Editorial: Leicht ins Neue Jahr

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Leer. Ja, das habe ich gedacht, als im Gottesdienst gefragt wurde: "Was haben Sie sich fürs neue Jahr vorgenommen? An was denken Sie?" Und ich habe angefangen zu denken und dachte: "Leer." Mein Kopf war leer. Das war wider Erwarten nicht schlecht. Ja, es war ein gutes Gefühl. Leer bedeutet auch, es gibt keine außergewöhnlichen Anforderungen, die warten oder drücken. Es gibt keine Belastungen, die beschweren. Mich drängen keine Erwartungen, die schieben oder ziehen. Da ist nichts Bedrohliches, das über meinem Haupt schwebt.

Alles in allem starte ich mit einem guten Gefühl und mit Leichtigkeit ins neue Jahr, dachte ich.

Mit Leichtigkeit ins neue Jahr: Ein Paar springt in die Luft. Unter dem Begriff "Leichtigkeit" habe ich das Bild für Seite 1 gefunden. Die beiden Menschen drücken Leichtigkeit aus: Nichts belastet, nichts schiebt.

Viele Menschen haben sich aber für das Jahr 2018 etwas vorgenommen und sich selbst damit unter Druck gesetzt. Psychologen  halten es für falsch, sich Vorsätze für das neue Jahr vorzunehmen. Denn man setzt nur das wirklich um, was man wirklich will. Vorsätze werden aber oft nur halbherzig gefasst. Die Folge sind schlechtes Gewissen oder gar Gefühle des Versagens. Dabei hatten die Vorsätze von vornherein kaum eine Chance, wenn man sich selbst gegenüber ehrlich ist.

Der Spruch der Woche, "Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden" (Johannes 1,17), drückt die Ursache einer ganz anderen, einer tief gehenden Leichtigkeit aus. Gerecht vor Gott zu werden, in dem man sich vornimmt die Gebote und religiösen Vorschriften einzuhalten ist sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich. Wer das versucht, wird ein Leben lang belastet sein. Doch wer die Gnade annimmt, die Gott durch Jesus Christus schenkt, der wird sich leicht und frei vor Gott vorkommen. Davon schreibt der Evangelist Johannes gleich im 1. Kapitel seines Evangeliums. Das ist so wichtig, dass es vorneweg gesagt werden muss.

Wenn man das für sich erkannt hat, kann man Gott leer begegnen. Ich denke an ein leeres Glas, das neu mit Gutem gefüllt werden kann. So leer lässt sich gut in ein neues Jahr gehen.

                                 Martin Bek-Baier

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 30. September 2018:

- Was auf den Tagesordnungen in Kirchenvorständen steht und was diese Gremien tun

- Oberkirchenrat Bierbaum: Religionsunterricht als Brücke zwischen Kulturen und Konfessionen

- Hört einander zu! Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, fordert gemeinsame Lösungssuche

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet