Lebensbeichte dauerte dreieinhalb Stunden

Biografie Colin Bells
Die Biografie Colin Bells. Repro: Meyer

Lebenslinien in Gottes Hand (82): Vom Fußball zu Glauben gefunden

Der Engländer Colin Bell ist einer der erfolgreichsten Trainer im Frauenfußball der letzten Jahre. Mit dem 1. FFC Frankfurt gewann er 2015 die Womens Champions League. Heute ist er als Nationaltrainer in Irland tätig. Neben seiner Leidenschaft für den Fußball ist er aber auch als christlicher Prediger tätig. Seine Biografie erschien jetzt im Gerhard Hess Verlag in Bad Schussenried.

Die meiste Zeit seines Daseins bestimmte der Fußball sein Leben; überwiegend war er erfolgreich. Doch privat gab es immer mehr, was Colin Bell nicht mehr in den Griff bekam. Im Herbst 2004 - er war gerade als Trainer beim FSV Mainz 05 tätig - liefen viele sportliche und private Dinge plötzlich aus dem Ruder. Hatte er in der Vergangenheit sportlich die Richtung vorgegeben, so wurden ihm von heute auf morgen Vorgehensweisen vorgeschrieben, mit denen er nicht konform gehen konnte. Er fühlte sich verraten und in seinem Stolz verletzt.

Aber nicht nur beruflich, auch privat ging gerade vieles "den Bach runter". Der damals 43-jährige Engländer wusste nicht mehr ein noch aus. Er war innerlich völlig am Ende angekommen und fand sich in seiner tiefsten Lebenskrise wieder. Nicht nur im Sport, in seinen ganzen Gefühlen, seinem Denken und Verhalten hatte sich vieles zugespitzt und er spürte, dass es so nicht mehr weitergehen konnte.

Schon vor Jahren hatte ihm bei einem Spiel unweit des Bodensees ein fremder Mann ein Buch in die Hand gedrückt. Es war das Neue Testament. Er warf das Buch in eine Schublade. Inzwischen waren auch Suizidgedanken aufgekommen. In dieser Phase blieb der Getriebene eines Morgens beim "Durchzappen" an einem Fernsehsender hängen.

Ein Mann stand irgendwo auf der Bühne und predigte in Colin Bells Muttersprache. Er sprach über Jesus, über Egoisten und den Lebenswandel. Weil der Prediger dies genau auf den Punkt brachte, fühlte sich der Trainer plötzlich ertappt. Eine Woche später schaltete er den gleichen Kanal erneut ein und dieses Mal sah ihn der Prediger direkt an und zeigte mit dem Finger auf ihn: "Ich spreche zu Dir!" Das machte mächtig Eindruck auf Bell.

Es veranlasste ihn, einem gläubigen Bekannten über dreieinhalb Stunden hinweg eine Lebensbeichte abzulegen. Zu Hause angekommen, wurde er von Weinkrämpfen geplagt und sprach zu Jesus, bevor er in der Nacht einen intensiven religiösen Traum hatte. Am nächsten Tag fühlte er sich von einer zentnerschweren Last befreit und fühlte Gott an seiner Seite. Er hatte ernsthaft überlegt, fortan nur noch als Pastor tätig zu sein; kehrte dann aber doch wieder zu seinem geliebten Fußball zurück. Trotzdem fühlt er sich heute als gläubiger Christ. Dadurch hat sich sein Leben entscheidend verändert. Er ist in vielen evangelischen oder freikirchlichen Einrichtungen unterwegs. Nach seinen Worten ist der Glauben eine Lebensphilosophie für ihn geworden. Er glaubt, den Sinn des Lebens gefunden zu haben.

Bei bis zu 20 Auftritten im Jahr ist er heute immer wieder mal als Prediger tätig und wird im ganzen Bundesgebiet bei den verschiedensten Institutionen vorstellig. Manchmal folgen weit über 2.000 Personen seinen Worten und er wird nach Österreich, Rumänien, England und selbst in die USA eingeladen.

Aus einer reinen Dankbarkeit heraus ist es für ihn eine Motivation, überall mit Menschen über seinen Glauben zu reden. Heute sagt er sogar: "Fußball ist mein Beruf, aber meine Berufung ist das Predigen."    

Durch seinen Weg zum Glauben nimmt der erfolgreiche Trainer den Fußball heute anders wahr als in früheren Jahren. Natürlich kann man aus dem Fußball viele positive Erkenntnisse für das Leben mitnehmen, aber Colin Bell lässt sich davon nicht mehr so sehr vereinnahmen wie in früheren Zeiten. Nur durch die Kraft Gottes kann er heute mit negativen Erfahrungen besser umgehen und diese schneller "abhaken".

Für Colin Bell steht über allem im Leben, "dass man Gott kennen lernt, weil man dadurch an jeder Situation wachsen und reifen kann". Wenige Jahre später verschrieb sich der Engländer dem Frauenfußball. Nach einem Gastspiel in Norwegen trainiert er inzwischen die irische Nationalelf.    

Der (Frauen)-Fußball-Versteher. DIN A 5 (334 Seiten). Erschienen im GHV-Verlag (März 2017)

                           Heinz Meyer

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