Kraftquelle „Erinnerungs-Pausen“ bewahren

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Kraft von Ruhe und Geduld

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Römer 5,1–5

Wir waren damals 16 oder so, als wir das Pause-Wort für uns entdeckten … Immer wenn ein Moment so schön war, dass wir die Zeit anhalten wollten, wurde das Zauberwort gesagt. Und wenn wir dann die Augen schlossen und uns ganz fest vorstellten, dass die Zeit stehen bleibt, hat es auch ein bisschen funktioniert.“, so Caroline Wahl in ihrem Roman „22 Bahnen“. 

Erzählt wird dort von der Hauptfigur Tilda, wie sie mit ihrer Freundin in diesen Pausen Momente voller Glück erlebt hat, trotz aller Bedrängnisse in ihrem Leben. Da war die kranke alleinerziehende Mutter, dann die kleine Schwester und die ständige Sorge, ob das Geld reichen würde. Mit ihrer Freundin hielt sie diese Pause-Momente voller Hoffnung fest und so wurden diese zur Kraftquelle. 

Von Bedrängnissen redet auch der Römerbrief. Es gibt so vieles was damals und heute auch auf uns Druck ausübt, uns belastet und bedrängt im persönlichen und allgemein Gesellschaftlichen: Zukunftsangst, seelische Erschöpfung, Angst vor Scheitern, dann die Kriege, die Klimakrise, gesellschaftliche Polarisierung usw …

Was kann in solchen Stimmungen und Lebenslagen Hoffnung vermitteln? Vielleicht wie bei Tilda im Roman, wenn wir uns erinnern an gute Momente, an „Pausen“ oder daran, wie wir schon einmal eine Bedrängnis gut hinter uns gebracht haben.

Vielleicht können uns auch die Erfahrungen von biblischen Menschen helfen. Jesus zeigte den Weg. Viele Geschichten werden dort erzählt von Menschen in Krisen und wie sie ihre Kräfte entdeckten, wie sie gehalten und getragen wurden.

Einen garantierten irdischen Erfolg versprechen sie nicht, wohl aber einen Sinnhorizont, in dem selbst Scheitern und Schmerz nicht das letzte Wort behalten müssen. Geschichten erzählen davon wie Menschen im Glauben Krisen bewältigen konnten. 

Haben Sie solche „Erinnerungs-Pausen“? Pausen, die Hoffnung geben? Wo ist Ihr Raum, der Sie stärkt und aufrichtet? Halten Sie solche guten Momente fest?

Was lassen Sie an sich ran und dann irgendwann auch in sich hinein? Für mich ist jeder Gottesdienst so eine Pause. Vielleicht ist er aus der Mode gekommen, was aber nichts daran ändert, dass er bei vielen Menschen wirkt. Paulus hat schon recht: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.

„Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. / Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen. / Wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, / mich nicht so sehr verhinderte am Wachen. / Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich denken und dich besitzen (nur ein Lächeln lang), / um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.“ (Rainer Maria Rilke)

Ingrid Gottwald-Weber, Dekanin in Weißenburg