Auf dem mühevollen Weg des Glaubens

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Hoffnung der Christen

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebräer 13,12–14

Der Freund der kleinen Hausgemeinde war abgereist. Aus der Ferne hatte er ein tiefgründiges Schreiben geschickt. Es war im Kreis der Mitglieder verlesen worden. Die Worte hatten sich ihnen eingeprägt: Hinausgehen vor die Tore, dorthin, wo Jesus gelitten hatte. Die gleichen Schmähungen ertragen, womöglich in ähnliche Not kommen.

Bedrängnis und Verfolgung erleben viele Christinnen und Christen. Sie hören die Worte aufmerksam. Ich habe mich mit einem Bekannten darüber ausgetauscht. Gerne hätte ich ihn mit seinem echten Namen angesprochen. Aber die Situation in seiner Heimat Iran steht dem entgegen. So nenne ich ihn hier Amin E.

 

Volker: Amin, du hast fliehen müssen, weil du dich im Iran einer Christengruppe angeschlossen hattest. 

Amin: Ich hatte das Gefühl, dass meine Seele nicht das Leben ausstrahlen konnte, was in ihr ist. Ich habe darunter gelitten. Die Stimme in mir hat mich in Bewegung gebracht. Da habe ich mich einer Gruppe von Christinnen und Christen angeschlossen.

Volker: Der Hebräerbrief spricht vom Hinausgehen zu Jesus, der leidet. 

Amin: Ich habe gespürt: Jemand in mir leidet mit mir und er ist mir immer einen Schritt voraus. Da spürte ich Liebe, die bereit ist zum Leiden. Er hat den Weg für mich freigemacht. Und im Rückblick war es gut für mich, diesen Weg mit allem seinen Leiden zu gehen.

Volker: Die, die nach draußen gehen, werden die gleichen Schmähungen tragen wie Jesus …

Amin: Es gab negative Erfahrungen in meiner Umgebung. Ich habe mich nicht verstanden gefühlt. Ich wurde verspottet oder ausgenutzt und verletzt. Es war dann auch in Deutschland immer wieder hart. Ich stand kurz vor der Abschiebung, bis ich im Prozess vor Gericht anerkannt wurde. 

Volker: Jesus bringt uns in eine heile Verbindung zu Gott. Durch sein Leiden werden wir geheiligt.

Amin: Im Nachhinein habe ich verstanden: Jemand hat schon gelitten. Seine Hingabe hat mir den Weg frei gemacht. Und meine Seele kann so lebendig werden und das Leben wieder ausstrahlen.

Volker: Jetzt bist du beruflich erfolgreich. Du hast geheiratet. Ihr habt eine kleine Tochter. Aber im Hebräerbrief lese ich „Wir haben keine bleibende Stadt …“

Amin: Hätte mich früher jemand gefragt, was Heimat ist, hätte ich geantwortet: Dort, wo ich verwurzelt bin, wo ich mich auskenne. Mittlerweile habe ich das Gefühl: Meine Heimat ist in mir. Da ist der Himmel, da ist die große Freiheit. Meine Heimat ist die Zukunft, die ich von der Liebe getragen lebe.

 

Die Verse aus dem Hebräerbrief beschreiben den inneren Weg des Glaubens. Dieser Weg folgt der Spur, die Jesus gelegt hat. Er führt womöglich durch Leiden und Schmach. Er führt in eine große innere Freiheit. Diesen Weg hat Jesus für uns gebahnt. 

Dr. Volker Pröbstl, Dekan in Selb