Editorial: Die Wahl als Möglichkeit

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Es ist Landtagswahl. Es ist ein wichtiges Recht und eine Pflicht in einer Demokratie wählen zu gehen. Ein Privileg, das die Menschen in nicht allen Ländern dieser Erde haben. Die Wahl ist eine Möglichkeit direkt auf die Politik Einfluss zu nehmen. Nur was soll man wählen? Die erstaunlichsten Wahlkampfplakate wollen uns zum Wählen animieren.

"Franz Josef Strauß würde die AfD wählen", verkündet ein Plakat. Im Leben nicht! Wer glaubt denn so etwas? Die AfD steht für antidemokratische Werte und eine Politik für die Reichen, die der frühere bayerische Ministerpräsident niemals gutgeheißen hätte. Allein der Geschichtsklitterung, die einige Vertreter der AfD betreiben, hätte der studierte Historiker vehement widersprochen. Strauß habe in den 80er-Jahren auch die Republikaner bekämpft, erklärte Strauß-Tochter Monika Hohlmeier: "Die Republikaner boten Rechtsextremen mit nationalsozialistischem Gedankengut eine neue politische Heimat. Das war inakzeptabel für meinen Vater."

AfD-Politiker wie Alexander Gauland und Björn Höcke bezeichnete Hohlmeier als "geistige Brandstifter" und erklärte: "Sie hetzen Menschen auf, machen Menschen Angst. Und sie tun es bewusst, um daraus politisch Profit zu ziehen."
Die AfD hofft auf viele unzufriedene Protestwähler. Ob die sich mit solch durchsichtigen Manövern von der CSU abziehen lassen?

"Jesus hätte uns gewählt", behauptet "Die Linke" auf einem ihrer Plakate. "Mehr teilen, mehr Frieden. Mehr Nächstenliebe.", verspricht es dazu. Das könnte man sich schon eher vorstellen. Soziale Anliegen, Politik für die kleinen Leute, die einen Blick auf die am Rande der Gesellschaft hat, hätte er möglicherweise für gut geheißen. Aber bei der Vergangenheit der Partei hätte er wohl seine Zweifel gehabt.

Wir wissen nicht, was sie gewählt hätten. Das kann uns auch egal sein. Jeder muss selbst entscheiden, wen und welche Inhalte er wählt. Was Jesus auf keinen Fall gut geheißen hätte, denke ich, ist aus reinem Trotz eine Partei zu wählen, um es "denen da oben mal zu zeigen" - wenn diese Partei eine Politik gegen Menschlichkeit und vor allem gegen die kleinen Leute vertritt.

Lassen wir uns nicht täuschen von Wahlversprechen. Hören wir gut hin und hören wir auf Verstand und Herz!

                                 Martin Bek-Baier

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