Begnadeter Leiter und Lehrer, I

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Benno Baumbauer zeigt im Albrecht-Dürer-Haus die Nürnberg-Ansicht der Schedel‘schen Weltchronik von Wolgemut. Foto: Borée
Benno Baumbauer zeigt im Albrecht-Dürer-Haus die Nürnberg-Ansicht der Schedel‘schen Weltchronik von Wolgemut. Foto: Borée

Neun Ausstellungsorte in und um Nürnberg feiern Maler Wolgemut zum 500. Todestag

Sie bestellten einen Wolgemut und bekamen einen Grünewald: also viel wertvoller als erwartet. Die Gemeinde Bindlach gab diesen Altar von 1503 später nach Lindenhardt weiter, nachdem die Kirche dort von einem Brand heimgesucht worden war. Erst 1926 erkannte der Kunsthistoriker Karl Sitzmann seinen wahren Wert. Allerdings schuf Grünewald seinen Lindenhardter Altar nachweislich mit Werkzeugen, die sich der Wolgemut-Werkstatt zuordnen lassen. Grünewald muss also in jungen Jahren um 1503 enge Verbindung zu Wolgemut gehabt oder bei ihm gearbeitet haben.

Bei wem? Einem größeren Publikum bekannt war bisher am ehesten das Altersbildnis von Wolgemut, das sein Schüler Albrecht Dürer malte (ganz rechts). Er lernte dort sein Handwerk. Wolgemuts Stärke war die Effizienz. Davon ist Markus Huber vom Germanischen Nationalmuseum überzeugt. Der Historiker und Leiter der „Sammlung Bauteile und historisches Bauwesen sowie Skulptur bis 1800“ hat dort die Wolgemut-Ausstellung mit vorbereitet.

„Mehr als Dürers Lehrer“ – so betiteln die Nürnberger Museen und Kirchen sowie die Stadtkirche Schwabach ihre Wolgemut-Ausstellung zum 500. Todestag des Meisters. Nun ja, fast: Sie eröffnete knapp drei Wochen nach diesem Gedenktag, dem 30. November. Denn gerade die Nürnberger Kirchen fühlten sich in der Adventszeit schon von den üblichen Besucherströmen sehr gefordert. So Huber und sein Kollege Benno Baumbauer vom Albrecht-Dürer-Museum. Doch auch nach dem Christkindlesmarkt spricht alles für eine große Resonanz der Schau. Die enge Verbindung zu den großen Schülern trägt. Schon die Eröffnung am 19. Dezember musste in die weiträumige St.-Sebald-Kirche verlegt werden.

In Schwabach sowie in den Nürnberger Gotteshäusern St. Lorenz, St. Sebald, St. Jakob, in der Frauen- und Friedenskirche finden sich Werke von Wolgemut. Sie beteiligen sich alle an der übergreifenden Schau – genauso wie das Albrecht-Dürer-Haus, das Germanische Nationalmuseum und das Museum Tucherschloss in Nürnberg. Sie geht bis zum 22. März. So viele Orte wie noch nie arbeiten hier eng zusammen und lassen sich so mit ganz neuen Blicken wahrnehmen. Doch auch auf dem Land hat Wolgemut seine Spuren hinterlassen – etwa in Beerbach, Ickelheim, Windelsbach oder Götteldorf.

Wer also war Michael Wolgemut (* 1434/7)? Interessenten, die nach 1479 Tafelgemälde und Altäre, Glasfenster oder anspruchsvolle Druckgrafik benötigten, waren bei Wolgemut gut aufgehoben. Damals hatte der Künstler die Werkstatt seines Lehrers Hans Pleydenwurff übernommen und bald die Witwe Barbara geheiratet. So konnte er auf viele Skizzen und Hilfsmittel seines Vorgängers zurückgreifen – und wohl auf viele Kontakte. Viele Arbeitsskizzen von Pleydenwurff sind im Albrecht-Dürer-Haus zu sehen. Wolgemut hatte sie weiter verwendet.

=> Zum zweiten Teil: Zuverlässige Teamarbeit