Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 19.8.2018
Brücke

=> Andacht: Was uns mitgegeben ist

Irgendwann einmal hat mir meine Frau einen großen Rucksack geschenkt. Den sollte ich beruflich nutzen können. Es geht ein Laptop hinein, die Spiegelreflexkamera, Schreibblock und Stifte, eine Wasserflasche und meine Medikamente. Natürlich passt noch viel mehr hinein. Den trage ich meistens bei mir. Nicht nur auf Reisen, sondern im Alltag begleitet er mich. Ich nehme ihn morgens mit und abends wieder mit nach Hause. Und so habe ich immer so Allerlei bei mir. Man kann ja nie wissen. Viele Frauen kennen das von ihren Handtaschen. Manchmal braucht jemand eine Kopfschmerztablette. Ich hab sie dabei. Einen Stift. Dabei. Ein Kind nach dem Religionsunterricht einen Schuhlöffel. Ist dabei. ...

(Apostelgeschichte 3, 1-10)

Inge Wollschläger

=> Achtsamkeit für andere

Die ältere Frau müht sich sichtlich ab, mit ihrem Einkaufstrolley an der einen Hand und der Tasche in der anderen die Türe zum Laden aufzustemmen. Ich sehe es und öffne sie für sie. Keine große Sache, aber sie ist sehr dankbar dafür. Die Bedienung im Biergarten balanciert ein schweres Tablett mit Mahlzeiten für vier Personen und die jeweiligen Getränken an unseren Tisch. Sie sieht schon fünf Meter vor dem Tisch, dass es mit dem Abstellen schwer werden wird. Wir sagen ihr, dass sie sich keine Umstände machen braucht und nehmen uns unsere Teller und Gläser selbst. Keine große Sache - aber die Bedienung ist gerührt über so viel Weitsicht, die sie anscheinend an diesem Tag bei anderen Gästen eher weniger erlebt hat. ...

Elfenbeinplatte

=> ''Thietmars Welt''

Manchmal ist es schon komisch mit der Weltgeschichte. Wenn an diesem einen Tag ein junger Mann nicht um sein Leben gerannt und den Seeräubern entkommen wäre, wüssten wir nur einen Bruchteil über eine ganze Epoche. Der spätere Merseburger Bischof Thietmar schrieb Geschichte. Vor allem dadurch, dass er die Geschichte der Ottonen und ihrer Zeit minutiös aufschrieb mit vielen Details. Das war vor rund tausend Jahren. ...

Thietmar

=> Hilf mir aus dem Rachen des gierigen Wolfs!

Entreiß mich dem Rachen des gierigen Wolfes, der mich zerfleischt!" So bittet Bischof Thietmar von Merseburg (+ 1018) am Ende seines "Chronicon" seinen Nachfolger - und alle Leser bis heute. Mehr noch: "Du brauchst mein Wirken nicht für erfolgreich zu halten." Welch ein Satz in einem Lebenswerk! Und weiter: "Komm mir vielmehr mit dem ständigen Heilmittel des Gebets und der Almosen zu Hilfe." Wovor fürchtete er sich? ...