Alles gut! - Alles gut?

Prager Nationalmuseum
Der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses Joachim Pietzcker, Oberkirchenrat Erich Theodor Barzen als Leiter der Finanzabteilung und der für Kirchensteuer zuständige Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner (v.l.). Foto: Bek-Baier

Herbstsynode der Landeskirche beschäftigt sich mit Finanzen und dem Reformprozess

Garmisch-Partenkirchen. "Finanziell gesehen befinden wir uns auf einem hohen Berg", sagt Norbert Roth, Mitglied des Landessynodalausschusses in seinem Rechenschaftsbericht. Inmitten der Berge, die Garmisch-Partenkirchen umgeben, wurde auf der Herbsttagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gern auf einen Vergleich mit Bergen zurückgegriffen. Allerdings wisse niemand in der Kirche, ob der Gipfel schon erreicht ist, oder ob es noch höher hinaufgeht, sagte Pfarrer Roth. Im Landessynodalausschuss führen 15 ordinierte und nicht-ordinierte Mitglieder die Geschäfte der Synode zwischen den Tagungen. Insgesamt ginge es der Kirche finanziell gut - wenn das auch sicher nicht für alle Kirchengemeinden, Einrichtungen und kirchliche Gestaltungsebenen gelte, so Roth. Die Herbstsynode befasst sich traditionell mit den Finanzen der Kirche.

Man müsse aber auch den Fragen der Zeit entgegentreten, etwa der, warum evangelische Inhalte in unserer Gesellschaft ihre prägende Kraft verlieren würde. Und wie man dem entgegentreten kann. Der Zukunftsprozess "Profil und Konzentration" (PuK) stünde daher im Hintergrund jedes kirchenleitenden Handelns.

Ein Ergebnis des letzten Jahres, das Roth herausstellte, sei die Änderung der Finanzausgleichsverordnung. Künftig werden Gemeinden belohnt, die verbindlich mit anderen Gemeinden Kooperationen eingehen. Das könne beispielsweise eine Bildung eines gemeinsamen Kirchenvorstandes sein oder ein gemeinsamer Haushaltsplan.

Auch die Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel ging in ihrer Eröffnungsansprache auf den Reformprozess PuK ein. Warum braucht es den Prozess? Es sei doch vieles gut in der Kirche, wenn nicht alles? So fragte sie.

"Die Kassen sind gut gefüllt. Die Kirche wird’s auch dann noch geben, wenn die fetten volkskirchlichen Jahre einmal zu Ende gehen sollten", sagte die Synodalpräsidentin vor der Synode. Die gute Wahlbeteiligung bei den Kirchengemeindewahlen von jungen Menschen spräche auch dafür, dass die Kirche Zukunft habe. Auch das sei gut.

Der Kirchenentwicklungsprozess PuK liefe gut. Sie kündigte den Bericht der Puk-Teams im Laufe der Synode an (Bericht folgt in der kommenden Ausgabe). PuK setze Kreativität frei, ermutige über die Zukunft nachzudenken und PuK stehe für Teamgeist und Miteinander in der Kirche. "Die Kirche wird sich erneuern und zwar so, dass wir das Beste aus der Vergangenheit mit in die Zukunft nehmen", sagte die Präsidentin.

Also alles gut? Dann übte Preidel Kritik an der "Alles-gut-Mentalität" der Gesellschaft. Das Modewort würde als Floskel missbraucht. So, als habe der Mensch alles in der Hand. Als könne mit den Segnungen der Technik und nicht zuletzt dem Internet alles zum Guten wenden, was vielleicht doch nicht so gut sei. Puk würde zeigen, was nicht nur in der Kirche, sondern auch in dieser Gesellschaft nötig ist: Ausdauernd bleiben, nüchtern und differenziert auf die Dinge schauen, an Visionen festhalten und vor allem mit Gottes Geist rechnen. Er sei derjenige, der wirklich alles gut machen könne.

