Editorial: "Lass dir an meiner Gnade genügen ..."

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Morgens erzählt mir "Alexa"-  die Sprachassistentin von Ama-zon die Tageszusammenfassung. Nachrichten und Presseschau, weltgeschichtliche Ereignisse und: die Losung des Tages. Sie gehört zu meinem Leben dazu. Oft liest - oder in meinem Fall neuerdings - hört man sie, nickt zustimmend, und kurze Zeit später hat man sie meistens auch schon wieder vergessen. Bekannte Verse wechseln sich ab, wie welche, die man meint, noch nie gehört zu haben. Den meisten von Ihnen wird es vielleicht ähnlich ergehen.
Dann aber gibt es Tage, da scheinen die Worte der Heiligen Schrift förmlich ins Herz zu treffen. Sie lassen einen nicht mehr los. Wie ein Strahl vom Heiligen Geist erleuchten sie alles bis in den letzten Winkel.
"Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. 2. Korinther 12,9" erzählte mir Alexa in aller Herrgottsfrüh.
Stunden später gab es eine Andacht, bei der der Pfarrer ebenfalls diese Worte las.
Sie hatten an diesem Tag eine ganz besondere Bedeutung für mich: Eine Freundin wartete auf eine Arztdiagnose. An Krebs erkrankt, bangte sie nach einer aufwendigen Untersuchung ängstlich mit ihrem Mann auf ein Ergebnis. "Herzklopfend und Hirn zermarternd" beschrieb sie ihre Zeit der Sorge. Ein "Hop oder Top".

Sie ist nicht die Einzige, die auf Diagnosen, auf Urteile oder ängstlich auf einen Freispruch wartet. Viele von uns können sich in eine solche Situation hineinversetzen. Die Hilflosigkeit, die in einem aufsteigt, die Schwäche, die man in jedem Körperteil schier fühlt.

Und dann dieser Satz: "Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit."

Wenn alles droht, in sich zusammenzufallen, ist dieser Satz Gnade: Zu wissen, dass wir in all unserer Schwachheit nicht vergessen und verloren sind. Dass meine Schwäche vor Gott eine Stärke ist.

Es berührte mich tief. Er gilt nicht nur für meine Freundin, er gilt auch für Sie und für mich. Er wird in meinem Herzen für sehr lange Zeit präsent bleiben.                 

Inge Wollschläger

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 30. September 2018:

- Was auf den Tagesordnungen in Kirchenvorständen steht und was diese Gremien tun

- Oberkirchenrat Bierbaum: Religionsunterricht als Brücke zwischen Kulturen und Konfessionen

- Hört einander zu! Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, fordert gemeinsame Lösungssuche

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet