Herr Luther mischt sich ein: Kapitel 17

Timo erzählte
Timo erzählte seiner Mutter alles, was sich vor, während und nach dem Referat zugetragen hatte. Nur Hanna erwähnte er lieber nicht. Illustrationen: Aaron Jordan

Abschied und ein möglicher Anfang

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

"Wie wars?"' fragte seine Mutter' als Timo mit breitem Grinsen in die Küche nach der Schule geschlendert kam.

Es roch gut. Offensichtlich hatte seine Mutter Lust gehabt' ihm was richtig Leckeres zu kochen. Es gab sein Lieblingsessen: Rindfleisch mit Meerrettichsauce.

"Es lief mehr als gut!"

Und dann berichtete er, auf dem Küchentisch sitzend seiner Mutter, wie es war: vor der Klasse zu stehen, über Luther zu sprechen und natürlich auch von Sebastian Thiele. "Der kam nicht mehr zurück. Man munkelt über einen Direktoratsverweis und ein Gespräch mit den Eltern. Mal sehen, was die Zukunft bringt."

"Deck mal den Tisch, ich bin gleich fertig!", bat ihn seine Mutter und stellte ein Glas Preiselbeeren auf den Tisch.

Während Timo Teller und Besteck auf den Tisch legte, überlegte er kurz, ob er ihr auch von seinem Bekenntnis zu Hanna berichten sollte. Zufällig waren sie nebeneinander aus dem Schulgebäude gekommen. Christian und Thomas waren auf einmal wie von Geisterhand verschwunden gewesen. Und er wusste nicht, was er nun Hanna sagen sollte. Die Verlegenheit stand ihnen beiden deutlich ins Gesicht geschrieben. Selbst in der 'Bravo' stand über solche Anfänge nichts. Immer nur diese merkwürdigen Flirttipps. Aber das Flirten hatten beide irgendwie verpasst oder übersprungen. Nun wussten sie zwar, wie es um sie beide stand, aber nicht, wie es nun weitergehen sollte.

"Äh!", sagte Timo mit einem schiefen Lächeln.

"Yo!", erwiderte Hanna.

Sie blickten beide zu Boden. In diesem Moment kam ein Fünftklässler um die Ecke gerannt und rempelte sie an.

"Vielleicht später auf ein Eis?", fragte Timo schnell, der aus seiner Starre zu erwachen schien.

"Um fünf?"

"Ist gut. Bis dann. Ich muss!" - Und weg war Timo. Lieber Himmel. Soviel Aufregung an einem einzigen Tag. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Aber das alles erzählte er lieber nicht seiner Mutter. Jetzt noch ein paar schlaue Mutterkommentare, dazu Tricks und Tipps für eine erste Freundin - das wäre das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte.

Aber das Mittagessen war super. Satt und zufrieden ging er in sein Zimmer.

"Luther?"

"Ja, mein Junge!"

"Ich hoffe, es war dir recht!"

"Mehr als das. Ich habe nun allen Grund, wieder in die Ewigkeit zu gehen!"

"Wie - du willst weg?"

Er hörte die mittlerweile vertraute, knarzige Lache Luthers.

"Hast du gedacht, ich bleibe bis in alle Ewigkeit?"

"Naja - mit ewig kann ich nicht so viel anfangen. - Aber jetzt? So bald schon? Ich habe mich doch gerade so schön an dich gewöhnt?"

"Alles ist endlich. Ich. Du. Unsere Geschichte. Und ja - es ist eines der härtesten Menschenheitsdinge: Das etwas zu Ende geht. Ich habe es schließlich schon an meinem eigenen Leib erfahren! Und ich sage dir: irgendwann ist es Gnade zu gehen. Bei uns beiden ist es was anderes. Aber damals war es nicht sehr angenehm, aus dem irdischen Leben zu scheiden."

Das Ende => weiter

 

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