Weiwei, Winnetou und Weltausstellung

Schwarzes Kloster
Baustelle vor dem Schwarzen Kloster. Fotos: Borée

Wittenberg rüstet zum Reformations-Finale

Nein, die letzten Baustellen schaffen es nicht. So gibt jetzt das Wittenberger Tourismusbüro zu. Noch sind weite Flächen vorm Schwarzen Kloster abgesperrt. Sie sollen es auch noch bis zum Abschlussgottesdienst des Kirchentages und zur Eröffnung der Wittenberger Weltausstellung bleiben. Ausgerechnet dort, wo Martin Luther jahrzehntelang wohnte, haben sich noch die Bauarbeiter häuslich eingerichtet. Ja, der späte Wintereinbruch sei daran schuld. Man habe sich nicht getraut, die Erde aufzureißen, solange noch Frost zu erwarten sei. So lautet die Auskunft. Und irgendwie, so wird etwas leiser nachgeschoben, habe es auch am Nachschub der passenden Pflastersteine gemangelt. Die Bauarbeiter scheinen nicht so übereifrig.

Wenn Luther heute durch die Straßen der Altstadt Wittenbergs gehen würde, könnte er sie wieder erkennen? Unverkennbar ist: Wittenberg hat sich herausgeputzt. Noch nach dem Cranach-Jahr 2015, der erste Testlauf für den Ansturm der Reformationsbegeisterten in der Lutherstadt, ist viel geschehen. Seit Oktober 2016 ist die renovierte Schlosskirche endlich wieder geöffnet (wir berichteten). Sie brannte 1760 aus. Ende des 19. Jahrhunderts renovierten die Preußen sie nach historischen Vorbildern und eigenen Vorstellungen.

Auch die Luther-Panorama-Schau von Yadegar Asisi lockt seit Oktober Scharen an Besuchern an. Sie hat den Anspruch, das Leben in Wittenberg möglichst detailgetreu nach historischen Vorbildern wiederzugeben. Die monumentale Rund-Installation will das Jahr 1517 - und der darauffolgenden Jahre - nacherlebbar machen. Mehr als ein Dutzend Mal entdeckt man den Reformator an verschiedenen Knotenpunkten seines Wirkens.  Da erscheinen mehrere markante Stationen der Reformation, die oft Jahre auseinanderliegen, gleichzeitig in nahe beieinander liegenden Szenen: Vom Thesenanschlag bis zu den Schlachten des Schmalkaldischen Krieges vor den Toren Wittenbergs ist der Bogen gespannt. Lichteffekte und eine Geräuschkulisse, die einzelne Ereignisse in den Fokus rückt, sind gekonnt eingebaut. Der Besucher scheint mitten drin zu sein im damaligen Stadtleben. Andererseits ist Abstraktion gefordert, um scheinbar gleichzeitiges Geschehen chronologisch einzuordnen.

Vor dem Kirchentag geht es nun Schlag auf Schlag in die letzte Runde des kulturellen Begleitangebots zum Reformationsjubiläum: Im Augusteum ist gerade die Nationale Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" eröffnet. Im Erdgeschoss geht es traditionell zu: 95 Gruppen an kunsthistorischen Schätzen präsentieren Luthers Weltbild vor und während seiner reformatorischen Erkenntnis. Viel Cranach ist zu sehen. Gerade kommt noch ein früher Druck der Till Eulenspiegel-Geschichten von 1519 herein. Zwei Restauratoren entnehmen ihn aus seiner Box und untersuchen seinen Zustand. Die Buchstütze dafür muss noch neu angepasst werden. Luther habe den Eulenspiegel wahrgenommen. Sicher wird er die Relikte seiner Zeit erkennen.

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