Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 17.9.2017
Brücke

=> Andacht: Sehnsucht nach einem reinen Leben

Jemanden wie einen Aussätzigen behandeln, ist zur Redensart geworden. Gemeint ist nicht die Behandlung einer höchst ansteckenden Krankheit. Da gibt es Quarantäne- und Infektionsabteilungen. Um "Aussätzige" mit allen Arten von Hautkrankheiten machte man einen weiten Bogen und mied jeglichen Kontakt. Ich stelle mir die Frage, wen wir heute wie Aussätzige behandeln. Das ist wohl je nach Gruppierung unterschiedlich. Für die einen mögen es Flüchtlinge sein, für die anderen die Fremdenfeindlichen. An Aids Infizierte oder Erkrankte erlebten es früher, heute hat entsprechende Aufklärung die Berührungsängste abgebaut. Das Thema könnte ein Anlass zur Selbstprüfung sein, für jeden Einzelnen, für Gesinnungsgenossen, für uns als Kirche: Gibt es die "Aussätzigen" heute? Wenn ja, wer sind sie für mich, für uns?

(Markus 1, 40-45)

Inge Wollschläger

=> Wehmütiger Abschied vom Sommer

Im Sommer war ich oft an einem kleinen See. Ein Holzsteg ragte hinein. Dort konnte man gut sitzen, sich von Libellen umschweben lassen: Ich beobachtete die Wasserläufer, die wie Jesus über Wasser "wandeln" können - wie der Sohn einer Freundin meinte. Im Fränkischen sieht man in der Ferne, über solche kleinen Seen hinweg, immer eine Kirchturmspitze und zwischendurch werden leise Glockentöne herübergeweht. Die Vögel singen das schönste Lied und der Wind wiegt das Korn sacht. Im Wasser spiegeln sich de Wolken in leicht kräuselnden Wellen. Es ist also der ideale Ort, um ein wenig Erholung und Entspannung zu tanken. Man möchte den Augenblick festhalten, einsaugen, sich auf die Netzhaut brennen lassen, weil es so schön ist. Auch weil man weiß: Dieser Augenblick geht vorüber. ...

Disputation

=> Der Reformator und der Regierer der Juden

Bis tief in die Nacht hinein disputierten sie - und leerten dabei einen ordentlichen Humpen Bier. Martin Luther und Josel von Rosheim hatten sich 1537 einiges zu sagen. Denn der Kaufmann und Rabbiner Josel von Rosheim (1476-1554) war überzeugend - selbst in einer ausweglosen Situation. Wusste Luther von dieser Überzeugungskraft? Er lehnte ein Treffen mit dem jüdischen Gelehrten ab. Daher hat es diesen Disput, von dem ich eingangs geträumt habe, auch nie gegeben. Was wäre geschehen, wenn Martin Luther 1537 das Gesuch des Josel von Rosheim nach einer Unterredung nicht ausgeschlagen hätte? ...