Editorial: Tritt das ein, woran wir glauben?

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

''Ich werde gewinnen!'', sagt das Kind vor einem Wettkampf. Keinerlei Zweifel trägt der Junge im Herzen, als er mir es erzählt. Er gewinnt.

"Hoffentlich habe ich keinen Herzinfarkt, wie mein Vater", sagt einer meiner Patienten im Krankenhaus, in dem ich arbeite. "Davor habe ich mich immer gefürchtet. Jetzt habe ich schreckliche Angst, dass es mich trifft!" Der Infarkt traf ihn nicht, aber die Angst ist fest in seinem Herzen und will nicht weichen.

"Das geht bestimmt schief", sagt die Freundin, als sie mir von einem vermeindlich guten Plan erzählt. Und es geht natürlich schief. Aber das hat sie natürlich schon immer gewusst. War ja klar!

In unserem Leben tritt oft das ein, woran wir glauben oder woran wir denken. Gleichgültig ob es sich um Heilung von Krankheiten oder um Erfolge handelt. Wovon wir überzeugt sind, tritt ein.

Natürlich werden sich auch unsere Befürchtungen bestätigen, wenn wir ihnen gedanklich Energie schenken.

Ich glaube an die Kraft der Gedanken. "Es soll geschehen, wie du geglaubt hast", sagt Jesus. Oder auch: "Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz."
Welchen Gedanken geben wir also Raum in unserem Herzen - sowohl im Guten wie im Schlechten?

Dietrich Bonhoeffer glaubte bis zuletzt an seine Überzeugungen und an einen Gott, der ihn nie verlassen würde - auch über den Tod hinaus. Noch heute spüren wir, wie dieser Glaube ihn trug und wie  er uns dadurch bewegt.

Wir könnten unsere Sicht auf die Welt durch unsere Gedanken verändern. Wir könnten zum Beispiel damit beginnen, unser tägliches Leben mit anderen Augen zu betrachten. Mit Wohlwollen, mit dem Glauben, dass Gott es gut mit uns meint. Wenn wir uns bemühen, Mangel nicht zu "unserem Schatz" zu machen und zu verwalten.

Was würde mit uns passieren,  wenn wir guten Gedanken mehr Aufmerksamkeit schenken würden? Könnten wir damit nicht die Welt ein Stückchen besser machen?

                 Inge Wollschläger

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