Bilder, die flüstern – und schreien

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Bilder Vodianas „Ich werde das mit dir teilen“ und „Über jedes Haus, das nicht mehr existiert, das nicht mehr repariert werden kann“ in der Ausstellung des Caritas-Pirckheimer-Hauses. Fotos: Borée
Bilder Vodianas „Ich werde das mit dir teilen“ und „Über jedes Haus, das nicht mehr existiert, das nicht mehr repariert werden kann“ in der Ausstellung des Caritas-Pirckheimer-Hauses. Fotos: Borée

Begegnung mit Werken der Ukrainerin Kateryna Vodiana im Caritas-Pirckheimer-Haus

Nürnberg. Es ist das vielleicht stillste und zugleich eindrücklichste Bild (oben links) der Ausstellung: Häuser schweben in den Himmel, sitzen auf Wolken wie aus einem Kindermärchen. Sie tragen Heiligenscheine. Auf den ersten Blick wirkt das Gemälde fast naiv. Doch dann fällt der Blick auf die Einschusslöcher. Auf die Risse, die sich wie auf einer zersprungenen Glasscheibe über das Bild ziehen. Ein Haus ist getroffen, verwundet, gebrochen. Was bleibt, ist Erinnerung.

„Dieses Bild zeigt nicht nur zerstörte Häuser“, erklärt die ukrainische Künstlerin und Kinderbuch-Illustratorin Kateryna Vodiana (VoKa). „Es zeigt die Stille nach der Explosion. Risse, die nicht mehr zu reparieren sind. Ein Zuhause, dem Wärme und Stimmen geraubt wurden – nicht durch Alter, sondern durch Russland.“ 

Die Ausstellung „Flüstern aus der Besatzung“ im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus führt damit zu einer Begegnung mit einer Frau, die fast zwei Jahre unter russischer Besatzung lebte – aber nicht verstummte. Sie konnte zur Vernissage am 25. Juni aus persönlichen Gründen nicht selbst kommen. Doch durch ihre Videobotschaft war sie auf tief berührende Weise anwesend.

In ihren Werken verarbeitet sie ihre Erlebnisse während der russischen Besatzung in ihrer Heimatstadt Enerhodar. Dort arbeitete sie auch als Designerin im Kernkraftwerk Saporischschja. Sie floh zunächst in die Nähe von Nürnberg. Nun lebt sie in Bulgarien.

Schon früh war die Malerei für Vodiana ein Ausdruck innerer Zustände: „Wenn ich Licht in meinem Herzen hatte, habe ich gemalt. Wenn es dunkel war, habe ich auch gemalt.“ Die Kuratorin Kateryna Chebotarova stellte rund 20 Werke vor – thematisch gegliedert: Gemälde aus Enerhodar, entstanden noch vor der Flucht, sowie Bilder über das Leben unter Besatzung. Szenen von Zerstörung – innerlich wie äußerlich. Und schließlich Werke über Verlust und das, was dennoch trägt: Unterstützung.

Ein Leitmotiv zieht sich durch viele Bilder: die Verbindung zu anderen. Gerade in den dunkelsten Zeiten war sie überlebenswichtig. „Die einfache Frage ‚Wie geht es dir?‘ wurde zu einem Licht in der Dunkelheit“, sagt sie. Auch ihr Werk „Ich werde das mit dir teilen“ (oben rechts) drückt ihre Hoffnung, ihre Sehnsucht nach Menschlichkeit aus. 

„Während der Angriffe habe ich mich unter der Decke versteckt – wie ein Kind“, erzählt Vodiana. „Doch auch dort fand ich keinen Frieden. Was mich gerettet hat, waren Worte. Nachrichten. Unterstützung.“ Schließlich wandte sie sich direkt an ihr Publikum: „Wenn du das hier liest, lieber Betrachter – dann ist die Verbindung da.“

Bis zum 1. August zeigt das Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) zusammen mit dem Ukrainischen Bildungs- und Kulturverein Nürnberg e.V. die Werke Vodianas unter dem Titel „Flüstern der Besatzung“. Öffnungszeiten werktags 8 bis 20 Uhr, am Wochenende auf Anfrage. Eine Kuratorinnenführung findet am Mittwoch, 23. Juli, um 18 Uhr statt: Hierfür ist eine Anmeldung erforderlich unter der E-Mail akademie@cph-nuernberg.de oder telefonisch unter 0911/2346-145.