Trompeter
Ein Trompeter der Präsidentengarde Bulgariens verlieh der Zeremonie einen feierlicheren und offiziellen Charakter. Foto: Bek-Baier

Euphorische Verbündete

Warum liegen hier in Bulgarien besonders viele Bayern? Dazu muss man in der Geschichte etwas zurückgehen. Um die Umstände, die den Beitritt Bulgariens zu den Mittelmächten im Ersten Weltkrieg begleiteten zu verstehen, muss man einen Blick auf die Geschichte des Landes im 19. und frühen 20. Jahrhundert werfen. Nach vier Jahrhunderten Besetzung durch die Osmanen konnten sich die Bulgaren des Jochs Mitte des 19. Jahrhunderts mit Hilfe Russlands entledigen. Seitdem verband die beiden Zarenreiche ein fast brüderliches Band. Im ersten Balkankrieg hatten die Bulgaren zwar erhebliche Landgewinne verzeichnen können, aber diese im zweiten Balkankrieg wieder verloren. Der größte Teil der Region Makedonien war in der Folge an Griechenland  und an Serbien  gefallen.

Überdies hatte es Teile an Rumänien und das ­Osmanische Reich verloren. Diese Territorien galt es wiederzugewinnen. Deswegen schloss sich der Zar nach einigen Überlegungen den Mittelmächten an. Das Deutsche Reich erhoffte sich eine Landverbindung zum Verbündeten in Konstantinopel.

Die Verbindungen waren sogar verwandtschaftlich bedingt. Der bulgarische Zar Ferdinand I. stammte aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha. Seit 1875 war er über seine ältere Schwester familiär mit den Herzögen in Bayern verbunden. Als Bulgarien im Mai 1915 auf Seite der Mittelmächte in den Krieg eintrat, löste das in Deutschland eine wahre Bulgaren-Begeisterung aus. Zum einen erschien der Ring der Einkreisung durch die Feindmächte, den der Kriegseintritt Italiens gerade auch im Mai 1915 weiter geschlossen hatte, endgültig aufgebrochen. Zum anderen kam die Neugierde zum Zug, das Interesse für einen bislang eher unbekannten fernen Verbündeten. Auch wirtschaftliche Interessen mögen eine Rolle gespielt haben. So besaß Bayern relativ wenige Bodenschätze, Bulgarien ehr viel, wie die damals kriegswichtige Kohle.  

Die Zusammenarbeit war allerdings auch von Animositäten und Vorurteilen begleitet. Man liest von überheblichen deutschen Offizieren, die verächtlich auf die Bulgaren herabblickten und verärgerten Bündnispartnern. Man sah die deutschen Truppen und Stäbe als "Korsettstange für die bulgarischen Verbündeten. Es handelte sich mehr um eine Zweckgemeinschaft denn um ein echtes Miteinander, bei dem man sich blind aufeinander verlassen konnte, wie Augenzeugenberichte wissen lassen.  

Bayerische und bulgarische Truppen kämpften so in Serbien und Mazedonien drei Jahre lang Seite an Seite. Aus militärischer Sicht zunächst durchaus erfolgreich. Bis der Abzug größerer Truppenteile im Frühjahr 1918 vom Kriegsschauplatz im Südosten an die Westfront die Führungsrolle der Deutschen ins Wanken brachte. Die  Bulgaren wussten, dass sie bei einem großangelegten Angriff der Alliierten keinen ausreichenden Widerstand zu leisten vermochten. Die Kampfmoral sank. Man fühlte sich im Stich gelassen und in weiten Teilen der Bevölkerung, aber auch des Heeres wünschte man ein rasches Kriegsende. Das kam langsam, aber gewaltig.

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