Herr Luther mischt sich (immer noch) ein: Kapitel 20

Spalatin
Der "kleine Spalatinus" - Georg Spalatin war in Wirklichkeit gar nicht so klein. Illustrationen: Aaron Jordan

Freunde, Kurfürsten und Streitigkeiten

(=> Hier geht es noch zur letzten Folge.)

"Und wer war noch wichtig?", fragte Timo Martin Luther.

Er hörte es tief atmen. "Hm. Lass' mich überlegen."

Timo wusste ja nun schon eine Menge über die Reformation. Namen, Daten, Ereignisse - alles waberte durcheinander und ergab ein Bild, wie die Reformation wohl vor gut 500 Jahren gestaltet worden war.

"Ha! Ich hab' dir noch nicht in epischer Breite von Georg Spalatin erzählt, oder?", fragte Luther triumphierend. "Ich hab' dir schon so viel erzählt, aber ausführlich noch nicht von ihm, oder?"

Timo überlegte, dann schüttelte er den Kopf: "Oder ich hab' ein Gehirn wie ein Sieb. Bei deinen vielen Kumpels" - er malte mit seinen Fingern kleine Anführungszeichen in die Luft - "kommt man ja schon mal durcheinander."

"Der Georg war für mich sehr wichtig. Er wurde auch ein bisschen so etwas wie mein Beschützer. Ohne ihn wäre vieles sehr, sehr düster gewesen." Luther seufzte.
"Immer schön der Reihe nach, sonst komm' ich durcheinander", bat Timo. "Fang doch bitte ganz von vorne an." Er lehnte sich in seinem Stuhl bequem zurück. Vorher machte er noch seine Musik aus. Beides - Luther zuhören und der Musik lauschen ging nicht.

"Georg war es, der sich die Geschichte mit meinem Überfall und dem anschließenden Aufenthalt auf der Wartburg ausdachte. Und er hat den Kurfürsten Friedrich den Weisen in diesen Plan eingeweiht. Hätte es dem Kurfürsten nicht behagt, wäre ich wahrscheinlich sehr viel eher schon in die Ewigkeit abgerufen worden. Clever war er  - das muss man ihm lassen. Er war ein Stratege!
Dabei fing sein Leben nicht wirklich rosig an. Er war ein uneheliches Kind!" Luther schwieg. Timo dachte nach. Er hatte von vielen Frauen gelesen, die deswegen ins Wasser gegangen waren - also sich umgebracht hatten - weil sie die ,Schande' nicht ertragen konnten.

"Er kam aus einem kleinen Ort in Mittelfranken. Spalt hieß es. Weil er aus diesem Spalt kam, gab er sich später auch den Namen Spalatinus - der "kleine Mann aus Spalt". Aber so klein, wie er sich gerne in seiner Bescheidenheit machte, war er gar nicht." Luther kicherte.

"Denn der Georg war ein ganz Schlauer. Hochbegabt würde man wahrscheinlich heute sagen. Jeder, der dumm wie drei Meter Feldweg war, hatte es schwer gegen ihn. Er wollte mehr. Er ging nach Nürnberg und anschließend zur Universität nach Erfurt."

"Na super. Das scheint ja wieder mal eine richtige Granate gewesen zu sein, dachte sich Timo. Wie eigentlich fast alle, die mit Luther zu tun hatten. Schlau schien schlau anzuziehen. So wie Geld bei dem Spiel Monopoly Geld anzog. Für ein uneheliches Kind jedenfalls eine erstaunliche Wendung, die Timo nicht erwartet hatte.

"Er studierte Jura und Theologie und vieles mehr und wurde schließlich Priester. Dann aber kam es: Das große Glück letztlich für die Reformation und mein Leben. Er wurde Mitglied am Hof des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen."Friedrich der Weise?" Timo runzelte die Stirn. Da klingelte etwas. "Das war doch der, der auch immer die schützende Hand über dich gelegt hatte, oder?"

"Das ist richtig, mein Junge", sagte Luther.

Aber warum hat man ihn Friedrich "den Weisen" genannt? => weiter