''Ritter, Bauern, Lutheraner''

Synodale auf der este Coburg
Während der Frühjahrstagung der Landessynode in Coburg nutzten die Synodalen eine Mittagspause, um sich auf der Veste über den Fortgang der Vorbereitungen der Landesausstellung 2017 zu erkundigen. Foto: Bek-Baier

Synodale besuchen ''Baustelle'' der Landesaustellung 2017 in Coburg

Martin Luther befand sich bei der Ankunft in Coburg in Reichsacht und vielerorts in Lebensgefahr - auf der Veste Coburg fand er einen sicheren Zufluchtsort.  "Was heute viele Besucher nicht mehr wissen, Coburg gehörte im 16. Jahrhundert noch zum Kurfürstentum Sachsen", sagt Historiker Peter Wolf. Der Projektleiter für die Bayerische Landesausstellung 2017, "Ritter, Bauern, Lutheraner" führte die Synodalen der bayerischen Landeskirche durch die Baustelle, der im Aufbau befindlichen Ausstellung. Sie wird unterstützt durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Kirchengemeinde St. Moriz, in deren Kirchenraum ein weiterer Teil der Ausstellung zu sehen sein wird.

Der Ort Coburg der Landesausstellung im Reformationsgedächtnisjahr ist wohl gewählt. In den "Luther-Zimmern" auf der Veste befinden sich die Besucher am Originalschauplatz von Luthers Coburger Aufenthalt. Hier lässt sich auch erfahren, wie diese Räume in den folgenden Jahrhunderten zu Reliquien der Luther-Verehrung wurden.

Im Tross von etwa 200 Menschen und 300 Pferden traf Martin Luther am Karfreitag des Jahres 1530 in Coburg ein. Er ritt im Gefolge des sächsischen Kurfürsten Johann des Beständigen und wollte diesen zum Reichstag in Augsburg begleiten. Doch der Plan ging nicht auf, denn Luther befand sich in Reichsacht und war außerhalb des kursächsischen Territoriums in Lebensgefahr. So blieb er in der Sicherheit der Veste Coburg zurück, wo er zwei Räume bezog, die noch heute nach ihm benannten "Luther-Zimmer".

Auch wenn die Ausstattung der Stube eher historisierend als historisch ist und zu Teilen aus dem 19. Jahrhundert stammt, sei hier doch "die emotionale Kammer der Ausstellung", so Wolf. Immer fiebernd nach Neuigkeiten, begleitete Luther von hier aus das Reichstagsgeschehen in Augsburg, wo die protestantischen Stände am 25. Juni 1530 Kaiser Karl V. die "Augsburger Konfession" übergaben. 120 Briefe Martin Luthers, viele davon an Philipp Melanchthon, zeigen, wie er von der Veste Coburg aus versuchte, die Verhandlungsführung der Protestanten in Augsburg in seinem Sinne zu beeinflussen. "Melanchthon war nicht immer begeistert von dem Einfluss aus Coburg", weiß Wolf. Auf der Veste entstanden weitere Schriften, denn der Reformator entfaltete hier, fern von seinen Alltagspflichten in Wittenberg, eine literarische Produktivität, von der er sich auch durch seine gesundheitlichen Beschwerden, seine Sorgen und Phasen tiefer Verzweiflung nicht abbringen ließ. "Sein Schaffen hier war enorm", so Historiker Wolf. Tatsächlich entstand hier ein wichtiger Teil Luthers späterer reformatorischer Schriften.

In großen Teilen der Veste wird derzeit noch gesägt, gehämmert und gebohrt. Die Baumaßnahmen für die Landesausstellung haben im Januar begonnen. Am 9. Mai wird Eröffnung sein. Zur Zeit sind Sperrholzeinbauten zu sehen, die die Räume später in inhaltliche Themenblöcke teilen sollen. Der Besucher wird teilweise die Wahl haben, einen protestantischen Pfad oder einen katholischen durch Ausstellungsräume zu gehen. "Wir wollen eine ,Szenographie? in die Räume bringen", beschreibt Wolf  das Vorhaben, die damaligen Abläufe lebendig in Darstellungen umzu­setzen.  Allerdings sollen die historischen Räumlichkeiten sichtbar bleiben und nicht durch Vitrinen "vollgestopft" werden. Man erwarte Artefakte von nicht weniger als 90 Leihgebern aus ganz Europa, erklärt der Historiker den Synodalen.

Wolf erläutert ihnen das Konzept: Nicht die Person des Reformators stehe im Mittelpunkt der Landesausstellung, sondern seine Wirkung auf das Reich, vor allem in Süddeutschland. Wurde die Welt durch die Ideen und Schriften Martin Luthers verändert? Alle gesellschaftlichen Schichten werden in den Blick genommen: vom armen Bauern bis zum Kaiser, vom Papst bis zum Bettelmönch. Was trieb die Menschen in diesen bewegten Zeiten um, wofür lohnte es sich, mit Worten - teilweise auch mit Waffen - zu kämpfen? "Originale aus der Zeit, Kunstwerke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä. und vielen anderen Meistern sowie multimedial aufbereitete Inszenierungen beleuchten die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und künstleri­schen Traditionen und Umbrüche vom späten 15. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts." 

                      Martin Bek-Baier

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