"Es ist unsere Aufgabe, für Menschen in ihrem Leid und ihrer Freude umfassend dazusein", sagte Landesbischof Heinrich Bedford Strohm. Er erinnerte anhand von Themen wie die Erinnerungskultur, dem Umgang mit sexualisierter Gewalt, der neuen Doppik für Kirchengemeinden und theologischen Grundsatzgedanken, an den Sinn kirchlichen Handelns: für Menschen dazusein und ihnen die frohe Botschaft zu vermitteln. In allen diesen Bereichen würden die Grundsätze von PuK helfen die Zukunft der Kirche auf dieses Ziel hin auszurichten.

"Disziplin in guten Jahren" sei die Überschrift, die über dem diesjährigen Finanzbericht stünde. So sagte der Leiter der Finanzabteilung, Oberkirchenrat Erich Theodor Barzen. Die Landeskirche habe frühzeitig damit begonnen, langfristige Trends zu beachten, wie den Saldo aus Ein- und Austritten, die demografische Entwicklung und die Konjunktur, die immer in Zyklen verlaufe. Die aktuellen guten Erträge ermöglichten der Kirche dies ohne Hast zu tun.

Das Jahr 2017, so Barzen, verlief in wirtschaftlicher Hinsicht besser als geplant. Die Erträge lagen bei 944 Millionen Euro, das sind 4,5 Prozent über den Aufwendung von 904 Millionen Euro. Von diesem Jahresergebnis rechnet Barzen 17 Millionen dem periodischen Bereich zu. Also den Fakten, die dem vergangenen Jahr wirtschaftlich zuzurechnen sind. 23 Millionen rechnet er dem aperiodischen Bereich zu: Das sind Fakten, die aus der Vergangenheit oder periodenübergreifend sind.
Barzen erwartet dieses Jahr Mehrerträge gegenüber der Planung von 23,5 Millionen Euro. "Wir erwarten Steuermehrerträge von 45 Millionen Euro", sagte Barzen.

Der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses Joachim Pietzcker verkündete am Rand der Synode vor Pressevertretern, wie 15 Millionen Euro dieser Mehrerträge in diesem Jahr eingesetzt werden: Die Gemeinden erhalten zehn Millionen. Fünf Millionen davon werden über Schlüsselzuweisungen etwa für Kindergottesdienst, Konfi-Camps, Kirchenmusik oder Kindergärten verteilt. Die anderen fünf Millionen sind für gemeindliche Bauprojekte gedacht. Mit drei Millionen Euro, so Pietzker, wird die Pflege bezuschusst. Es werden die seelsorgerlichen Kompetenzen von Pflegekräften gestärkt, die Integration ausländischer Pflegekräfte begleitet und die "Evangelische Stiftung Hospiz" unterstützt. Die restlichen zwei Millionen Euro fließen in Integrationsprojekte mit Flüchtlingen und in die Fluchtursachenbekämpfung. Pietzker führte näher aus, dass dies 1,25 Millionen Euro seien, die man im Ost-Irak für Kindergärten, Schulen und Häuser investiere. Ferner baue man Dörfer in der Ninive-Ebene wieder auf und man unterstützt die Flüchtlingsarbeit im Kongo.

Der für die Kirchensteuer zuständige Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner kündigte eine Änderung bei der Kirchensteuer an. "Die Spannung, die durch das ,Besondere Kirchgeld’ entsteht, ist geeignet ­einen einfachen Zugang zur liebe Gottes zu eröffnen", sagte Hübner. Dahinter steht das 2004 ein­geführte "Besondere Kirchgeld", das nicht mit dem allgemeinen Kirchgeld verwechselt werden ­dürfe. Vor 14 Jahren reagierte man damit auf Kirchenaustritte wohl­habender Kirchensteuerpflichtiger, so Hübner. Diese wollten jedoch ihre Familien im Genuss kirchlicher Leistungen lassen. Etwa 30.000 Kirchenmitglieder sind von diesem "Besonderen Kirchgeld" betroffen. Da dies zu Beschwerden, Verärgerung und Kirchenaustritten geführt habe, wolle man es nun wieder abschaffen.

                        Martin Bek-Baier

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