Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 28.10.2018
Brücke

=> Andacht: Auf ihn kann ich mich verlassen

Geradezu vernichtend hört sich der Satz des Apostels Paulus an: "Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Ein wenig von der Wahrheit dieses Satzes kann ich ahnen, wenn ich mir all die Niederlagen vergegenwärtige, die ich auf dem Feld der guten Vorsätze erlitten habe. Aus dem Stückchen Schokolade wird dann schnell mal eine halbe Tafel. Die Nacht nicht zum Tag zu machen, will auch nicht gelingen. Meist um die Jahreswende weiß ich, jetzt wird alles anders. Es bleibt in der Regel beim Alten. Wenn es lediglich um die guten Vorsätze ginge, wäre das weiter zwar nicht befriedigend, jedoch auch nicht so furchtbar besorgniserregend. Paulus meint aber mehr. ...

(Römer 7,14-25a)

Inge Wollschläger

=> Zeit zum Zuhören

Der alte Mann sitzt vor mir. Jetzt, wo er alt ist, seine Frau vor einigen Jahren starb, sitzt er daheim "und schaut die Wand" an. Angehörige hat er nicht, die Nachbarschaft ist lose - man kennt sich, möchte sich aber nicht zu nahe kommen. Freunde hat er nicht. Seine Frau war Lebensmittelpunkt - damals. In der guten alten Zeit. Jetzt hat er scheinbar keinen mehr. Ob er in der "früheren, guten alten Zeit" Kirchgänger und Christ war? Ich weiß es nicht. Aber er rief im Pfarramt an, weil er sprechen wollte. All das, was auf seiner Seele brannte, wollte er nicht der Wand, sondern einem Menschen aus Fleisch und Blut erzählen. ...

Jutta Jäger

=> ''Anders sehen'' mit neuen Perspektiven

Es ist das alte Kinderspiel: Bilderraten, wenn nur ein Detail zu sehen ist. Dies dann aber stark vergrößert. Und was verbirgt sich hinter diesem Muster? Wirklich eine Orange oder eher ein Kürbis? Die Farbe hilft dann auch nicht unbedingt weiter. Der Aha-Effekt motiviert aber zum Weitermachen. Es ist aber auch ein altes Problem für Menschen, deren Sehschärfe deutlich abgenommen hat: Mit Lupe, Leuchttafeln oder Lesegeräten auf dem Bildschirm müssen sie ihre Umwelt so stark vergrößern, dass sie teils nur noch Details wahrnehmen können. Für sie ist es längst kein Spiel mehr. Nein, es ist mühsames Alltagsgeschäft, sich so seine Umwelt ein wenig zu erschließen. ...

Konradin

=> Lichtgestalt ohne Chance zu Untaten

Er ist der kindliche König, der tragische, aber strahlende Held. Der Märtyrer und bald darauf Nationalheld - der letzte Staufer Konradin. Gerade einmal 16 Jahre war der Enkel Friedrichs II., des einstigen "Wunders der Welt", als er am 29. Oktober 1268 in Neapel hingerichtet wurde. Vor genau 750 Jahren ging mit dem "kleinen Konrad" die Dynastie der Staufer unter. Das konnte doch nicht alles gewesen sein! So dachten die Zeitgenossen. Ein Schmied aus Ochsenfurt trat bald darauf als falscher Konradin auf, wie eine Chronik berichtet. Der kindliche Held verschwand hinter allen Erwartungen, denen er ausgesetzt war. Schließlich herrschte nun "die kaiserlose, die schreckliche Zeit" ...