Bei Gott ist nichts unmöglich

Brücke
Foto: Bek-Baier

Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: "Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: "Du kennst die Gebote." Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von Jugend auf." Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!" Er aber ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: "Wer kann dann selig werden?" Jesus aber sah sie an und sprach: "Bei den Menschen ist's unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott."

                      (aus Markus 10, 17-27)

Sie ist die Stütze der Gemeinde, bei  jeder Veranstaltung dabei - und bestimmt versucht, nach den zehn Geboten zu leben. Und dann steht da plötzlich der junge Syrer in der Kirche und bittet um Asyl und der Kirchenvorstand stimmt zu. Und auch sie stimmt mit "Ja". Aber dann werden es mehr, denn der Mann hat eine Frau und drei Kinder und auch noch einen Onkel und einen Neffen. Das ist dann doch zu viel: "Und das würde irgendwann zu teuer. Und auch ihr wird es zu viel und sie stimmt dagegen. Und bitte jetzt nicht mit der Bibel Politik machen und moralisch werden und nicht unsere Gemeinden überfordern."

Wir helfen ja gerne, aber bitte nur solange es nicht richtig weh tut. Und Jesus sieht mich an und ich sehe zur Seite, denn ich fühle mich ertappt. Nein, ich kann es auch nicht, alles den Armen geben, ich gehöre auch zu denen, die an ihre Grenzen stoßen und die sich über eine Gehaltserhöhung freuen. Ich gehöre auch zu denen, die nur soviel spenden, dass es ihnen nicht weh tut. Und Jesus sieht mich immer noch an und hat mich immer noch lieb. Und zaghaft blicke ich zurück und mir ist, als lächle Jesus, als verstehe er mich, als helfe er mir aus der Klemme mit seinem Nadelöhr-Vergleich: "Unmöglich mein Lieber, versuch es erst gar nicht. Du kannst es nicht schaffen. Auch immer gut sein zu wollen ist ein Leistungsdruck. Vom 'Alles abzugeben' bist du meilenweit entfernt. So wird das nichts mit dem Reich Gottes."

Aber dann erinnert mich Jesus daran, dass doch Martin Luther schon erkannt hätte, dass es mit unserer Anstrengung nichts wird und dass alles Gnade sei und Geschenk und dann sagt Jesus nochmal ganz deutlich zu mir: "Bei den Menschen ist's unmöglich, aber nicht bei Gott." Und er schaut mich dabei an und ich halte seinem Blick nun stand, denn ich spüre: Da kommt eben kein moralischer Zeigefinger und kein Vorwurf sondern ein Zuspruch hinterher, dass er mich aufnimmt in sein Reich, einfach weil er mich lieb gewonnen hat. "Aber folge mir nach", sagt er schon auch noch. So billig lässt er mich dann doch nicht davonkommen. "Folge mir nach und Gott wird es richten", gehören zusammen. Und das möchte ich wirklich versuchen: Diesem Jesus in seiner Menschenliebe und in seinem Gottvertrauen zu folgen. Ich möchte versuchen loszulassen, ganz im Sinne von Jesus und Erich Fromm: Mein Leben nicht im Haben, sondern im Sein zu leben, an nichts zu hängen und grenzenlos Ja zu sagen zum Menschen.

                   Kirchenrat Oliver Spilker,                   Direktor des Schulreferats Regensburg

 

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