Es wird alles offenbar

Brücke
Foto: Bek-Baier

Der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

                      (Lukas 16,1-9)

Eine Riesensumme eines Großprojekts hatte der Kirchenverantwortliche in den Sand gesetzt, daneben der Plan zum Aufbau eines Lehrinstituts - naiv, ergebnislos! Nicht sein Geld war es, sondern öffentliche Mittel, der Kirche anvertraut. Ich denke an Länder, wo Millionen an Steuereinnahmen aus Geberländern und von Investoren, durch üble Regierungen vergeudet werden; Betrug einer Elite gegen Arme. Das gilt nicht zuerst für Staaten im Süden, sondern global. So unverantwortlich können Menschen handeln. Oft wird gar nichts bekannt - geschweige denn geahndet.

Da ist nun aber einer in dieser Geschichte, die uns Lukas von Jesus erzählt, der macht genau hier ein Fragezeichen. Schlimme Fakten liegen auf dem Tisch, als der Inhaber des Ganzen prüfend Rechenschaft fordert. Weder wischt er mit dem Schwamm drüber noch findet er ihn gönnerisch ab. Ergebnis: Entlassung.
Aber wohin soll er denn? Im Club kann er sich nicht mehr sehen lassen; wer macht noch Geschäfte mit ihm? Es geht ans Eingemachte. Der Versager kennt die Regeln des Kapital-Spiels. Gewieft ändert er vor der Entlassung Verträge mit Geschäftspartnern ab, sichert sich Chancen, sein Überleben. Will Jesus solches gut heißen?

Welches Beispiel können sich "die Kinder des Lichts" an jemand nehmen, der clever genug eigene Interessen zu sichern weiß? Jesus bedauerte den reichen Jüngling, dessen Herz gar arg am Materiellen hing - kein Vorbild für die Nachfolge.
Gott nennt Schuld beim Namen, ja fordert, dass Menschen Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Davonstehlen, tot stellen oder Ausschweigen geht nicht. Ihr müsst euch verhalten, lehrt Jesus, indem er den Verwalter klug nennt, wie er konkret plant. Wir Menschen sollen unseren Verstand gebrauchen, sagt mir das. Zwielichtiges in unserem Verhalten muss offengelegt werden.

Für den Verwalter bedeutet dies, Beziehungen neu zu aktivieren und größeren Schaden abzuwenden versuchen. Mit Gott kann man nicht verhandeln, sich freikaufen schon gar nicht. Wir sind, die wir auch bei bestem Verhandlungsgeschick an Grenzen kommen, auf seine Gnade angewiesen. Machenschaften oder Allianzen mithilfe trickreicher Finanzjongleure - dazu rät Jesus seinen Jüngern nicht. Jedoch: Freunde auf den Wegen mit uns zu wissen, die mit unserem Versagen gnädig umgehen, die einem auch mal Grenzen aufzeigen - und, wenn es einmal richtig ernst wird, einen aufnehmen - das birgt Chancen.

Dem Kirchenleiter am Beginn dieser Besinnung ließ man gedankenlos verausgabtes Geld durchgehen. Verschwenden oder betrügen als Methode geht vor Gott nicht: Es wird alles offenbar und ist es schon. Vor allem geht es um Verantwortung; der Horizont ist die Ewigkeit. Unverdienterweise erwarten uns dort Hütten und Beziehungen, in die auch wir Versager wegen Christus hineingenommen werden: Räume, die nicht unser Kapital gebaut hat, unzerstörbar. Wir können in Werte und Beziehungen investieren, die aus Geschenktem Gutes machen, Leben heute und hier gerechter und unsere Ewigkeitsdimension bewusst halten.      

               Pfarrer Traugott Farnbacher,

               Referent für Papua-Neuguinea, Pazifik und Ostasien, Mission EineWelt

Gebet:

Vater im Himmel, Du bist gerecht und Du siehst, wo wir Ungutes tun oder Allianzen bilden. Aus Deiner Barmherzigkeit heraus wirst Du unser ungerechtes Tun nicht zum Verdikt über unser Leben machen - sondern bietest uns ewige Zukunft bei Dir an, gnädig. Danke! Amen.

Lied 153:

Der Himmel, der kommt

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