Ertrag des Lebens

Brigitte Winter
Brigitte Winter. Foto: Privat

Lebenslinien in Gottes Hand (104): Brigitte Winter wirkt segensreich seit Jahren für Malawi

Ein Traum in der Heiligen Nacht gab ihrem Leben eine Richtung. Brigitte Winter begann sich intensiv für Malawi zu engagieren. Schließlich stammte der Ehemann ihre Pfarrerin Christiane Luckhardt, der Pfarrer Enwood Longwe, dorther. Nach dem frühen aber langwierigen Tod ihres Ehemannes hatte sie weitere Pflegefälle übernommen. Dafür erhielt sie mehr Geld als sie benötigte. Anstatt es zu sparen, beschloss Brigitte Winter es kontinuierlich für Malawi zur Verfügung zu stellen. Dort entdeckte sie für sich das "warme Herz Afrikas".

Ein ertragreicher Lebensabschnitt begann. Sie spendete nicht nur selbst, sondern sammelte auch zielstrebig und engagiert Gaben - etwa aussortierte Geräte und Medikamente aus Krankenhäusern der gesamten Region ihrer hessischen Wahlheimat Gelnhausen.

Bei ihrer Hilfe erkundete sie zunehmend kreative Ideen: So entdeckte Brigitte Winter, dass im Herbst viel Saatgut an Samenhandlungen zurückgesandt wird. Das Gut, dessen Haltbarkeit dann zum Ende des Jahres abläuft, darf nicht mehr weiter verkauft werden. Dennoch ist es aber meist noch fünf Jahre lang haltbar. Diese Samen also sammelte sie und schickte sie nach Afrika. Das war damals noch möglich. Dort brachten sie reichen Ertrag und konnten manchen Hunger lindern.
Zunächst engagierte sich Brigitte Winter beim DAHW. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen am 20. Oktober mit einem Festakt und einem anschließenden Staatsempfang in Würzburg. Der Verein trug seinen ursprünglichen Namen "Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk" bis 2003. Damals wollte der Verein ebenfalls den Arbeitsschwerpunkt zur Tuberkulose im Namen tragen. Das Kürzel DAHW verwendet er weiter, um besser wiedererkannt zu werden.

Und seit nunmehr 40 Jahren setzt sich die engagierte Helferin beim DAHW nun ein. Kurz nach der Jahrtausendwende hatte Brigitte Winter in Pakistan bereits die berühmte ­Lepra-Ärztin Ruth Pfau kennen gelernt, die erst in diesem Sommer nach einem langen, erfüllten Leben das Zeitliche gesegnet hat.

Doch Brigitte Winter wollte sich noch intensiver engagieren. Sie gründete genau an ihrem Geburtstag im Februar 2009 den Verein der "Malawihilfe e. V.", um weitere Projekte umsetzen zu können. So konnten sie und ihre Mitstreiter Hospitäler in größerem Umfang mit medizinischen Geräten, OP-Tischen, Betten, Bettwäsche und sehr viel medizinischen Verbrauchsmaterialien regelmäßig versorgen. Eine Schreinerei und eine Bäckerei erfuhren intensive Unterstützung. Aber die Container waren auch mit kleineren Gaben bis ins letzte Eckchen gefüllt: Kleidung, Werkzeuge, Computer, Nähmaschinen, Kleinmöbel, Brillen, Fahrräder, Schultafeln und vieles mehr fand in Malawi dankbare Abnehmer.

Jetzt, 2017, konnte die engagierte Helferin ihr siebtes Lebensjahrzehnt vollenden. 1947 erblickte sie das Licht der Welt. Als Neunjährige brach Brigitte Winter zusammen mit ihrer Mutter aus ihrem Geburtsort Sangerhausen im Südharz gen Westen auf.

Intensiver als ihren äußeren Lebensweg beschreibt sie in allen zwölf Kapiteln ihres Buches "Und immer wieder Wunder" ihre innere Biografie, den Weg ihrer Glaubenserfahrungen. Es beinhaltet viele Reisebeschreibungen, die sie rund um den Globus führten, bevor sie sich auf Ostafrika konzentrierte.

