Das Richtige tun

Brücke
Foto: Bek-Baier

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben werden ihr Urteil empfangen. Denn die Gewalt haben, muss man nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

                     Römer 13,1­-7

Da habe ich nun meine Kreuzchen gemacht. Erst per Post für die Kirchenvorstandswahl, dann in meinem Wahllokal für die Wahl zum Landtag und Bezirkstag. Manche Wahlentscheidung fiel mir schwer. Aber trotzdem: nicht wählen, kommt nicht in Frage. Wählen ist gelebte Demokratie. Bei Paulus war die kirchliche und politische Welt eine völlig andere. Die ersten Christengemeinden sind eine schnell wachsende, aber kleine Minderheit am Rande der Gesellschaft und haben ihre großen und kleinen Probleme, auf die Paulus versucht Antworten zu geben. Die Gläubigen erwarten die baldige Wiederkunft Christi - da ist das Weltliche nicht mehr so wichtig. Und trotzdem wird die Frage nach dem konkreten Umgang mit den Vertretern der römischen Staatsmacht laut. Sollen wir dieses weltliche Regiment anerkennen? Ja, schreibt Paulus. Und wählt doch Worte, die im Laufe der Jahrhunderte so viel Unheil angerichtet haben. "Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes An­ordnung." Vielleicht konnte mit ­diesen Versen aus dem Römerbrief deshalb so viel Schindluder getrieben werden, weil biblische Worte aus dem Zusammenhang gerissen selten als Wegweiser für unser Handeln dienen können. Hilfreich ist es, den Text zu erweitern. "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten." lesen wir im Vers davor und danach: "Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz ­erfüllt." Da kommen plötzlich völlig andere Töne zum Vorschein. Handeln in Gottes Geist muss sich auch an Menschenfreundlichkeit, Gerechtigkeit und dem Umgang mit der Schöpfung messen lassen. Ob Gewählte in Kirchengremien und politischen Ämtern oder Wählerinnen und Wähler - das spielt dann keine Rolle. 

                  Siglinde Meyer ist Religionspädagogin im Schuldienst

Gebet:

Gott, wie schwer fällt es mir oft, dein Gesetz der Liebe zu erfüllen
und das Böse mit dem Guten zu überwinden. In meinen Mühen bin ich aber nicht allein. Du willst mir Kraftquelle sein. Darauf will ich vertrauen. Amen.

Lied 295:

Wohl denen, die da wandeln

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