Lichtgestalt ohne Chance zu Untaten

Konradin

Lebenslinien in Gottes Hand: Konradin, der letzte regierende Staufer, starb vor 750 Jahren

Er ist der kindliche König, der tragische, aber strahlende Held. Der Märtyrer und bald darauf Nationalheld - der letzte Staufer Konradin. Gerade einmal 16 Jahre war der Enkel Friedrichs II., des einstigen "Wunders der Welt", als er am 29. Oktober 1268 in Neapel hingerichtet wurde. Vor genau 750 Jahren ging mit dem "kleinen Konrad" die Dynastie der Staufer unter.

Das konnte doch nicht alles gewesen sein! So dachten die Zeitgenossen. Ein Schmied aus Ochsenfurt trat bald darauf als falscher Konradin auf, wie eine Chronik berichtet. Der kindliche Held verschwand hinter allen Erwartungen, denen er ausgesetzt war.

Schließlich herrschte nun "die kaiserlose, die schreckliche Zeit", bis Rudolf von der Habichtsburg die herumliegende Macht aufhob. Doch blieb noch lange eine verklärende Sehnsucht der Staufer-Anhänger nach dem friedensbringenden Endkaiser erhalten. Konradin mit seinem tragischen Schicksal eignete sich da ebenso gut wie sein Großvater, Friedrich II. Oder dessen Großvater Friedrich Barbarossa, der bald im Kyffhäuser schlafen und erst erwachen sollte, wenn Deutschland in seiner größten Not sei. Konradin war zudem der lichte Held, das unschuldige Opfer des finsteren Karls von Anjou - zumal der ein französischer Prinz war. Vergessen wurde: Konradin hatte seinerseits Karls Marschall hinrichten lassen.

Was und wer steckt dahinter? Konradin hatte gerade seinen zweiten Geburtstag gefeiert, als sein Vater Konrad IV. am 21. Mai 1254 starb. Die beiden hatten sich niemals kennen gelernt. Denn das Stauferreich bestand aus zwei Teilen: Sizilien (und Süditalien) sowie nördlich der Alpen die deutschsprachigen Gebiete mit Schwaben als besonderen Herrschaftsschwerpunkt.

Die Vormundschaft über den kleinen Erben hatte unter anderem Herzog Ludwig II. von Bayern inne. ­Konradins italienische Gebiete verwaltete der Onkel Manfred. Er griff aber bald selbst nach der Macht dort.

Nachdem er im nordalpinen Reichsteil allen Rückhalt verloren hatte, konzentrierte sich Konradin auf die staufischen Gebiete in Italien. Dort hatte Karl von Anjou 1266 schon Manfred besiegt. Mit 15 Jahren zog Konradin im Spätsommer 1267 nach Italien. Klingt unver­antwortlich. Doch Opa Friedrich II. (* 1194), selbst mit vier Jahren Vollwaise, war selbst mit 17 Jahren umgekehrt von Sizilien in den nordalpinen Reichtsteil aufgebrochen - erfolgreich.

Welches Erbe trat er an?

Noch vor seinem Aufbruch aus Sizilien hatte Friedrich II. mit 16 Jahren einen ersten Sohn bekommen: Heinrich. Mit neun Jahren wurde dieser 1220 nach Frankfurt gebracht und dort zum König ausgerufen, während Friedrich II. selbst wieder nach Sizilien zurückkehrte. 1235 kam es zu einem unüberbrückbaren Konflikt zwischen Vater und Sohn. Heinrich musste sich unterwerfen und wurde vom eigenen Vater gefangen gesetzt, bis er fast sieben Jahre später starb. Zuvor hatte Heinrich zwar selbst zwei Söhne bekommen. Sie starben aber vor 1251, ohne weitere Spuren in unserer Geschichte hinterlassen zu haben.

Nun, 1235, baute Friedrich seinen zweiten Sohn Konrad zum Nachfolger auf, der 1228 das Licht der Welt erblickt hatte. 1250, beim Tod seines Vaters, konnte er zumindest als Erwachsener die Nachfolge seines Vaters antreten. Nach schwierigen Anfängen gelang es Konrad IV., seine Stellung zumindest in Süditalien zu festigen.

Die effektive Verwaltung dort, die Friedrich II. geschaffen hatte, funktionierte weiter. Doch 1254 starb Konrad plötzlich - vielleicht an Fieber, vielleicht an Gift.
Manfred wiederum erblickte 1232 als außerehelicher Sohn Friedrichs II. das Licht der Welt. Erst auf dem Sterbebett, also 1250, hatte der Vater seine Mutter geheiratet. Das Verhältnis zwischen den Halbbrüdern war offenbar gespannt. Manfred soll dem übermächtigen Vater von dessen Söhnen am ähnlichsten gewesen sein. Er verwaltete den italienischen Reichsteil bis 1251 und nach 1254 bis er 1266 gegen Karl von Anjou fiel.

Unmögliche Perspektiven

Dann kam Konradin in den Süden. Allerdings ging auch dieser Plan gegen die Interessen des Papstes. Kaum etwas fürchteten die Päste mehr als den Zangengriff durch die Staufer, deren Erbe sowohl in Süddeutschland als auch Süditalien lag. Auch finanziell stand das Unternehmen unter keinem guten Stern. In Verona ging Konradin das Geld aus. Ludwig II., der Herzog von Bayern, und andere nutzten die Gunst der Stunde. Sie verweigerten dem Teenager ihre weitere Hilfe, so lange dieser seine Schulden nicht zurückzahlte.

Trotzdem zog Konradin mit seinem Heer nach Süden. Am 23. August 1268 kam es dann zur Schlacht  mit den Truppen Karls I. von Anjou: Dieser siegte auf ganzer Linie. Konradin floh zuerst, wurde dann aber ergriffen und an Karl ausgeliefert. Dieser ließ Konradin am 29. Oktober 1268 in Neapel enthaupten.

Der Rest war finster. Die Zeit der Staufer war nun vorbei. Nur Enzio (1215-1272), ein außerehelicher  Sohn Friedrichs II., lebte noch, wurde jedoch seit 1249 bis zum Tod in Bologna gefangen gehalten. Die Söhne König Manfreds von Sizilien starben im Kerker Karls von Anjou oder auf der Flucht. Als Letzter starb Manfreds Sohn Heinrich 1318 im Kerker in Sizilien.

Das Nachleben

Konradins Scheitern beflügelte bald die Fantasie der Menschen. So beschrieb Johannes von Winterthur, dass ein Adler bei Konradins Hinrichtung dessen Blut an seinen rechten Flügeln gen Himmel trug. Niemand weiß so, wie fähig er wirklich gewesen wäre. Dann lieber die aktuellen politischen Dramen!

Das 19. Jahrhundert deutete die Bemühungen Konradins stramm national. 1833 folgte der damalige Kronprinz und spätere König Maximilian II. von Bayern diesem Beispiel. Hatte nicht einst ein Wittelsbacher die Vormundschaft über den kleinen Konrad inne gehabt? Und ihn übrigens auch nach seinem Untergang großzügig beerbt. Sei es drum, Maximilian ließ in Rom eine überlebensgroße Konradinskulptur aufstellen - und dessen Gebeine dort zur letzten Ruhe betten.

Mit seinem tragischen Schicksal hat der letzte Staufer zu unzähligen Dramen und Gedichten seit dem 18. Jahrhundert inspiriert - angefangen mit Friedrich Schiller. Trotzdem: Besser war es wohl, kein kleiner Staufer zu sein - übermenschliche Erwartungen und böse Widersacher ließen ihr Leben schnell verglühen. Der Schmied von Ochsenfurt zeigt, wie sich unerfüllte Hoffnungen von einem "goldenen Zeitalter" in einem solchen Kind, das aus dem Dunkel kam und dessen Leben schnell verglühte, kristallisieren.

                       Susanne Borée

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