Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 5.11.2017
Brücke

=> Andacht: Schwerter zu Pflugscharen

Zu meiner Konfirmation haben mir meine Paten eine Gitarre geschenkt. Noch heute ist sie im Einsatz! Anfang der 80er Jahre habe ich einen Aufkleber auf dem Instrument angebracht: "Schwerter zu Pflugscharen". Neben diesem Zitat aus dem 4. Kapitel des Propheten Micha ist ein Schmied in Aktion zu sehen. Das Bild wurde zum Symbol staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR und von der westdeutschen Friedensbewegung übernommen. Die christliche Friedensbewegung hat meinen Blick auf die versöhnende Botschaft des Evangeliums gelenkt. In Friedensgruppen, auf Kirchentagen und im Religionsunterricht der Oberstufe haben wir diskutiert und darum gerungen, ob Schwerter wirklich zu Pflugscharen geschmiedet werden sollten oder ob es die militärische Abschreckung braucht. ...

(Aus Mt. 10,34-39)

Susanne Borée

=> Oktoberrevolution - Gedenktag für Christen?

Nicht sehr rücksichtsvoll waren sie - Lenin und seine Genossen bei der Oktoberrevolution. Da Russland noch zu dieser Zeit nach dem Julianischen Kalender lebte, fand sie am 7. November statt. Nicht sehr nett war dieser Terminplan auch für die Redaktion unseres Sonntagsblattes. Musste die Revolution unbedingt eine Woche (wenn auch 400 Jahre später) nach dem Reformationsjubiläum statffinden? Und kann die Russische Oktoberrevolution überhaupt Thema des Sonntagsblattes sein? Schließlich wollte sie doch alle religiösen Bindungen zerschlagen. Sie weckte die niedrigsten Instinkte der Menschen. Für Jahrzehnte lebten sie im Bannkreis der Gewalt. ...

Evangelische Kirche in Nikolajew

=> 100 Jahre Oktoberrevolution - was bedeutete dies für lutherische Christen in der Ukraine?

"Wir brauchen wieder einen starken Führer wie Stalin." Das hörte Ulan Spahlinger beim Kirchenkaffee von einer älteren Frau russlanddeutscher Abstammung im ukrainischen Nikolajew. Der heutige Dinkelsbühler Dekan war bis Anfang 2014 Bischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine. Doch unter Stalins Herrschaft waren die Eltern dieser Dame ermordet worden. Die Herrschenden hätten vielleicht gewechselt - das "Herrschaftssystem hat sich kaum geändert". Diese ernüchternde Bilanz zieht Spahlinger. Ob nun zaristisch, kommunistisch oder oligarchisch geprägt - im Bewusstsein der Menschen vor Ort habe sich wenig geändert. ...

Kirchenchor der Erlösergemeinde heute

=> Estnische Lutherische Kirche ''stets um Ausgleich und Kooperation bemüht''

''Na, du lebst dich aber gut ein in die Oktoberrevolution'', meinte der Kollege. Er kam gerade, als ich eine Hymne auf ''Youtube'' angeklickt hatte. "Nein, nichts Revolutionäres. Ganz im Gegenteil. Außerdem ist das estnisch: die Nationalhymne." Keine Revolution und keine Partei ist erwähnt, dafür viel "Vaterland", das erwachsen soll. "Über dich wache Gott, mein liebes Vaterland", heißt es gegen Ende. Und das in einem Land, in dem fast alle an kostenloses und schnelles Internet angebunden sind - auch auf dem Land. In dem Skype entstand und Grundschüler Programmieren lernen. Und mit einer solchen Nationalhymne - wahlweise gesungen vom Männerchor oder vom kleinen Mädchen im Blumenkranz, aber oft mit vielen Fahnen. Dort gehören nur etwa 30 Prozent einer Kirche an. "Wie viele Esten lutherisch getauft wurden, weiß nur Gott", so Matthias Burghardt. Seit Anfang 2006 ist er Pfarrer der deutschsprachigen Erlösergemeinde der Estnischen Evangelischen Lutherischen Kirche in der Hauptstadt Tallinn und in Tartu. "Aber bei der Volkszählung haben sich knapp 15 Prozent dazu bekannt. ...

Laine Villenthal

=> Lebenslinien (Teil 109): Ein Leben für Kirche und Gemeinde als erste Pfarrerin

''Eins ist klar: Wir werden gewinnen.'' Diese Worte ließ der evangelische Erzbischof Jaan Kiivit an Laine Villenthal ausrichten. Es ist Herbst geworden 1954 im kleinen Örtchen Misso tief im Südosten Estlands. Predigerin Laine Villenthal, 1922 geboren, sollte dort als Predigerin für die evangelische-lutherische Kirche beginnen. Im Herbst 1954 war Josef Stalin gerade anderthalb Jahre tot. Seit Wochen wartete Laine Villenthal auf ihre Arbeitserlaubnis. Mehr als drei Monate lang, bis zum November 1954, konnte sie weder arbeiten, noch überhaupt richtig leben. Menschen, die ihr ein Zimmer in ihrer Wohnung zur Verfügung stellten, wurden bedroht. ....