Wir sind für Sie da!

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Auch dieser Familie konnte die Landwirtschaftliche Familienberatung der Landeskirche, mit Sitz auf dem Hesselberg helfen.Foto: Hesselberg

 

 

Landwirtschaftliche Familienberatung begleitet nicht nur in Notlagen

In der neuen Serie „Mitten im Leben – Seelsorge und Beratung“ stellen wir je einen Bereich der Seelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern vor.

Für viele Bäuerinnen und Bauern bietet das Erntedankfest in diesem Herbst nicht nur Grund zur Dankbarkeit. Neben Trockenzeiten hatten die Bäuerinnen und Bauern in Teilen Bayerns mit hohen Niederschlägen zu kämpfen, die die Ernte beeinträchtigt haben. Zu diesen Sorgen gesellen sich die hohen Belastungen durch vermehrte bürokratische Auflagen, der Druck durch den zunehmenden Klimawandel und das schwindende Ansehen in der Bevölkerung. All diese Faktoren führen dazu, dass der eigentlich erfüllende und sinnstiftende Beruf für viele zum Krafträuber geworden ist. Viele Bäuerinnen und Bauern leiden unter psychischen Belastungen durch wachsende Anforderungen. 

Am Abgrund? Rufen Sie an!

Seit 28 Jahren gibt es die Landwirtschaftliche Familienberatung unserer Landeskirche, die Bäuerinnen und Bauern in schwierigen Zeiten oder vor großen Entscheidungen begleitet. Das sind oft Überlegungen vor großen Investitionen und Sorgen vor zu hohen finanziellen Belastungen, die die Bäuerinnen und Bauern umtreiben. In vielen Fällen kann die Beratung hier Not abwenden und helfen.

„Wenn Sie damals nicht gewesen wären, dann wären meine Familie und ich auf der Straße gestanden“, erzählt eine betroffene Bäuerin, die nicht genannt werden möchte. „Mein Mann hatte sich verkalkuliert, hatte unseren Betrieb verschuldet und sich mit seinen Eltern und Geschwistern zerstritten“, erzählt sie weiter. Anstatt gegen die drohende Insolvenz anzukämpfen, wurde er immer lethargischer, schrieb keine Rechnungen mehr und fing an zu trinken. 

Es kam, wie es kommen musste: Die Bank drehte der Familie den Geldhahn zu, die Gläubiger gingen vor Gericht, und am Ende stand die Zwangsversteigerung an. „Ich wusste mir keinen Rat mehr. Zum Glück habe ich damals bei der Landwirtschaftlichen Familienberatung angerufen.“ Auf deren Flugblatt wird genau dazu geraten: „Rufen Sie an, wenn Ihnen ,alles‘ zu viel wird, Streit Sie belastet, Sie neue betriebliche Lösungen entwickeln wollen oder wenn Sie jemanden zum Reden brauchen.“ 

Ab dem Moment, als die Beraterinnen und Berater der Familienhilfe eingeschaltet waren, kam die Wende und die Hoffnung kehrte auf den Hof zurück, erzählt die Bäuerin: „Sie haben es erreicht, dass die Familie wieder miteinander geredet hat, haben uns zur Bank und zu Ämtern begleitet und mitgeholfen, dass die Zwangsversteigerung abgewendet werden konnte.“ Durch den Beistand ist der Ehemann über seinen Schatten gesprungen, hat einen Acker verkauft, notwendige Umstrukturierungen vorgenommen, die ausstehenden Mieten für die Lagerhalle eingefordert und seine Pachtverträge neu geregelt. „Ich bin so glücklich, dass wir immer noch auf unserem wunderschönen Hof leben können, der zu einem Schmuckstück in unserem Dorf geworden ist. Und mein Mann ist nicht zum Trinker geworden!“, sagt heute die Bäuerin erleichtert. „Gott sei Dank. Ich bin so froh, dass es die Familienberatung gibt!“ 

Generationenkonflikte

In den letzten Jahren sind die Konflikte zwischen den Generationen, die hohen Belastungen, die die Herausforderungen eines Familienbetriebes mit sich bringen und dadurch Burn-out mehr geworden. All das kann in der Beratung angesprochen werden. Auch hier bietet die Landwirtschaftliche Familienberatung Unterstützung und Begleitung an. Das  kann zur Rettung des landwirtschaftlichen Betriebes beitragen: „Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein! Ich kann so nicht mehr weitermachen, ständig das Gebrüll mit meinem Sohn!“, berichtet ein Bauer. „Ich hab‘ schon gar keine Lust mehr in den Stall zu gehen oder mich auf meinem eigenen Betrieb frei zu bewegen! Ich weiß nicht, was mit meinem Sohn los ist“, so der Senior ratlos. Ihn beschlich das Gefühl, dass dem Sohn alles zu viel wird. 

Und dabei hatte alles so gut angefangen. „Ich hatte mich so gefreut, als er sich damals bereit erklärt hatte, den Betrieb zu übernehmen. Wir haben die Übergabe geregelt, und ich habe ihm meine Unterstützung für die Zukunft zugesagt.“ Es schien alles perfekt. „Er hat eine tolle Frau, die auch Landwirtschaft gelernt hat und fleißig im Betrieb mitarbeitet“. Und dann kam alles anders: Der Sohn legte eine ständige Unzufriedenheit und Aggressivität an den Tag. „Das wird auch seine Frau nicht mehr lange mitmachen“, befürchtete der Senior. „In meiner Not habe ich damals bei der Landwirtschaftlichen Familienberatung angerufen.

Gemeinsam am Tisch

„Dann saßen wir alle an einem Tisch, und wir konnten seit langem zum ersten Mal wieder vernünftig miteinander reden“ erinnert sich der Bauer. Es folgten schwierige Gespräche und am Ende stand der Beschluss, dass die Senioren ausziehen würden. „Das war eine schwere Entscheidung für mich. Meiner Frau fiel es leichter. Wahrscheinlich war sie letztendlich dann auch die treibende Kraft.“ Doch im Nachhinein war er froh, „dass wir damals dran geblieben sind, und dass die Berater so viel Geduld mit uns hatten.“ Die Entscheidung war richtig. „Mein Sohn kümmert sich hervorragend um den Betrieb. Und ich merke, dass er und seine Frau sich auch wieder viel besser verstehen.“ evso

Kontakt: Landwirtschaftliche Familienberatung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Pfarrer Walter Engeler, Hesselbergstr. 26, 91726 Gerolfingen, Tel.: 09854/1036, E-Mail: lfb@ebz-hesselberg.de, https://www.lfb-bauernnotruf.de

Weiterführende Informationen: 

https://handlungsfelder.bayern-evangelisch.de/handlungsfeld4.php, www.evangelisches-sonntagsblatt.de, www.sonntagsblatt.de