''Eine Kirche, die Wärme ausstrahlt''

Landesbischof mit Synodalen
Mission ist eine ''Herzensangelegenheit'' der Kirche: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Mitte) hält symbolisch ein Herz mit dem Präsidium der Synode (von links) Vizepräsident Dekan Hans Stiegler, Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Vizepräsident Walter Schnell sowie Pfarrer Erik Hermanns aus Mindelheim.

Die Frühjahrssynode der bayerischen Landeskirche tagt in Schwabach

Die Frühjahrstagung der bayerischen evangelischen Landessynode steht unter dem Schwerpunktthema "Missionarisch Kirche". Die 108 Synodalen widmen sich dabei der Frage, was geschehen muss, damit "Menschen mit ihren heutigen Lebens- und Sinnfragen die Kirche wieder stärker als den Ort entdecken, an dem sie Gott begegnen können". Die Fragestellung ist, was die Kirche dafür tun kann, dass Menschen im Evangelium die Antwort auf ihre Lebensfragen finden.

''Wir haben Wesentliches zu sagen, und die Menschen erwarten von unserer Kirche wesentliche Antworten", sagte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel in ihrer Eröffnungsansprache zu Anfang der Frühjahrssynode der Landessynode in Schwabach. Die Kirche wolle daher mit dem kirchlichen Prozess "Profil und Konzentration" (PuK; wir berichteten) Wege finden um attraktiver und werbender zu werden. Zahlreiche PuK-Arbeitskreise landauf landab zeigen, so Preidel, "welch kreative, ideenreiche und engagierte Kirche wir sind." Ziel sei, eine barrierefreie Kirche zu sein, die sich darum bemüht, den einfachen Zugang zur Liebe Gottes zu ermöglichen.

In ihrer Ansprache wurde deutlich, dass es bei PuK auch darum gehen wird, Dinge wegzulassen, anzuschaffen, einzusparen. "Wovon können wir uns als Kirche trennen?", fragte die Präsidentin. Der Weg der Kirche  in die Zukunft bedeute gleichermaßen loslassen, bewahren und neuentwickeln. "Üben wir uns in der Kunst des Weglassens", rief sie den Synodalen zu. Das müsse allerdings umsichtig und mit Bedacht geschehen. Deutlicher wurde sie nicht. Solche Aussagen mögen anders gemeint sein; etwa in Richtung spiritueller Erneuerung und einer Profilierung bestimmter Aspekte der Kirche. Aber sie könnten auch vorhandene Ängste in den Gemeinde, Dekanaten und Einrichtungen nähren, dass es bei PuK doch um ein "getarntes Kürzungsprogramm"  gehen könnte, wie manche argwöhnen.

Nach dem Reformationsjubiläumsjahr mit seinen Trommelwirbeln sei es an der Zeit, das Rampenlicht auszuschalten, so Preidel weiter, und in die Normalität zurückzukehren. "Uns selbst kann so das Licht aufgehen" und Kirche könne den Weg zu denen im Dunkeln gehen, die man gewöhnlich nicht sieht. Die Kirche solle daher eine "barrierefreie Kirche", wie Preidel es nannte und eine missionarische Kirche sein. Sie solle keine "Thermoskannenkirche sein, die nur nach innen wärmt und nach außen kalt ist." "Strahlen wir nach außen Wärme aus!", forderte Preidel.

Dem Prozess PuK und notwendigen Einsparungen gab ebenfalls  Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Bericht vor der Synode Raum. Ein realistischer Blick auf die langfristige Finanzplanung zeige, "dass nicht alles an Gebäuden und hauptamtlichen Mitarbeitenden zu halten sein wird, was bisher möglich war", betonte der Bischof. Deshalb sei es nachvollziehbar, dass die Synode aus "Fürsorgegründen für die ganze Kirche" auch die Pensionen auf den Prüfstand stelle. Hier hat ein Ausschuss über die Zukunft der Versorgung der öffentlich-rechtlich Beschäftigten Überlegungen erarbeitet. Von diesen Überlegungen seien die Berufsgruppen der bayerischen Pfarrerinnen und Pfarrer, der Diakone, der Religionspädagogen und andere Kirchenbeamte betroffen, erläuterte Bedford-Strohm. Gegen Vorüberlegungen, die Pensionen abzusenken, kam es bereits zu Widerstand aus der Pfarrerschaft. Diese Diskussion sei jedoch nötig, um die Kirche finanziell zukunftsfähig zu machen, sagte der Bischof.  

