geistliche überzeugt. Immerhin weiß man, dass Luther selbst den weltlichen Genüssen nicht abgeneigt war. Von Luther selbst soll das Zitat stammen: "Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red? was wahr ist."
Möglicherweise werden so auch die Reden der Geistlichen "klarer", wenn sie dieses Lutherbier trinken.

Bisher verkauft die Privatbrauerei Kesselring ungefähr 120 Kisten Lutherbier im Monat. Pfarrer Stier allerdings ist überzeugt, dass es noch viel mehr werden wird. "Schließlich ist das Reformationsjahr noch jung!" Bei zukünftigen Veranstaltungen im Dekanat wird es dann dieses Bier geben.

Lange haben sich Pfarrer und Brauer nicht nur darüber Gedanken gemacht, wie das Bier schmecken soll, sondern auch, wie das Gebinde werden soll. Jetzt kann man es - ausschließlich im Getränkefachhandel - in einem Gebinde mit fünf Flaschen und einem eigens kreierten Bierglas erwerben.

"Alleine das Glas hat uns lange beschäftigt. Welche Form, wie und wo das Logo des Bieres, Glas oder Krug?", so Eckhard Himmel. Herausgekommen ist ein schlankes, hohes Glas mit dem Reformationslogo. "Es ist auch ein Glas, das man für andere Getränke nutzen kann. Es ist nicht eine typische Biertulpe. Nach den Reformationsfeierlichkeiten hat man ein Glas zur Erinnerung an dieses Jahr. Es ist sozusagen ein Glas mit Erinnerungswert."

Der Pfarrer ergänzt schmunzelnd: "Außerdem liegt es gut in der Hand und in der anderen ist dann Platz für eine weitere Flasche Bier."

Denn je mehr Bier getrunken wird, um so besser: Für jede verkaufte Flasche fließen Gelder in ein örtliches, ökumenische Projekt "Hilfe für bedürftige Kinder in der Region". Auf diese Sammlung will der Brauer dann auch noch eine weitere, großzügige Spende legen. Kennt er doch auch als Stadtrat die Nöte von einigen Familien in der Ortschaft und Region.

Für den Pfarrer ist diese Aktion eine gute Sache - auch um kirchenfernen Menschen zu zeigen: Wir sind da. Auch mit Bier. "Kirche soll über ihren Horizont hinausgehen in die Welt und nicht nur in den Kirchenmauern bleiben." Wenn man das mit einem Bier erreichen kann, ist viel gewonnen.

Das Bier kann und soll Akzente setzen, um darüber ins Gespräch zu kommen.    

Dieses Lutherbier gibt es nur im Getränkefachhandel oder bei der Privatbrauerei Kesselring, Leithenbukweg 13, 97342 Marktsteft. Telefon 09332/50630

                       Inge Wollschläger

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