Sprung ins kalte Wasser

41
Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Taufe Jesu

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er‘s ihm zu. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Matthäus 3,13–17

Es gibt Menschen, die gehen nicht schwimmen. Nicht, weil sie es nie gelernt hätten, sondern weil ihnen das Wasser nicht geheuer ist. Zu tief. Zu kalt. 

Johannes der Täufer steht im Jordan und tauft die Menschen. Bußfertige steigen zu ihm hinab, lassen sich untertauchen, tauchen auf als neue Menschen. Und dann kommt Jesus. Der, von dem Johannes gesagt hat: „Ich bin nicht würdig, ihm die Schuhe aufzubinden.“ Und dieser Jesus will ins Wasser. Johannes wehrt sich. Man hört die Verwirrung. Das passt doch nicht!

Solche Momente gibt es. Wenn das Leben einem etwas zumutet, das sich falsch herum anfühlt. Die Kirche wird kleiner. Gemeinden fusionieren. Und draußen? Kriege, Klimakrise, Verhärtungen. Manchmal möchte man rufen: „Stopp!“

Jesus aber sagt: „Lass es zu.“ Und steigt ins Wasser.

Was für ein Bild! Der Sohn Gottes steigt ins Wasser wie alle anderen. Macht sich verletzlich. Lässt sich untertauchen. Und dann: Der Himmel reißt auf. Gottes Geist kommt herab wie eine Taube. Und Gottes Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Bevor Jesus auch nur ein Wort gepredigt hat. Einfach so. Bedingungslos geliebt.

Diese Zusage gilt jedem Menschen, der getauft ist. Wir sind Gottes geliebte Kinder – nicht wegen irgendwelcher Leistungen. Sondern einfach so. Diese Zusage trägt – auch wenn der Boden wackelt.

Wasser kann bedrohlich sein. Wer an Überschwemmungen denkt, weiß das. Wer erlebt, wie Vertrautes wegbricht, fühlt sich wie unter Wasser. Aber zur Taufe gehört auch: das Auftauchen. Der Neuanfang. Die Erfahrung, dass Gott mit durch tiefe Wasser geht.

Der offene Himmel sagt: Gott ist nicht fern. Gottes Geist – zart wie eine Taube, aber kraftvoll – will bewegen. Will Mut machen, neue Wege zu gehen. 

Vielleicht braucht es das in diesem neuen Jahr: Den Mut, sich wieder ins Wasser zu stellen. Die Bereitschaft, sich vom Geist bewegen zu lassen. Die Gewissheit, dass man nicht allein ist. 

Jesus ist vorausgegangen. In den Jordan. Und dann hinaus, um Gottes Reich zu bauen: mit Brot für die Hungrigen und Gerechtigkeit für die Unterdrückten.

Ihm folgen wir nach. Mit nassen Füßen und offenem Himmel. Getragen von der Zusage: „Du bist geliebt.“ Das reicht. Das trägt. Das macht Mut.

Dagmar Knecht, Pfarrerin München-Moosach

Lied 168: Du hast uns, Herr gerufen