Härte überwinden, die Vertrauen behindert

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Inge Wollschläger Editorial Hintergrundbild Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Aktion „7 Wochen Ohne“ von Inge Wollschläger

Schon sind wir mittendrin in der Passionszeit. Und wie jedes Jahr kann uns die Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland in dieser Zeit begleiten. „7 Wochen Ohne“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Das klingt angenehm unspektakulär. Und genau darin liegt seine Kraft.

Härte gehört ja fast schon zum Grundrauschen des Alltags. Ein kurzer, schneidender Ton am Frühstückstisch, weil die Zeit drängt. Eine knappe Antwort, die mehr abwehrt als erklärt. Ein inneres Zusammenzucken, wenn jemand etwas sagt, das uns trifft. Oft merken wir gar nicht, wie schnell wir hart werden – nach außen und nach innen. Es ist eine
Art Selbstschutz: Wer nichts an sich her­anlässt, kann auch nicht verletzt werden. Dumm nur, dass dabei auch Nähe, Vertrauen und Wärme auf der Strecke bleiben.

Es lohnt sich, da einmal genauer hinzuschauen. Wie reden wir eigentlich miteinander? Was muten wir anderen zu – und uns selbst? Vielleicht kennen viele dieses Gefühl: Man funktioniert, erledigt, hält durch. Gefühle werden vertagt. „Später“, sagen wir. Nur kommt dieses Später oft nicht.

Die Fastenzeit lädt ein, es anders zu versuchen. Nicht perfekt, nicht heldenhaft, sondern tastend. Sieben Wochen lang ausprobieren, wie es ist, die Schärfe herauszu­nehmen. Einmal tief durch­atmen, bevor man antwortet. Zuhören, ohne gleich zu korrigieren. Wahrnehmen, wenn jemand müde, überfordert oder still geworden ist. Und vielleicht auch anerkennen, dass man selbst nicht immer stark sein muss.

Ohne Härte leben heißt nicht, alles gutzuheißen oder Konflikte zu vermeiden. Es heißt, sie menschlich zu führen. Mit Respekt, mit Gefühl, mit der Bereitschaft, den anderen wirklich zu sehen. Manchmal beginnt das ganz unscheinbar: bei einem freundlichen Blick, einem offenen Satz, einem Moment des Innehaltens an der Supermarktkasse oder beim Spaziergang durch den noch winterlichen Park.

Die Passionszeit ist keine Zeit des Verzichts um des Verzichts willen. Sie ist eine Einladung zur Veränderung. Jetzt, mitten im Leben. Vielleicht ist dieses Wochenende ein guter Moment, damit anzufangen: weniger Härte, mehr Herz. Nicht als großes Programm, sondern als leise Bewegung. Schritt für Schritt. Tag für Tag.