Die Freiheit neu geschenkt

Brücke
Foto: Bek-Baier

Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.
Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Abteilungen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Passafest vor das Volk zu stellen. So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir! Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Gasse weiter, und alsbald verließ ihn der Engel.  Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.

                     Apostelgeschichte 12

Jakobus kommt schlecht weg. Mit nur einem Satz wird er erwähnt. Er stirbt eines gewaltsamen Todes, während Petrus auf höchst wunderbare Weise von einem Engel aus dem Gefängnis befreit und vor der Hinrichtung bewahrt wird. Erst später steigt Jakobus zu einem der wichtigsten Heiligen überhaupt auf, weil er nach der Himmelfahrt in Spanien gepredigt haben und dann im Mittelalter die spanischen Heere im Krieg gegen die Mauren zum Sieg geführt haben soll. Heute kennt man ihn vor allem als Pilger mit der Jakobsmuschel am Hut. Ihm erscheint kein rettender Engel. Hat die Gemeinde in Jerusalem nicht für ihn gebetet, so wie für den anderen Apostel, Petrus?

Rettung aus Todesgefahr – solche Geschichten faszinieren auch heute. Millionen bangten mit den Kindern, die in der Höhle auf den Philippinen vom Wasser eingeschlossen waren. Freudentränen kommen Fernsehzuschauern, wenn nach Tagen ein vom Erdbeben Verschütteter lebend unter den Betonteilen herausgezogen wird. Die Toten, für die es keine Rettung gab, treten oft in den Hintergrund. Wir lieben solche "Rettung in letzter Sekunde", besonders wenn es völlig aussichtslos war; so wie bei Petrus. Lazarus, von dem das Evangelium des Sonntags handelt, war schon tot. Leichengeruch bewies, dass die Verwesung bereits eingesetzt hatte. Die Bibel berichtet von dem Wunder wohl nicht, um zur Nachahmung aufzufordern, sondern im Sinn des Wochenspruchs: Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und unvergängliches Leben ans Licht gebracht.

Aber das verbietet nicht, in aussichtsloser Lage auf ein Wunder zu hoffen. Oder sich über ein solches zu freuen, wenn das Leben, die Gesundheit oder die Freiheit neu geschenkt werden. 

            Pfarrer Hans Peetz, Bayreuth, Projektstelle Markgrafenkirchen

Lied 615:

Ich lobe meinen Gott

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