Editorial: Weites Blickfeld

Susanne Borée
Susanne Borée

Wir haben nur die anderen im Blick - nicht unseren eigenen Glauben! Nicht unsere Nächsten im Nachbargarten. Stimmt das?

Natürlich blicken wir im Sonntagsblatt viel über unseren Gartenzaun hinaus. Wir leiden mit Flüchtlingen, die in Chaos und Kälte nach Afghanistan abgeschoben werden. Wir schauen uns Ausstellungen an, die scheinbar so wenig mit der christlichen Botschaft oder der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zu tun haben wie eine Schau über den uralten ägyptischen Pharao Ramses II. in Karlsruhe. Und dennoch sind wir nicht zu weitsichtig.

Denn allzu spannend sind die Bezüge zwischen dem ägyptischen Sonnengesang des Echnaton und dem biblischen Psalm 104. "Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt", heißt es in Psalm 104,2. Es folgt in poetischen Bildern eine Schöpfungsgeschichte. Die Welt wird getränkt und ernährt. Alles ist wohl geordnet, selbst die Finsternis hat ihr Recht und ihre Grenze. Alles ist im Gleichgewicht, wohl berechnet alle Lebenszeit.

Dennoch schuf dieser Sonnengesang Chaos: Denn die religiöse Reform des Echnaton hin zu dem Glauben an einen einzigen Sonnengott traf so gar nicht den Nerv der Zeit, ihre religiösen Interessen und Bedürfnisse. Diese Ideen des Echnaton gingen in Unruhen unter. Erst Ramses II. und sein Vater schufen wieder ein Gleichgewicht, in dem sie das Rad der Zeit zurückdrehten.

Waren die Israeliten, die sich zu dieser Zeit auf den Exodus aufmachten, ein aufmüpfiger Beduinenstamm oder religiöse Flüchtlinge? Manche Deutungen gehen sehr weit, obwohl auch manche Anklänge in diesem Psalm ergreifend sind. Reicht das?

Hier geht es nicht nur um ein bloßes kulturelles Interesse, mit deren "Angeberwissen" sich auf einer Party trefflich glänzen lässt. Menschen rangen durch die Jahrhunderte hindurch um die Wahrheit. Und um das rechte Tun. Wie lässt sich eigenes und fremdes Er-Leben sinnvoll deuten und nachvollziehen? Das treibt Menschen um, die ihre eigene Lebensgeschichte nicht sterben lassen wollen. Auch christlicher Glauben lässt sich da besonders leben, wo Fremde uns zu Nächsten werden. Wo sich Grenzen überwinden lassen.

Susanne Borée

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- Aus einer anderen Welt: Hürdenreiche Begegnung mit Christen aus Papua-Neuguinea

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