Fasten als Verzicht?

130
Einführung des Hofer Fastentickets
Außenaufnahme vor der Hofer Marienkirche zum Fastenticket: Stadtwerk-Geschäftsführer Jean Petrahn, Dekan Günter Saalfrank, Klimaschutz-Managerin Ute Fischer, HofBus-Leiterin Sandra Lehmann, Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner, Pfarrer Hans-Christian Glas und Pfarrer Andreas Seliger (von links nach rechts). Foto: Privat

Klimafasten verbindet christliches Innehalten und Verantwortung für die Schöpfung

Die Zimmertemperatur um ein Grad senken – ist das nicht ungemütlich? Ganz im Gegenteil, so vermittelt es die Klimafasten-Broschüre. Mit der Strickjacke oder dem Lieblings-Pullover könne man sich gerade dann so richtig gemütlich aufs Sofa kuscheln. Wer am „Klimafasten“ teilnimmt , kann dies bereits in der zweiten Woche der Passionszeit ausprobieren.

Neben vielen bekannten Fastenaktionen steht in diesem Jahr 2020 das „Klimafasten“. In einer Broschüre und im Internet geben die Initiatoren Anregungen für Schwerpunkte in den sieben Passionswochen. Ökumenisch ist es ausgerichtet. Elf evangelische Landeskirchen unterstützen sie, genauso wie vier katholische Diözesen. Gerade in Norddeutschland sind sie beheimatet, aber auch in Württemberg.

Das Logo der bayerischen evangelischen Landeskirche findet sich dort nicht. Doch empfiehlt Kirchenrat Wolfgang Schürger, der landeskirchliche Beauftragte für Klima- und Umweltverantwortung in München, ausdrücklich die Teilnahme. Im Gespräch mit dem „Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern“ wies er darauf hin, wie unterstützenswert die Aktion sei. Doch kümmere er sich schon seit 2018 mit seiner kleinen Abteilung um das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ für direkte Maßnahmen in Gemeinden.

Auch viele Anfragen aus bayerischen Gemeinden erreichten Maria Karnagel, Referentin für Umwelt- und Klimaschutz in Hannover, die die Aktion koordiniert. Deutschlandweit hat sie bereits zwei Wochen vor Aschermittwoch 54.000 Broschüren zum Klimafasten versandt. Auf der Homepage www.klimafasten.de, auf der sich Ideen dazu kostenfrei im pdf-Format herunterladen lassen, würden sich täglich um die tausend Personen tummeln. Hinzu kommen viele Kontakte über Social Media.

Klimafreundlich mobil sein

Manche Regionen in Bayern handeln bereits. In Hof etwa bietet eine gemeinsame Aktion von Kirchen und Kommune das „HofBus-Fastenticket“ an. Es ist dort von Aschermittwoch bis Karsamstag (also vom 26. Februar bis 11. April) gültig und mit dem Preis zu 50 Euro um 16 Euro billiger als der Normalpreis. Außerdem werde kirchlichen Mitarbeitenden im Hofer Dekanat und Kirchengemeindeamt noch ein Zuschuss von 15 Euro für das Fastenticket gewährt, so Dekan Günter Saalfrank. Er wünscht sich, dass auch die Pfarreien dem Beispiel folgen könnten.

Die örtlichen Stadtwerke betonen: Das Ticket gllt für das gesamte Stadtgebiet Hof, ist tageszeitlich unabhängig und übertragbar. Neben den üblichen Verkaufsstellen ist es auch bei den Pfarrämtern verfügbar. Außerdem ist es am Sonntag, 23. Februar, im Anschluss an die Gottesdienste in Hofer Kirchen erhältlich.

Mit dem Schnupperangebot haben die Stadtwerke Hof eine Initiative der beiden großen Kirchen in der Stadt aufgegriffen. So verwies Hofs evangelischer Dekan Günter Saalfrank auf die Bedeutung der Passions- und Fastenzeit als Zeit des Innehaltens und des Nachdenkens.
Mit dem Projekt beteiligt sich die Stadt Hof an der diesjährigen Aktion zum „Klimafasten“ in der Metropolregion Nürnberg. Den Bürgern der Metropolregion Nürnberg wurde bereits in der Passionszeit 2019 täglich im Internet eine Aufgabe gestellt, wie sie in ihrem ganz persönlichen Umfeld etwas gegen den Klimawandel tun können. Die Klimamanger der Metropolregion hatten gemeinsam 40 Herausforderungen für jeden Tag der Passionszeit erarbeitet. Da sollen die Teilnehmenden ihre Heizung entlüften, ihr Fahrrad durchchecken, aber auch mal Sachen tauschen.

Ende 2019 erhielt die Region dafür den Preis „Klimaaktive Kommune“. Die Aktion ist auch in diesem Jahr unter https://co2fasten.wordpress.com abrufbar. Nachahmen ist ausdrücklich erwünscht. Mit dem Preisgeld von 25.000 Euro startet die Aktion 2021 in einem professionelleren Gewand wieder voll durch. Geplant ist etwa eine App.

Fasten als Gewinn

Das kirchliche Klimafasten, das bereits ins sechste Jahr geht, steht jede Woche unter einem Thema wie „Lebensmittelretten“ oder plastikfrei Leben. „Es gehe nicht um moralische Appelle oder Verzicht, sondern darum, das eigene Leben zu entrümpeln“, so die Veranstalter.
Zunächst beginnt sie damit, dass die Teilnehmenden den wöchentlichen Fußabdruck berechnen sollen. Links zu verschiedenen Online-Rätseln für Kinder, Jugendliche und Erwachsene fördern das Nachdenken über Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels. Sie lassen sich im stillen Kämmerlein oder im Familienkreis durchführen – oder beim Treffen der Fastengruppen. Diese können im Idealfall während der Passionszeit wöchentlich zusammenkommen oder sich gar mit den örtlichen Initiativen vernetzen.

Dann folgt die zweite Woche zum Thema „Energiesparen“: Da gibt es noch mehr Ideen: etwa eine Powerbank mit Solarmodul selbst zu basteln oder Ideen rund um Solarmodule auszustellen. Allerdings braucht es schon einige technische oder physikalische Kenntnisse.
Weiter geht es mit Aktionen zum Lebensmittelretten und um nachhaltigen Umgang mit Technik: Wie oft wechsle ich meine technischen Geräte oder gar mein Smartphone?
Bereit zur schonenden Mobilität werden die Teilnehmenden dann in der fünften Fastenwoche: Entfernungen unter drei Kilometern lassen sich sowieso am schnellsten per Fahrrad überbrücken – da die Parkplatzsuche wegfällt. Oder wenn es das Auto sein muss – halte ich mich an das freiwillige Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen? Wie lässt sich gar ein Urlaub klima­freundlich gestalten?

Für plastikfreie Ideen sorgt die sechste Woche. Neben dem sorgsamen Umgang mit Müll gibt es Impulse über die eigenständige und plastikfreie Zusammenstellung von Zahncreme oder Deospray. Schließlich gibt es noch einen Rückblick auf die Veränderungen, die erreicht wurden. Also insgesamt eine runde Sache.

Das Integrierte Klimaschutzkonzept stellt Kirchenrat Schürger noch einmal am Samstag, 14. März ab 9.30 Uhr in Zusammenarbeit mit der Stadtakademie im Nürnberger eckstein vor. Der Studientag richtet sich gerade an Haupt- und Ehrenamtliche, die Klimaschutzprojekte in ihren Gemeinden in Angriff nehmen wollen. Mehr Infos und Anmeldung unter Tel. 0911/214-2121 oder online: www.evangelische-stadtakademie-nuernberg.de