Sie erzählt aber auch von den Sterbebegleitungen "um anderen Mut zu machen". Erste Erfahrungen sammelte sie dabei, indem sie ihrem Ehemann bei seinem langsamen Sterben nach einem Schlaganfall zur Seite stand. Bei allen Schicksalsschlägen fand die 70-Jährige stets Mut im Gebet.

Schon früh bemerkte Winter die tieferen Sinnspuren, die manche Zufälle in ihrem Leben hinterließen. So entschloss sie sich spät, ihrem unsteten Vater doch noch zu schreiben. Sie kannte ihn kaum, denn sie wuchs fast nur bei ihrer Mutter auf: "Mein Brief kam wenige Stunden nach seinem Tod an", so schreibt sie dazu. "Es war gut, dass ich ihm zu Lebzeiten noch verziehen hatte. Aber mehr sollte er wohl nicht mehr von mir erfahren, nachdem er sich (fast) nie um mich gekümmert hatte. War das Gottes Antwort?"

Den Ertrag ihres Lebens suchte die Helferin auch durch intensive Arbeit an ihren Lebenslinien herauszufiltern. Die Biografin Michaela Frölich, über deren Arbeit das Sonntagsblatt zu Pfingsten ebenfalls an dieser Stelle berichtete, bestärkte Brigitte Winter weiterzumachen. "Als ich einer Freundin die ersten 50 Seiten gab, die ich geschrieben hatte, kam heraus: Sie hatte sich gerade bei einem Kurs Michaela Frölichs angemeldet", so verrät die 70-Jährige dem Sonntagsblatt. Wieder so ein Zufall, der ihrem Weg eine Richtung gab. So konnte die Biografin ihre Erfahrungen auch für die engagierte Malawi-Helferin fruchtbar machen.

Frölich beriet Winter darin, die ersten Seiten noch einmal konsequent umzustellen. Frölich half schließlich auch bei der Veröffentlichung. Pfarrer Enwood Longwe aus Malawi brachte gleichfalls seine Anregungen ein. Erneut schreiben wird sie jedoch nicht. Schließlich gilt ihr gesamter Einsatz Malawi. Dort werden ihre "Gaben zu Aufgaben".

Vor zwei Jahren war sie sogar beim Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützt sie.

Im Gebet können ihre Gaben besonders gedeihen - und an ihrem Bestimmungsort segensreich wirken. So konnte sie auch während des Hungers, der Malawi im vergangenen Winter heimsuchte, viele Menschen beim Bau der Schule in Arbeit und damit in Lohn und Brot stellen. Wenigstens kam im Frühjahr eine passable Ernte vor Ort zustande. Gerade jetzt, Anfang Oktober wird der Ertrag ihrer Arbeit wieder sichtbar. Da reist die 70-Jährige wieder nach Malawi, um unter anderem eine Schule einzuweihen und die Bohrung eines neuen Brunnens mitzuerleben.

"Ich ertappe mich manchmal, dass ich stolz auf unsere Erfolge in Malawi war. Mit der Zeit jedoch beschlich mich ein ungutes Gefühl, der Verdacht, dass Gott so etwas nicht gefällt", so schreibt Brigitte Winter in ihrer Biografie. Und weiter: "Ja, wenn ich es mir recht überlege, ist es letztendlich nicht mein Verdienst, wenn die Projekte, die ich finanzieren konnte, erfolgreich verlaufen sind. Denn nur, wenn Segen auf dieser Arbeit ruht, kann sie gelingen."

Brigitte Winter: Und immer wieder Wunder. Eine wahre Geschichte, Berlin 2016; ISBN 978-3-00-052562-9; 9,99 Euro; 316 Seiten. Bestellmöglichkeit unter Telefon: 06051/66632,
E-Mail: winter.malawi(at)t-online.de
Spendenmöglichkeit bei der Kreissparkasse Gelnhausen,

IBAN: DE67 5075 0094 0008 4245 30.

Mehr Infos unter www.malawihilfe-gelnhausen.de oder
www.schreibatelier-froelich.de

                         Susanne Borée

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