Eine Verwaltungsreform solle den Pfarrern, die zunehmend mit Verwaltungsaufgaben zu tun haben, mehr Raum für seelsorgerliche Arbeit geben. Ein Projekt zur stärkeren Kooperation und Verzahnung der Berufsgruppen habe das Ziel, Reibungsverluste durch Konflikte wegen Rollenunklarheiten zu überwinden. Mit einem breit angelegten Immobilienprojekt sollten Kirchengemeinden und Dekanate davor bewahrt werden, durch Bauerhaltungskosten in finanzielle Sackgassen zu geraten, so Bedford-Strohm.

Im Blick auf die Kirchenvorstandswahlen im Herbst forderte der Bischof junge Menschen auf, sich rege daran zu beteiligen. Die Rolle Jugendlicher in den kirchlichen Entscheidungsgremien müsse gestärkt werden. Nach den bisherigen Erfahrungen falle es gerade Jugendlichen schwer, sich auf eine Kirchenvorstands-Periode von sechs Jahren festzulegen. Trotzdem sollten sie zur Kandidatur ermutigt werden, zumal auch ein Ausstieg vor Ende der Wahlperiode möglich sei.
Noch ein anderes Thema sorgt auf der Synode für Kontroversen: Eine weitere Arbeitsgruppe hatte im Vorfeld der Synode zu dem Thema  "Segnungen von homosexuellen Paaren" gearbeitet. Vorgeschlagen wird nun, dass Pfarrerinnen und Pfarrer nach ihrem Gewissen entscheiden sollen, ob sie gleichgeschlechtliche Paare segnen oder nicht.  Mit der Segnung von homosexuellen Paaren soll neben den "Trauungen" von heterosexuellen Paaren und den "Gottesdiensten anlässlich einer Eheschließung" für Paare, bei denen einer der Partner kein Christ ist, eine dritte Ordnung entstehen. (Der Beschluss der Synode dazu und dem Thema Pensionen lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Wir berichten in der kommenden Ausgabe.)

Nicht nur Gegner führen den Beschluss der "Fürther Erklärung" von 1993 ins Feld. Damals wurde betont, dass  öffentliche Segenshandlungen für homosexuelle Paare nicht möglich seien. "Nach 25 Jahren ist die Zeit gekommen, einen Schritt weiter zu gehen und Segnungen homosexueller Paare im Gottesdienst zu ermöglichen", betonte Oberkirchenrat Michael Martin im Vorfeld der Synode. Synodal-Vizepräsident Hans Stiegler sagte vor der Presse auf der Synode, dass jene Fürther Erklärung eine "Sternstunde der Landeskirche" sei. Es gäbe unterschiedliche Interpretationen der biblischen Aussagen zur  Homosexualität. Sie dürften kein Anlass für Spaltungen sein. Daher soll es bei möglichen Segnungen homosexueller Paare den Gewissensschutz für Pfarrerinnen und Pfarrer geben.

Die Situation der Menschen in Syrien und die bedrohliche Situation durch Militärschläge des Westens waren ebenfalls Thema auf der Synode. Giftgasangriffe müssten geächtet werden, so Landesbischof Bedford-Strohm. Militärschlägen erteilte er jedoch eine klare Absage: "Als Kirche appellieren wir dringlich an die internationale Staatengemeinschaft und die Großmächte, endlich Frieden und eine zivile Zukunft für Syrien zu schaffen."   

                       Martin Bek-Baier/epd

 

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