Ein gutes Stück fränkische Kirche

Stadtkirche St. Martin
Die Stadtkirche St. Martin in?Schwabach. Foto: Gemeinde St. Martin

Schwabach ist Ort der Frühjahrstagung der Landessynode

Nürnberger Lebkuchen, Bratwurst und Frankenwein sind bekannt als gute fränkische Küche. Bei aller (fränkischen) Bescheidenheit: Es gibt auch die gute fränkische Kirche. Und das Dekanat Schwabach gehört dazu. Neben der Stadt Schwabach umfasst es weite Teile des Landkreises Roth und einen kleinen Teil der Stadt Nürnberg.  Schwabach. Unter den 66 Dekanaten der bayerischen Landeskirche gehört Schwabach zu den älteren und größeren. Bereits im Jahr 1556 errichtete Georg Friedrich der Ältere, damals Markgraf von Brandenburg-Ansbach, das Dekanat Schwabach. Heute gehören 26 Kirchengemeinden dazu. Ganz kleine, wie Petersgmünd mit 329, und ganz große, wie Schwabach St. Martin mit 8.977  Mitgliedern. Insgesamt sind es mehr als 55.530 Gemeindemitglieder. Für 1083 Beschäftigte sind wir als Kirche und Diakonie Arbeitgeber.

Unsere kirchliche Arbeit ist seelsorgerlich und diakonisch, musikalisch und gesellig, kulturell und künstlerisch, evangelisch und ökumenisch, traditionsbewusst und innovativ. Ziel ist stets, für Menschen des 21. Jahrhunderts mit ihren Lebensfragen einen Zugang zur Liebe Gottes zu bahnen. Die Kirchengemeinden sind Rückgrat und Basis. Von der Mini-Gruppe mit Krabbelkindern mit Windeln bis hin zu den Seniorenkreisen mit Hochbetagten mit Rollatoren. 26 Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft. An 43 Schulen erteilen 54 kirchliche Lehrkräfte jede Woche 450 Stunden Religionsunterricht. In der Kreisklinik Roth, im Stadtkrankenhaus Schwabach und in der Rother Kaserne sind wir als Kirche geschätzt.

Dass die Kirche im Dorf und in der Stadt bleibt, ist uns wichtig. Der eigene Kirchturm freilich ist nicht alles. Die eigene Kirchengemeinde ist ganz und gar Kirche Jesu Christi vor Ort - aber sie ist eben nicht die ganze Kirche. Bereits bei der Umsetzung der Landesstellenplanung 2010 haben wir Zusammenarbeit als zentrale Haltung wirkungsvoll und motivierend umgesetzt. Kirchengemeinden kooperieren miteinander, und eng sind dekanatliche Einrichtungen mit ihnen verknüpft. Die Dekanatsjugend macht auch bereichernde Angebote für die Konfirmandenarbeit. Das Bildungswerk bietet den Kirchenvorständen Beratung und Moderation für einen guten Abschluss der Legislaturperiode an. Im Kirchengemeindeamt erhalten die Kirchengemeinden kompetente Unterstützung. Unsere Partnerschaften mit Menyamya (PNG) und USA River (Tansania), Eine-Welt-, Dekanatsfrauen- und Umwelt-Arbeit bilden inhaltliche Schwerpunkte. Kirchenmusik, Chöre, Posaunenchöre und Bands sind Aushängeschilder und Anziehungspunkte zugleich. Menschen mit und ohne Behinderung im Arbeitskreis Inklusion machen uns sensibel, niemanden von unserer Arbeit auszuschließen. Auf kurzen Wegen zueinander knüpfen wir unser kirchliches Netzwerk.

Noch in diesem Jahr entsteht in der Schwabacher Stadtkirche das erste Kolumbarium in der Bayerischen Landeskirche. In Sichtweite des Taufsteins wird eine künstlerisch und theologisch sehr ansprechend gestaltete  Urnenwand eingebaut. So wird die Kirche noch umfassender und intensiviert als liturgischer Lebensraum erschlossen.

Freilich: Auch in dem nach der Goldschlägerstadt Schwabach benannten Dekanat ist nicht alles Gold was glänzt. Im Jahr 2012 galt es die drohende Insolvenz unseres Diakonischen Werkes abzuwenden. Kirchengemeinden, Diakonisches Werk Bayern, Banken, Stadt Schwabach und Mitarbeitende. Alle zusammen waren herausgefordert. Ein immenser Kraftakt. Manch schlaflose Nacht war auch dabei. Auch die Notlagenregelung war nötig, um die Arbeit für unsere Klienten und Bewohner aufrechtzuerhalten. Inzwischen ist die Konsolidierung erfolgreich abgeschlossen. Um unsere diakonische Arbeit zukunftsfähig zu machen,  sind wir aktuell in Gesprächen mit Verantwortlichen aus dem Diakonischen Werk Weißenburg-Gunzenhausen. Gemeinsam, in kluger Abstimmung, gilt es die diakonische Zukunft weiter zu entwickeln.

Im Jahr 2017 wurde die Stadt Schwabach als "Reformationsstadt Europas" ausgezeichnet. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) attestierte Schwabach neben historischen Zeugnissen der Reformationszeit und hinreichender touristischer Erschließung auch europäische (!) Ausstrahlung. So darf sich Schwabach nun einreihen unter mehr als 50 Städten in 12 Ländern, zu denen beispielsweise La Rochelle in Frankreich oder Breslau in Polen gehören, und selbstverständlich auch Luthers Geburtsstadt Eisenach sowie die Lutherstadt Wittenberg.

Das Dekanat Schwabach - in der Tat: ein gutes Stück fränkische Kirche. Gott sei Dank!   

                       Dekan Klaus Stiegler

 

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